Brunnennymphe als Wahrzeichen abgelöst

Bad Wildunger Kurschattenbrunnen: Vom Aufreger zum Fotostar

Wildunger Wahrzeichen: Brunnennymphe im Wildunger Quellenmuseum. Ihr hat die Kurschattendame am Kurschattenbrunnen längst den Rang abgelaufen. Fotos: Weller/pr/Höhne

Über viele Jahrzehnte war die Brunnennymphe das Wahrzeichen Bad Wildungens.

Bad Wildungen – Die Figur des kleinen zarten Mädchens, das knieend dem Betrachter in symbolischer Weise das wichtigste Gut der Kurstadt, das Heilwasser anbietet, fand sich auf offiziellen Briefköpfen und Poststempeln. Dann lief ihr eine andre „Person“ den Rang ab: die „Kurschatten-Dame“.

Die freistehende Figur, für die die Künstlerin Karin Bohrmann selbst Modell stand, ist eigentlich nur als ironischer Abschluss der Brunnenanlage, die eine Zeitreise durch die Kurgeschichte abbildet, gemeint. Aber sie erhitzte schon lange vor der Einweihung des Brunnens die Gemüter – landes- und bundesweit, erinnert sich Bad Wildungens Museumsleiter Bernhard Weller.

Vernichtende Kritik im Vorfeld

Kunst im öffentlichen Raum ist stets umstritten. Die Gestaltung des Platzes am Beginn der Brunnenallee, deren Umgestaltung 1987 damit abgeschlossen werden sollte, führte aber schon lange im Vorfeld zu mehr als angeregten Diskussionen. Es wurde aus Styropor ein 1:1-Modell eines Säulenrondells aufgebaut, das vernichtende Kritik erfuhr – auch in der Waldeckischen Landeszeitung.

Daraufhin fanden Erkundungsfahrten städtischer Politiker statt, die aber auch nicht zu überzeugenden Lösungen führten. Schließlich setzte sich der damalige Bürgermeister Dr. Albrecht Lückhoff mit einem Vorschlag durch, der zunächst für überraschtes Staunen und dann für erhebliche Aufregung in der Bevölkerung sorgte. „Will Bad Wildungen das Bad der freien Liebe werden?“, fragte darauf entrüstet eine Pensionswirtin. „Dieser Kurschatten ist ein Angriff auf die Moral“, empörte sich eine Einwohnerin.

Über 10 000 Neugierige zur Eröffnung

Die Angelegenheit wurde zusätzlich aufgeheizt durch einen überaus fehlerhaften Artikel der Bild-Zeitung, erinnert sich Weller. Unter der Überschrift „Der Nackte und der Kurschatten“ wurde über „eine Kleinstadt in Nordhessen“ berichtet, in der schon Karl der Große um 800 nach Christus eine Oase der Ruhe vorgefunden haben soll.

„Bad Wildungen in Aufruhr?“ fragte damals die Waldeckische Landeszeitung. Am Tag der Eröffnung strömten dann mehr als 10 000 Neugierige zur Enthüllung, und Bürgermeister Dr. Lückhoff stellte fest, kein zurückliegendes Ereignis in Bad Wildungen habe auch nur annähernd eine so verbreitete Publizität erfahren wie die Gestaltung des Brunnenplatzes mit dem „Kurschatten-Denkmal“. 

Heute gehört der Kurschattenbrunnen zu den meist fotografierten Motiven und wird auch als Schokoladenmodell verkauft. Die Geschichte der Brunnenallee und ihrer markanten Kunstwerke ist im Quellenmuseum in der Wandelhalle dokumentiert. 

Wie der Kurschattenbrunnen zu seinem Namen kam

Der Kurschattenbrunnen, der das Phänomen des Kurschattens plastisch darstellt, wurde 1987 eingeweiht. Im Fokus ist eine Gruppe stehender nackter Personen mit Wasserspeiern, Brunnenbecken und kleineren Figuren. Die Figur eines badenden, älteren Mannes wendet sich mit interessiertem Blick einer Frauenfigur zu, die über das Pflaster schreitet. Die Dame trägt auf dem erhobenen Kopf einen Hut, und wirft je nach Sonnenstand einen weiblichen Schatten auf den Mann – der Schatten war Namenspate für den Brunnen  

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare