Schauspielerin Sabine Wackernagel las aus Briefen und Tagebüchern

Liebesbriefe an Goethe in der Bad Wildunger Seniorenuniversität

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Details aus dem Leben von Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe erfuhren die Zuhörer der Seniorenuniversität.

Bad Wildungen – Aus dem Leben von Johann Wolfgang von Goethe und Christiane Vulpius plauderte Schauspielerin Sabine Wackernagel in der Wildunger Wandelhalle. 

„Ich ging im Walde so für mich hin, und nichts zu suchen das war mein Sinn“ – mit diesen Zeilen aus Goethes Gedicht „Gefunden“ betrat Sabine Wackernagel die Bühne der Wandelhalle. Die Kasseler Schauspielerin hat in Bad Wildungen eine große Fangemeinde, viele Stammhörer der Senioren-Uni hatten ihren Namen auf den Wunschzettel für das Programm geschrieben.

In einen großen Monolog spielte sie die Lebensgefährtin von Johann Wolfgang von Goethe, dessen Geliebte und spätere Ehefrau Christiane Vulpius. Sie war 23 Jahre alt, als sie 1788 den 16 Jahre älteren Dichter kennen lernte. Auf einem Spaziergang im Weimarer Park an der Ilm hat sie ihn angesprochen und einen Bittbrief ihres Bruder überreicht, der sich als Schriftsteller versuchte und Goethe um Unterstützung bat. Dieser lud Christine in sein Gartenhaus ein. Das war der Beginn einer langjährigen Beziehung. Wackernagel las aus Briefen und Tagebüchern. „Ich habe alles aufgeschrieben“, zitierte sie aus „Faust“. Angeschlagen durch eine Erkältung, aber mit kraftvoller Stimme, Mimik und Gestik brachte sie Gedanken zu Gehör.

Goethe nannte Christiane „meine dicke Hälfte“, für die Frau von Friedrich Schiller war sie eine „geistige Null“. Vulpius wurde von der Gesellschaft nicht geachtet. Die Putzmacherin galt als „ungebildete Fabrikarbeiterin“, wurde als Hure beschimpft.

Unzählige Briefe schrieb sie ihrem Geliebten. „Mein lieber, lieber, geliebter Schatz, wenn es dir gut geht, dann ist das mein einziges Glück“, heißt es darin. Den „Meister“, angesehen in Weimar und bei Hofe, störte es nicht, dass Christiane ungebildet war, die statt zu lesen („Dabei schlafe ich schnell ein.“) lieber ins Theater ging. Nach ihrer ersten Liebesnacht mit Goethe „hüpfte ihr Herz vor Freude“ und „oft sagte ich danach nicht nein“.

Christiane wurde schwanger in einer Zeit als dies vor der Ehe unter Strafe stand. Nur das hohe Ansehen des Dichters bewahrte sie von dem Gefängnis. „Die Einzige, die es gut mit mir meinte, war meine spätere Schwiegermutter, Goethes Mutter, die sogar zu meiner Freundin wurde“, schrieb die Vulpius.

Wie Dichter, die so wunderbare Worte schreiben, gleichzeitig aber so engstirnig, verklemmt und kleingeistig sein können, das habe sie nie verstanden, erfuhr das Publikum der Seniorenuniversität bei dem anspruchsvollen Solotheater. Oft habe Goethe sie allein gelassen, „doch er hat mich nie verlassen“, schrieb Christiane.

1806 wurde das Paar getraut. Zehn Jahre später schrieb Christiane in ihrem letzten Brief an den Ehemann: „Ich freue mich unendlich, dass es Dir gut geht, denn das ist unser aller Glück.“ 1816 starb sie, Goethe überlebte sie noch zehn Jahre.

VON WERNER SENZEL

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