Es ging um Einnahmen aus Fischerei-Erlaubnisscheinen und um Pfandentgelte

44-Jähriger für siebenfache Untreue zum Nachteil des Naturparks Kellerwald-Edersee  verurteilt

Ein 44-Jähriger wurde beim Amtsgericht in Fritzlar zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
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Ein 44-Jähriger wurde beim Amtsgericht in Fritzlar zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Wegen Untreue in sieben Fällen hat das Amtsgericht Fritzlar einen 44 Jahre alten Mann aus dem Kreis Waldeck-Frankenberg zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten verurteilt. Sie wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Edertal/Fritzlar – Der bisher nicht vorbestrafte Gärtner und Vater von vier Kindern muss die Kosten des Verfahrens tragen.

Einnahmen von Fischerei-Erlaubnisscheinen an Affolderner See und Edersee

Das Thema: Der Mann war vom Naturpark Kellerwald-Edersee beauftragt worden, Fischerei-Erlaubnisscheine an Angler für den Affolderner See und die Edertalsperre auszugeben. Das vereinnahmte Entgelt sollte er auf ein dafür eingerichtetes Konto einzahlen. Auch soll – so die Staatsanwaltschaft Kassel – vertraglich vereinbart worden sein, dass die Pfandentgelte für Fangmeldungen auf ein von ihm einzurichtendes Verwahrkonto einzuzahlen sind.

Entgegen seiner Verpflichtungen hatte es der Beschuldigte laut Anklage unterlassen, ein entsprechendes Verwahrkonto einzurichten. Seinen Zahlungspflichten sei er nur teilweise nachgekommen. Ihm wird vorgeworfen, einen Betrag von 14 617 Euro unberechtigt vereinnahmt zu haben.

Staatsanwältin: "Da ist verdammt viel schief gelaufen"

Der Angeklagte sagte zu den Vorwürfen nichts. Sein Verteidiger erklärte, es habe kein Verwahrgeldkonto gegeben. Auf alte Rückstände sei immer wieder ein Abschlag gezahlt worden.

„Vielleicht verstehe ich es auch nicht“, sagte die Staatsanwältin während der Beweisaufnahme. Wo gingen die Einnahmen hin? Diese und andere Fragen blieben unbeantwortet. Auch die Ehefrau soll beteiligt gewesen sein. Hätte der Beschuldigte von Anfang an eine Buchführung gehabt, so die Staatsanwältin, hätte er gesehen, „es kann so nicht funktionieren – da ist verdammt viel schief gelaufen“.

Der Naturpark Kellerwald-Edersee habe das Fischereirecht vom Wasser- und Schifffahrtsamt gepachtet und vermarkte die Angel-Erlaubnisscheine, erläuterte der ehemalige Naturpark-Geschäftsführer, der als Zeuge geladen war. Er schilderte, wie die Angelschein-Blocks abgerechnet werden.

„Es kommen schnell mal ein paar tausend Euro zusammen“, hieß es. Mehrere Blocks seien nicht ordentlich abgerechnet worden, berichtete der frühere Naturpark-Mitarbeiter. Als die Frau des Beschuldigten darauf angesprochen worden sei, habe diese gesagt, ihr Mann sei nicht erreichbar, weil er als Fernfahrer unterwegs sei. Eine Kriminalbeamtin konnte nicht zur Erhellung der Hintergründe beitragen – sie hatte nur den Geschäftsführer vernommen, nicht aber den Beschuldigten.

Von der einen in die andere Tasche gewirtschaftet

„Und jetzt?“ fragte Richterin Corinna Eichler in die Runde. Der Angeklagte sagte, sein Betriebs- und Privatkonto seien gepfändet worden. Und das „schon seit einigen Jahren“, wie die Staatsanwältin erläuterte. Sie sei davon überzeugt, dass es in den Jahren 2015 und 2016 sieben Fälle von Untreue gegeben habe. Es gebe große Außenstände.

Der Angeklagte sei nicht der typische Betrüger mit hoher krimineller Energie. Seine selbstständige Beschäftigung sei „nach hinten losgegangen“. Es sei von der einen in die andere Tasche gewirtschaftet worden, bis es eine große Schieflage gegeben habe. Der Mann habe Lehrgeld bezahlen müssen, durch die Pfändungen werde eine Wiedergutmachung des Schadens betrieben. Ihr Antrag: Ein Jahr Freiheitsstrafe mit dreijähriger Bewährung.

Der Verteidiger beantragte Freispruch, weil der Tatbestand der Untreue nicht erfüllt sei. Richterin Eichler stellte bei der Urteilsbegründung fest, der Beschuldigte habe einen Nebenerwerb angefangen und habe den Verwaltungsaufwand nicht ernst genommen. Es habe keine ordentliche Buchführung gegeben.

Von Manfred Schaake

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