Ziel: Erhalt der regionalen Schlachtstätte

Bad Wildungen: Stadtparlament will Schlachthof an Landkreis verkaufen

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Hoffen auf Sanierung: Der Bad Wildunger Schlachthof, der seit dem Ammoniakaustritt am 30. Juni 2019 geschlossen ist, wurde dem Landkreis zum Kauf angeboten, um die Zukunft der Schlachtstätte zu sichern. 

Seit dem Ammoniakunfall am 30. Juni steuert der Bad Wildunger Schlachthof in eine ungewisse Zukunft.

Eine Möglichkeit, die Existenz der Schlachtstätte langfristig zu sichern, ist ein Verkauf an den Landkreis Waldeck-Frankenberg. Das Stadtparlament hat in seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause ein Kaufpreisangebot in Höhe von 300 000 Euro beschlossen.

„Der Investitionsstau ist hoch“, sagte Bürgermeister Ralf Gutheil. Bereits im März hatten die Schlachtstätte GmbH und die Landwirtschaftliche Vieh- und Fleischvermarktung Nordhessen eG als Pächter des Schlachthofs um finanzielle Unterstützung zum Erhalt des Betriebs gebeten, wurde aus einer Tischvorlage zu diesem Tagesordnungspunkt klar.

Aufgrund der angespannten Haushaltslage sei den Pächtern mit Schreiben vom 12. Juni mitgeteilt worden, dass eine Investition der Stadt nicht infrage komme. Allerdings war eine langfristige Verlängerung der Nutzungsüberlassung und eine Reduzierung der Pacht auf 800 Euro in Aussicht gestellt worden. Der Ammoniakunfall, der sich kurz darauf ereignete, legte die Betriebsstätte dann komplett still.

Intensiv wurde nach Lösungen gesucht, um die Zukunft der Schlachtstätte zu sichern. Landrat Dr. Reinhard Kubat stellte einen Kauf durch den Landkreis in Aussicht, um die Regionalvermarktung zu erhalten. Wie Kreisbeigeordneter Friedrich Schäfer auf WLZ-Anfrage mitgeteilt hatte, stehen dafür zurzeit lukrative Fördermöglichkeiten zur Disposition. Kommt es zu dem Kauf, soll der Kreis die Investitionen finanzieren und den Schlachthof danach wieder an die Betreiber verpachten. Gutheil: „Ziel ist die Übernahme in 15 bis 20 Jahren – damit wäre Regionalität garantiert.“

Laut Marc Vaupel (CDU) gehe es um einen traditionellen Betrieb, der fast 100 Jahre im Besitz der Stadt Bad Wildungen war. Aus Verantwortung vor dem Tier, um lange Transportwege vor der Schlachtung zu ersparen als auch vor Verantwortung um Regionalität sei es wichtig, den Betrieb unbedingt zu erhalten. „Der Landkreis darf sich auch gern mal in Bad Wildungen engagieren, wenn er das Kreiskrankenhaus in Frankenberg immer päppelt.“ Um vorzubeugen, dass der Schlachthof später dann doch irgendwann eingestellt wird, drängte Dr. Hans Schultheis (Freie Wähler) darauf, in die Vertragsverhandlungen einen Passus aufzunehmen, der den Betrieb „über viele, viele, viele Jahre“ garantieren soll.

Einstimmig beschloss das Parlament das Kaufpreisangebot an den Kreis. Für eine eventuelle Erweiterung des Radwegenetzes soll entlang der Schlachthofstraße zwischen Gehweg und Ställen/Schlachthofmauer ein Streifen gesichert werden. Da der Wunsch besteht, auch eine Kleingewerbefläche am östlichen Rand im Besitz der Stadt zu behalten, soll entsprechend nachverhandelt werden.

Schlachthof stand schon einmal kurz vor der Schließung

Vor 18 Jahren stand der Schlachthof schon einmal kurz vor der Schließung, sagte Kämmereileiter Udo Paul auf WLZ-Nachfrage. Damals hätten die politischen Gremien die Auffassung vertreten, Investitionen in den Schlachthof seien keine kommunalen Aufgabe. 

Die heutigen Betreiber hätten den Schlachthof daraufhin im Rahmen einer Nutzungsüberlassung so übernommen wie er war und zeichneten seither für die Unterhaltung zuständig. Inzwischen seien erhebliche Investitionen nötig, unter anderem in die Heizung, aber auch, um die geltenden Vorschriften erfüllen zu können

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