Der zweite Fall von Tierhortung in einem Jahr

"Animal Hoarding" in Diemelstadt: 26 Hunde an Tierheime in Bad Wildungen, Korbach und Beuern

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Aus einem Fall von Animal Hoarding: Pinscher-Mix-Hündin Ronja und ihre fünf Welpen wurden im Bad Wildunger Tierheim aufgenommen; im Bild mit Tierheim-Mitarbeiterin Gabi Steiling.

Eine Pinscher-Mix-Hündin mit fünf Welpen hat das Wildunger Tierheim aus einem aktuellen Fall von „Animal Hoarding“ aufgenommen. 

„Die Haltungsumstände entsprachen weder dem Tierschutzgesetz noch der Tierschutz-Hundeverordnung“, sagte Dr. Hartmut Wecker, Pressesprecher des Landkreises Waldeck-Frankenberg, auf WLZ-Anfrage.

Vier Hunde aus diesem Bestand kamen in das Tierheim in Beuern, 16 nach Korbach. Einige davon wurden bereits vermittelt, sagt die Korbacher Tierheim-Leiterin Karina Kuhn. 

Bei einer Untersuchung stellte sich heraus, dass eine Hündin aus dem Rudel schwanger war. Sie brachte am Samstag drei Welpen zur Welt.

„Animal Hoarding“ – das krankhafte Sammeln von Tieren auf engem Raum – sei mit steigender Tendenz zu beobachten, meint Kuhn. „Es kommt leider immer wieder vor, dass Tierhaltern die Sache über den Kopf wächst und sie den Überblick verlieren.“ Meist vermehrten sich die Tiere unkontrolliert.

In Diemelstadt wurden 26 Pinscher und Pinscher-Mischlinge unter nicht artgerechten Bedingungen gehalten. Details zur Haltung nannte der Pressesprecher des Landkreises nicht. 

Der Fachdienst Lebensmittelüberwachung, Tierschutz und Veterinärwesen wurde durch Anzeigen auf die Tierhaltung aufmerksam. „Diese wurde daraufhin mehrfach kontrolliert“, sagte Wecker.

Sicherstellung bereits im September

Im September wurden die Hunde sichergestellt und sind inzwischen zur Vermittlung freigegeben. „Einige sind sehr anhänglich und möchten ständig auf den Arm, andere sind noch recht schüchtern“, beschreibt Kuhn die Tiere. 

Die etwa drei Jahre alte Hündin Ronja im Wildunger Tierheim habe von ihrer Umwelt bislang wenig kennengelernt, ist sich Tierheim-Mitarbeiterin Gabi Steiling sicher. „Sie kannte keine Wiese, kein Gassi – nichts“, und fremde Menschen seien ihr suspekt. 

Mit erst vier Tage alten Welpen kam sie nach Bad Wildungen. Im Dezember wäre der Wurf alt genug für die Abgabe in ein neues Zuhause. 

Keine Weihnachtshunde

„Aber dann gehen die Welpen bei uns nicht raus“, betont Gabi Steiling mit Nachdruck. „Wir wollen auf keinen Fall Weihnachtshunde vermitteln.“

Im Landkreis sind bisher nur einzelne Fälle von „Animal Hoarding“ bekannt. Im Wildunger Tierheim ist es schon der zweite Fall innerhalb eines Jahres. Zur Jahreswende 2018/19 wurden 18 verwahrloste Katzen in Obhut genommen.

Tierhortung (Englisch: animal hoarding) ist das krankhafte Sammeln und Halten von Tieren auf engem Raum, ohne die Mindestanforderungen an Nahrung, Hygiene oder tierärztlicher Versorgung gewährleisten zu können. 

Betroffene Halter sind nicht mehr in der Lage, auf Haltungsmängel und negative Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden der Haushaltsmitglieder zu reagieren.

Bad Wildunger Tierheim öffnet seine Türen am 19. Oktober für Besucher

Das Tierheim in Bad Wildungen öffnet am Samstag, 19. Oktober, von 13 bis 17 Uhr seine Pforten für interessierte Besucher. 

Im Mittelpunkt stehen die über 40 Bewohner des Tierheims am Dachsköppel. Neben Pinscher-Mix-Hündin Ronja und ihren fünf Welpen sind vier Hunde und 35 Katzen in Obhut, davon besonders viele Jungtiere. „Wir haben aktuell 17 Katzenwelpen“, berichtet Gabi Steiling, Assistentin der Tierheimleitung. 

Unter den Hunden, die auf ein neues Herrchen oder Frauchen warten, ist ist ein fünf Jahre alter Akita. Neben einem zwölf Jahre alten Rottweiler-Mix ist auch ein Mischling untergebracht. 

Aus dem Ausland

„Der wurde im Ausland bestellt, und dann nicht abgenommen, als er hier eintraf“, schildert Steiling das Schicksal des Vierbeiners. Dobermann Odin ist schon länger im Tierheim und bekommt sein Gnadenbrot am Dachsköppel. 

Besucher können sich am Samstag die Anlage anschauen, an Ständen stöbern und sich über die Arche Ka-Naum informieren. Es gibt Leckeres vom Grill, Kaffee und Kuchen, Gewinnspiele und einen Vortrag über Wildvogelfütterung. 

Spenden sind willkommen. Dieses Geld will der Tierschutzverein in ein Dach für die Außenzwinger investieren.

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