Helfer gesucht

Reparaturcafé in Bad Wildungen lockt Besucher von Nah und Fern: Tüfteln an Toastern, Fahrrädern und Nähmaschinen

Bei der Fehlersuche: Tim Schmidt und Doris Klein inspizieren eine Nähmaschine, die ein Besucher ins Reparaturcafé mitgebracht hat.    Foto: Maerz/pr

Besucher aus Nah und Fern reisen mit defekten Geräten zum Reperaturcafé nach Bad Wildungen an.. 

Bad Wildungen – Defekte Kaffeemaschinen, Toaster oder Waffeleisen nicht einfach entsorgen sondern mit Unterstützung von ehrenamtlichen „Schraubern“ wieder instand setzen – das war die Idee des Reparaturcafés. Vor zweieinhalb Jahren öffnete es erstmals seine Pforten und wurde auf Anhieb zum Erfolgsmodell. „Wir hatten von Anfang an viel Zulauf“, sagt Ulf Berwaldt.

Oft nur kleine Teile, die verlötet werden müssen

Suchen Verstärkung für das Reparaturcafé: Altstadtkoordinatorin Johanna Engel, die „Schrauber“ Peter Pröhl, Ulf Berwaldt und Nabil Saliba mit Manuela Maerz, Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses. Foto: Conny Höhne

Er gehört mit Initiatorin Doris Klein, Peter Pröhl und Nabil Saliba zum festen Team der Helfer. Über Arbeit klagen sie bei ihren Monatsteffen nie. „Wir mussten schon zweimal im Monat öffnen, weil es nicht zu schaffen war.“ Jeweils zehn Besucher kommen mit Haushaltsgeräten – mehr geht nicht, und ohne Anmeldung läuft gar nichts. 

„In der Regel sind es nur kleine Teile, die erneuert oder neu verlötet werden müssen“, berichtet Peter Pröhl. Der frühere Maschinenschlosser setzt alles daran, um sie wieder funktionstüchtig und blitzsauber in Betrieb zu nehmen.

Tipp für den Job aus dem Ehrenamt kam aus der Schweiz

Zu dem ehrenamtlichen Job kam er über seinen Sohn. Er lebt in der Schweiz und hatte seinerzeit von dem geplanten Reparaturcafé im Internet gelesen. „Das ist genau die richtige Beschäftigung für Dich,“ legte er seinem Vater ans Herz. 

Seitdem tüftelt, schraubt und prüft der Rentner und hat Freude, wenn er helfen kann. „Meist sind es ältere Damen, die mit einem kaputten elektrischen Gerät kommen.“ Aber auch Männer suchen Hilfe und gelegentlich auch jüngere Leute. Dabei entwickelt sich so manches interessante Gespräch.

Nach Anleitungen im Internet gestöbert

Das Gerät einfach abgeben zur Reparatur geht aber nicht, stellen die Aktiven klar, denn Mithilfe ist gefragt. Berwaldt: „Wir zeigen, welche Schrauben gelöst werden müssen und helfen auch, wenn etwas nicht klappt.“

Bei älteren Modellen wird im Internet nach Reparaturanleitungen und Ersatzteilen gestöbert. Kürzlich halfen die Schrauber bei einer Nähmaschine, die keiner mehr reparieren wollte. „Das lohnt sich nicht mehr,“ hörte die Besitzerin mehrfach. Die Tüftler gaben die Maschine nicht auf. Für 99 Cent wurde ein Ersatzteil für eine defekte Welle bestellt. „Sie ist zu lang, aber wir kriegen das hin“, hofft Berwaldt.

Pflanzen tauschen im Garten-Café 

Auch Reißverschlüsse wurden repariert, Messer geschärft, Fahrräder und Drucker in Gang gesetzt, an Gartenhäckslern und Schreinermaschinen geschraubt. „Waschmaschinen und andere Großgeräte nehmen wir aber nicht an.“ Die meisten Besucher kommen aus Wildungen und Umgebung, einige auch aus Korbach, Felsberg, Bad Arolsen. 

Eine Sachsenhäuserin brachte einen Föhn, wunderten sich die Helfer über eine weite Anfahrt für ein preiswertes Gerät. Aber für Lieblingsstücke scheint kein Weg zu weit. Neben Hobby-Tüftlern helfen ehemalige und aktive Profis bei der Fehlersuche und beraten über das Vorgehen.

Im „Gartencafé“ warten Besucher bei Kaffee und Keksen, tauschen Gemüse- und Blumensamen, Pflanzen und Früchte oder schauen den Aktiven über die Schulter.

Dringend Helfer gesucht

Acht Aktive gehören derzeit zum festen Team, weitere Helfer werden dringend gesucht. Das vom Mehrgenerationenhaus „Alte Schule“ getragene Projekt findet jeden ersten Donnerstag im Monat im Martin-Luther-Haus, Breiter Hagen 12, statt. 

Mittelfristig wünschen sich die Aktiven eine feste Bleibe, wo Schraubstock und andere Werkzeuge fest installiert werden können. Bürgermeister Ralf Gutheil sicherte Unterstützung zu. „Gerade in unserer heutigen Wegwerfgesellschaft und Mülldiskussion ist es ein sehr guter Ansatz, das Bewusstsein für Ressourcenverschwendung zu schärfen.“ 

Anmeldung und Informationen für alle Interessierten, Hobby-Tüftler und weitere Helfer: Ulf Berwaldt, Tel. 05621/3129

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