Paulina Hoffmann will High-School-Erfahrungen sammeln und erlebt Ausnahmesituation 

Schulhalbjahr in Kanada: Bad Wildungerin vom Virus ausgebremst

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Winter in Kanada: Die Bad Wildungerin Paulina Hoffmann bei einem Ausflug zu den Niagara-Fällen.

Eine junge Bad Wildungerin wollte an einer High School in Kanada lernen und wurde vom Corona-Virus ausgebremst.

Bad Wildungen – Paulina Hoffmann machte im Januar ihren Traum wahr und reiste für ein Schulhalbjahr nach Kanada. Das Corona-Virus bescherte ihr eine Ausnahmesituation. Paulina packte aber nicht wie viele andere die Koffer für eine vorzeitige Heimreise – und hat ihre Entscheidung nicht bereut. Trotz der extremen Einschränkungen war es „bis jetzt die beste Zeit meines Lebens“, sagt die 16-Jährige glücklich.

„Kanada? Zieh dich nur warm an und pass vor den Bären auf…“ – Diesen guten Rat hörte sie oft vor ihrer Abreise. Ihre Eltern brachten sie zum Flughaften nach Frankfurt. Dort wurde sie mit weiteren Austauschschülern von den Koordinatoren der Organisation AIFS empfangen.

Start mit Aufenthalt in Toronto

Die Olympiaringe bei den  Whistler Mountains.

Der Abschied von den Familienmitgliedern war nicht leicht. „Man weiß, dass man im nächsten Moment in ein Flugzeug steigt, und dann siehst du sie für die nächsten fünf Monate höchstens über einen Bildschirm beim FaceTimen oder Skypen wieder“, erinnert sich die 16-Jährige an den bewegenden Moment.

Ihre Reise begann mit einem dreitägigen Besuch in Toronto. Zusammen mit den anderen Austauschschülern ging es zu den Niagarafällen und zum CN-Tower. Dann reiste Paulina allein weiter nach Surrey, einem Vorort von Vancouver, dem Wohnort ihrer Gastfamilie. Dazu gehören eine 16 Jahre alte kanadische und eine 17 Jahre alte italienische Gastschwester und die Gastmutter.

Keine Klausuren und keine mündliche Beteiligung im Unterricht

Die Wildungerin wird Schülerin der Earl Marriott Secondary School . Ein Unterschied zum gewohnten Schulalltag: „Die Lehrer und Lehrerinnen haben ihren eigenen Raum, wo jeder Schüler dann hingehen muss. Die Lehrer können auch ihre eigenen Regeln für diesen Raum haben.“ Die Schule fängt später an als gewohnt. Und „es gibt keine mündliche Beteiligung und keine richtigen Klausuren sondern nur einen kleinen Test in den vier Fächern, die man selbst wählen kann.“ Paulina entscheidet sich für Mathematik, Kreatives Schreiben, Biologie und Jahrbuchdesign mit Fotografie. Jeder Schüler identifiziert sich mit seiner Schule und ist stolz darauf, hat Paulina beobachtet.

Zum Skifahren in den Whistler Mountains

Ausflüge führten nach Vancouver, in einige Parks und zum Skifahren in die Whistler Mountains. Gern hätte sie noch mehr gesehen und sich in einigen Lieblingssportarten der Kanadier versucht, die mit Begeisterung Eishockey, Rugby, American Football, Snowboarden, Feldhockey und Wrestling betreiben. Leider bremst das Corona-Virus alle Aktivitäten aus.

Eine vorzeitige Heimreise kam für Paulina nicht infrage. „Ich fühle mich wirklich wohl hier und bin sehr gut in das Familienleben eingebunden“, freut sich die Wildungerin. „Ich werde nicht wie ein Gast, sondern wie ein Familienmitglied behandelt.

Die Schülerin hofft, dass es bis zum voraussichtlichen Abreisedatum am 27. Juni noch ein paar Lockerungen vom Staat gibt und noch Ausflüge möglich werden. „Trotz dieser Umstände war dieses Austauschhalbjahr eine der besten Entscheidungen meines Lebens, und ich habe viel über mich selbst und ein anders Land gelernt und kann definitiv sagen, dass Kanada für immer ein zweites Zuhause bleiben wird.“

Online-Unterricht ist angesagt

Das Corona-Virus bestimmt auch den Alltag der Menschen in Kanada. „Ich werde ähnlich wie in Deutschland per online-school unterrichtet“, erzählt Paulina Hoffmann. Die Schulen bleiben voraussichtlich bis Ende September geschlossen. Statt Schulunterricht im Klassenzimmer stehen Onlinemeetings mit ihren Lehrern im Stundenplan. 

Nach den Hausaufgaben unternimmt Paulina gern einen Spaziergang mit dem Hund. „An den Wochenenden gehen wir öfters mal an den Strand, um zu Paddelboarden oder für einen langen Spaziergang. 

Regelmäßig Kontakt zu Familie und zu Freunden

Peace Arch Park: Das Monument an der Grenze zwischen den USA und Kanada ist Zeichen der Freundschaft und des Zusammenhalts. Fotos: Paulina Hoffmann/pr

Abends kochen wir meistens mit der Familie zusammen, und unter der Woche machen meine Gastschwestern und ich meistens das Essen, da meine Mutter immer bis 19 Uhr arbeitet.“ Regelmäßig hält die Wildungerin den Kontakt zu ihren Eltern, ihrer älteren Schwester und Freunden in Deutschland via Telefon oder Skype. 

„Die momentane Situation ist natürlich nicht das, was man sich vorstellt, wenn man ein High-School-Auslandshalbjahr machen möchte“, räumt Paulina ein. „Ich bin trotz Corona hier geblieben, da ich die Hoffnung erstens noch nicht aufgegeben habe und zweitens mein Englisch weiterhin verbessern kann, denn das war ja auch einer der Hauptgründe meiner Reise.“ 

Keine Maskenpflicht, aber zwei Meter Sicherheitsabstand

Paulina vermisst das Treffen mit Freunden, ist aber glücklich über die Gesellschaft von zwei gleichaltrigen Gastschwestern. Die „Social distancing“-Regeln gelten auch in Kanada. Beim Spaziergang darf sich die Schülerin nicht mit anderen treffen. „Zwar gibt es hier keine Maskenpflicht, doch wird in den noch offenen Einkaufsläden schwer drauf geachtet, dass man den Sicherheitsabstand von mindestens zwei Metern einhält und man nicht mit mehr als zwei Personen in den Laden geht.“ In wenigen Wochen endet ihr Abenteuer Kanada, und ein bisschen Wehmut macht sich breit. „Eigentlich hatte ich vor, noch sehr viel von Vancouver und dem wunderschönen Land zu sehen.“

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