Der Name kommt vom Haselstrauch

Waldhistorisches Kleinod: Der Hutewald Hesselnköppel bei Odershausen

Waldhistorisches Kleinod: Hutebuche am Hesselnköppel bei Odershausen. Foto: Georg Schöke/pr

Bad Wildungen-Odershausen – Ein kaum bekanntes Hutewäldchen ist der Hesselnköppel im Spitzegrund bei Odershausen. Um dieses waldhistorische Kleinod zu betrachten, empfiehlt sich ein nicht markierter Rundweg durch das idyllische Tal, das vom Kaltebornsbach durchflossen wird.

Als Ausgangspunkt bietet sich der Parkplatz unterhalb der Odershäuser Koppe an. Auf dem asphaltierten Weg auf der linken Talseite (in Fließrichtung des Baches) beginnt die Exkursion. Oberhalb der Fischteiche quert ein Verbindungsweg auf die rechte Talseite. Nach etwa einem halben Kilometer liegt direkt rechts am Weg der Hesselnköppel.

Dieser Name kommt von Hessel, das bedeutet Haselstrauch. Jetzt, wo die Bäume noch unbelaubt sind, bieten sich gute Einblicke auf die sicher 200 Jahre alten Hutebuchen. Nur wenige, aber stattliche Exemplare stehen in diesem Wäldchen, jeder Baum fasziniert durch seine individuelle Ausprägung.

An dieser Kuppe war durch hoch anstehendes Grundgestein kein Ackerbau möglich und auch eine Viehweide lohnte hier nicht. Aber Hutebuchen konnten wachsen. Ihre Gestalt unterscheidet sich deutlich von den schlanken, hochschäftigen Buchen im forstlich genutzten Wald.

Charakteristisch für Hutebuchen ist der kurze Stamm und die weit ausladende Krone. Die Bäume wurden früher geschneitelt, das heißt, die Äste wurden zurückgeschnitten. Durch die sich entfaltenden großen Kronen in weitem Abstand zu den Nachbarbäumen bildeten sie im Herbst große Mengen von Bucheckern.

Die Förster nennen einen solchen reichen Fruchtbehang Mast. Dieses Wort deutet auf die frühere Waldweide hin. In die Hutewälder wurde im Herbst die Schweineherde des Dorfes getrieben, um die Tiere vor dem Schlachten mit den fetthaltigen Eckern zu mästen. Das war aber nicht die einzige Nutzung des Hutewaldes. Die frisch ausgetriebenen Zweige dienten im Frühjahr zum Teil als Futter für die Ziegen und im Herbst wurde Laub zur Einstreu im Viehstall geholt, denn Stroh war bei den Kleinbauern knapp.

Hutewald-Weg eine Chance für den Deutschen Wandertag 2020 in Bad Wildungen

Engagierte Albertshäuser haben bereits vor einigen Jahre die Idee entwickelt, einen Hutewald-Weg um ihr Dorf auszuschildern und ein ausgefeiltes Konzept erarbeitet.

Einbezogen werden können in diesen Rundweg gleich drei Hutewälder: Das Naturschutzgebiet „Paradies bei Gellershausen“, der in Domanialbesitz befindliche Hutewald an „Kestings Hütte“ zwischen Albertshausen und dem Schifftal sowie das Naturdenkmal „Halloh“.

Dieser naturkundlich und geschichtlich interessante Rundweg bietet zudem herrlich Fernblicke in die Kellerwaldberge. Der Deutsche Wandertag 2020 in Bad Wildungen bietet die Chance, dieses auch für den Tourismus wichtige Projekt endlich zu verwirklichen. 

Der Tourplan steht bereits für den Wandertag in Bad Wildungen.

Was noch fehlt ist eine Broschüre, welche dem Wanderer die Hutewälder im Kellerwald erschließt, beispielsweise auch die bei Braunau und Gellershausen. Auch diese Idee wartet schon seit Längerem auf Realisierung.

 Hutewälder sind Alleinstellungsmerkmale für Naturtourismus

Naturfreunde kommen zum Teil von weit her, um die prächtigen alten Hutebuchen im Naturdenkmal „Halloh“ bei Albertshausen zu bestaunen. 

Insbesondere für Naturfotografen sind sie ein beliebtes Motiv. Das „Halloh“ ist sicher im Kellerwald das schönste und am besten erhaltene Beispiel einer ganz speziellen Waldnutzung, die einst im Dienste kleinbäuerlicher Viehhaltung stand. 

Das Wort Hute kommt von Hüten der Tiere. Der Kellerwald zeichnet sich aber durch etliche unterschiedlich große und verschieden strukturierte ehemalige Hutewälder aus. Sie sind für die Region in ihrer Vielfalt ein Alleinstellungsmerkmal, das für den Naturtourismus bisher viel zu wenig herausgestellt und genutzt worden ist

VON WOLFGANG LÜBCKE

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