Landrat informiert in öffentlicher Finanz- und Wirtschaftsausschusssitzung 

Keine Rettung für Bad Wildunger Schlachthof - aber Aussicht auf Neubau einer kombinierten Schule 

Rettung nicht mehr in Sicht: Für den Bad Wildunger Schlachthof fehlen Investoren und Betreiber. Seit dem Gasunfall vor genau einem Jahr ruht der Betrieb, die bisherigen Nutzer sind an andere Schlachtstätten abgewandert. Foto: Höhne

Der Schlachthof ist nicht zu retten. Diese enttäuschende Botschaft überbrachte Landrat Dr. Reinhard Kubat in der Sitzung des Finanz- und Wirtschaftsausschusses am Donnerstagabend in der Wandelhalle.

Bad Wildungen – Diese bittere Pille war aber schnell verdaut, angesichts einer faustdicken Überraschung aus dem Kreishaus. Auf dem Schlachthofgelände stellte Kubat einen Schulneubau für über 20 Millionen Euro in Aussicht.

Sanierung des Schlachthofs auf 1,6 Millionen Euro geschätzt

Der Kreis hatte nach dem Gasunfall vor genau einem Jahr und der Stilllegung des Betriebs sofort Unterstützung für einen Erhalt der regionalen Schlachtstätte zugesagt. Davon rückt Kubat inzwischen ab. „Ich kann diese Erwartungen nicht erfüllen“, betonte er am Donnerstagabend.

Seit einem Jahr geschlossen: Der Schlachthof in Bad Wildungen.

Auf Grundlage eines Gutachtens des Landkreises werden die Kosten für die Sanierung auf 1,6 Millionen Euro geschätzt. Es fehlten jedoch Finanzpartner und mögliche Betreiber.

 Der Landrat vermisse Intentionen auf privatwirtschaftlicher Ebene, den Schlachthof zu übernehmen. „Das ist aber auch nicht Aufgabe des Landkreises,“ stellte Kubat klar. „Als möglicher Investor den Karren allein aus dem Dreck ziehen, das können wir nicht.“

Bemühungen sind gescheitert 

Seine Bemühungen mit Herzblut, Partner für die Finanzierung zu finden, seien gescheitert. Der Großteil der Nutzer kommt laut Kubat hauptsächlich aus dem Schwalm-Eder-Kreis. Sie hätten sich längst umorientiert und transportierten ihr Vieh an Schlachtstätten in Ziegenhain, Mengeringhausen oder andere Betriebe. Zudem habe das heimische Metzgerhandwerk signalisiert, die fehlende Wildunger Schlachtstätte durchaus kompensieren zu können.

Viessmann-Schule und Asklepios-Bildungsinstitut auf Schlachthofgelände

Für das 1,3 Hektar große Schlachthof-Gelände brachte der Landrat überraschend eine neue Option ins Gespräch: Den Neubau einer kombinierten Schule. Es laufen Gespräche, die Hans-Viessmann-Schule und das Asklepios Bildungsinstitut für Gesundheitsberufe unter einem Dach zu vereinen, informierte der Chef der Kreisverwaltung. „Das wäre eine Investition jenseits der 20 Millionen Euro.“ 

Diese Summe schulterten der Kreis als Schulträger und die Asklepios-Kliniken als Betreiber des Bildungsinstituts gemeinsam, wenn sich beide Partner einig werden und die Stadt das Schlachthof-Areal zur Verfügung stelle. Für die in die Jahre gekommene Berufsschule war schon länger ein Neubau im Gespräch. Ein zunächst vorgesehener Standort an der Ense scheiterte aber an den Grundstücksverhandlungen.

Ende der 116-jährigen Geschichte des Bad Wildunger Schlachthofs  in Sicht

Die überraschende Aussicht auf einen Schulneubau auf dem Schlachthofgelände mussten die Abgeordneten in der Sitzung unter dem Ausschussvorsitz von Helmut Simshäuser (CDU) erst einmal sacken lassen. „Wir kamen eigentlich zur Rettung des Schlachthofs zusammen“, brachte es Walter Mombrei (SPD) auf den Punkt.

 Springe die Stadt in dieser Situation als Retter in die Bresche, gehe es voll zu ihren Lasten. Mombrei rät, „nicht Fantasien hinterher zu jagen“. Der ins Gespräch gebrachte Schulneubau sei ein Glücksfall für die Stadt. 

Dr. Edgar Schmal (CDU) erinnerte sich an eigene Kindertage, wo er seinen Vater – ein Wildunger Tierarzt – oft in den Schlachthof begleitete. Aber die 116-jährige Geschichte des Wildunger Schlachthofs gehe zu Ende. „Wir sollten uns von Illusionen verabschieden.“ Ein Schulneubau sichere den Berufsschulstandort und dringend benötigten Nachwuchs für Gesundheits- und Pflegeberufen. Deshalb müsste dieser Gedanke des Kreises aktiv begleitet werden.

Freie Wähler drängen auf Lösungen für eine Schlachtstätte in Wildungen

 Die Zeichen für eine Rettung des Schlachthofs standen laut Bürgermeister Ralf Gutheil schon länger unter keinem guten Stern. Nach der Schließung hätten sich die Nutzer andere Schlachtstätten gesucht. Er habe mit steten Nachfragen im Rathaus nach dem Verlauf der Verhandlungen und einer möglichen Wiedereröffnung gerechnet – aber die Resonanz sei gleich Null gewesen. 

Für die Rettung des Schlachthofs machten sich die Freien Wähler im Vorfeld stark und regten die Prüfung eines Neubaus an einem anderen Standort an. Fraktionsvorsitzender Dr. Hans Schultheis begrüßte in der Ausschusssitzung die Aussicht auf eine kombinierte Schule ausdrücklich, warb aber trotzdem für eine Schlachtstätte. „Es fehlt mir der gute Wille zu der Maßnahme.“ 

Es müssten weiterhin an Lösungen gearbeitet und Fördermöglichkeiten ausgelotet werden, forderte er. Fleisch und auch das Schlachten würden teurer, das sei der aktuelle Trend. Dann lohne sich auch wieder der Betrieb eines Schlachthofs.

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