Zum Abschied des langjährigen Stadtförsters "Sarrazin-Tanne" genannt

Hessens Rekord-Tanne steht im Bad Wildunger Stadtwald

Namenschild an der Lieblingstanne: Bürgermeister Ralf Gutheil (links) und Hans-Joachim Kramer (rechts) verabschiedeten den langjährigen Stadtförster Markus Sarrazin an der „Sarrazin-Tanne“ am Homberg.

136 Jahre trotzte ein Baum im Bad Wildunger Stadtwald Wind und Wetter - jetzt hat die Weiß-Tanne einen Namen. 

Bad Wildungen – Markus Sarrazin kennt im 2100 Hektar großen Stadtwald fast jeden Baum persönlich. Eine 136 Jahre alte Tanne mit Gardemaß hat er besonders ins Herz geschlossen. Die Weiß-Tanne steht als hessischer Rekordbaum in der Liste der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft. Zu Ehren Sarrazins, der nach 18 Jahren seinen Dienst bei Hessen-Forst im Stadtwald beendet, erhielt der prächtige Baum ein hölzernes Schild mit dem Namen des Forstamtmanns.

Vermutlich 1884 gepflanzt

„Champion Tree“: Die Weiß-Tanne aus Bad Wildungen wurde 2012 in die Liste der hessischen Rekordbäume aufgenommen.

Bürgermeister Ralf Gutheil und der für den Stadtwald zuständige Mitarbeiter Hans-Joachim Kramer verabschiedeten den Förster an der „Sarrazin-Tanne“ am Homberg. Damit werde ein guter Brauch fortgeführt. An Sarrazins Vorgänger erinnern Pauluskreuz, Bertholdeiche und Waldhütten. Sarrazin wollte Namenspate der Rekordtanne werden. 

„Dieser Baum hat mir schon immer am Herzen gelegen,“ sagt der 52-jährige. Sie sei stabil gewachsen, obwohl sie an einem eher niederschlagsarmen Standort stehe. 

Laut Forstbetriebswerk wurde sie vermutlich 1884 gepflanzt oder ausgesät und entwickelte sich prächtig. „Dieser Baum steht auf der Liste der Champion Trees“, sagt Sarrazin. 

Heute rund 40 Meter hoch

2012 hat er ihn vermessen. „Mit damals 35 Metern Höhe und 3,55 Metern Stammumfang war er die stärkste Tanne Hessens.“ In den vergangenen acht Jahren habe sie weiter an Wuchs zugelegt, misst heute geschätzte 40 Meter. Das will Sarrazin demnächst mit dem Lasergerät überprüfen und die Zahlen in der Datenbank aktualisieren. „Den Titel wollen wir auf jeden Fall zurück,“ bekräftigte Gutheil.

Pflege benötigt der Baum aber auch im Alter von 136 Jahren nicht. „Ich habe aber ein Gatter bauen lassen, damit sich die Tanne nach unten ausbreiten kann, ohne dass sie von den Rehen gefressen wird.“

Sarrazin: Der Bad Wildunger Stadtwald ist ein besonderer Wald

Mit Wehmut wechsele er nun aus gesundheitlichen Gründen in das Nationalparkamt, merkte Sarrazin an. An seinen langjährigen Arbeitsplatz ziehe es ihn auch künftig gern zurück. „Der Stadtwald ist ein besonderer Wald, weil es da eine große Durchmischung gibt.“ Eiche, Buche, Lärche, Fichte und Tanne seien vertreten, größere Monokulturen gebe es nicht.

Gutheil und Kramer lobten die sehr gute Zusammenarbeit seit 2002. „Vieles wurde auf dem kleinen Dienstweg gewuppt“, freute sich Sarrazin über die stete Unterstüzung und schloss ausdrücklich den Bauhof mit ein.

Tanne leidet unter Wildverbiss

Nur zwei bis drei Prozent Tannen wachsen im Wildunger Stadtwald. Dabei ist die Tanne in Zeiten des Klimawandels aus Sicht von Markus Sarrazin ein Zukunftsbaum. „Die Tanne ist eine Alternative zur Fichte, kommt besser mit der Trockenheit klar, weil sie tiefer wurzelt, und ist obendrein eine heimische Art.“ 

In seiner 18-jährigen Dienstzeit habe er intensiv die Tanne gefördert. Sie wäre prozentual deutlich besser im Forst vertreten, wenn es keinen Verbiss gäbe, erläutert der Forstamtmann. Ein Beispiel steht am Wegesrand: ein schmächtiges Pflänzchen, etwa 30 zentimeter groß, das von Rehen angeknabbert ist. „Diese Tanne ist schon 15 Jahre alt.“ 

Selbst wenn sie über 20 oder 30 Jahre verbissen werden, sterben Tannen nicht ab, erklärt Sarrazin. Aber erst wenn sie aus der Verbisshöhe rausgewachsen sind, nehmen die Bäume deutlich an Wuchs zu. „Die Buche verdrängt andere Baumarten, aber die Tanne schafft es immer wieder, sich zu entwickeln.“ 

Der Anteil der Tanne sollte künftig auf 10 bis 15 Prozent gesteigert werden, rät der Forstmann. Mit 20 Prozent Fichtenanteil im Stadtwald seien bisher 50 Prozent der Einnahmen generiert worden. „Jetzt sind 80 Prozent dieser Fichten weg, und es muss für zukünftige Generationen Nadelholz eingebracht werden.

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