Verhandlung am Fritzlarer Amtsgericht

"Dampf abgelassen" in Bad Wildungen: 28-Jähriger wegen Beleidigung verurteilt

Wegen Beleidigung hat das Amtsgericht Fritzlar einen 28-jährigen Mann aus dem Kreis Waldeck-Frankenberg zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 25 Euro verurteilt. Er muss die Kosten des Verfahrens tragen.

Bad Wildungen/Fritzlar –Mit dem Urteil folgte Richterin Lydia Lahmann dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Vorwurf der Volksverhetzung konnte dem bisher nicht vorbestraften Angeklagten nicht nachgewiesen werden. 

Möglicherweise werden die Vorfälle vom 26. Juli 2018 auf der Brunnenallee noch einmal aufgegriffen. An der Straftat war laut Beweisaufnahme auch noch ein 34-Jähriger beteiligt, der vorübergehend mit dem Angeklagten zusammen wohnte. Beide hatten sich in einer psychiatrischen Klinik bei einer Drogentherapie kennengelernt. Ob es ein Verfahren gegen ihn geben wird, prüft noch die Staatsanwaltschaft.

Laut grölend mit Messer unterwegs

Laut Beweisaufnahme waren beide Männer an der Tat beteiligt. Vier Streifenbesatzungen rückten aus. Angeklagt aber wurde nur der 28-Jährige – wegen Volksverhetzung und Beleidigung.

Deutlich wahrnehmbar habe er ausländerfeindliche Parolen gerufen und in der Öffentlichkeit die nationalsozialistische Herrschaft des Zweiten Weltkrieges gebilligt. „Ich bin als Kanake beschimpft worden“, berichtete ein Lastwagenfahrer, der nach dem Tumult die Polizei alarmierte. Beide Männer hätten geschrien und gerufen, „früher hätte man alle vergast“. Passanten seien aus Angst geflüchtet. „Ich war erschlagen“, schilderte der 42-Jährige sein Befinden, „ich bin vor 25 Jahren aus der rechtsradikalen Szene ausgestiegen, ich war von der Schule her Mitläufer“.

Ein Polizeibeamter berichtete, die Beschuldigten seien mit einem Messer laut grölend unterwegs gewesen. In der Wohnung des 28-Jährigen habe man ein Hitlerbild sichergestellt.

"Meine Erinnerung ist sehr schlecht"

 „Meine Erinnerung ist sehr schlecht“, sagte der Beschuldigte vor Gericht, der keinen Beruf hat, unter gesetzlicher Betreuung steht und von 734 Euro Rente und 160 Euro Wohngeld lebt. Der Vater eines achtjährigen Kindes gab zu, Cannabis zu konsumieren. Von seiner Frau lebe er seit 2017 getrennt. Zu dem 26. Juli sagte er: „Es war ein rabenschwarzer Tag.“

„Wir waren Freunde“, sagte der als Zeuge geladene 34-Jährige. Weil das Job-Center einen Vorschuss abgelehnt habe, seien beide wütend gewesen. Gemeinsam habe man „Dampf abgelassen“, weil „andere Leute bevorzugt werden“.

 An Einzelheiten erinnere er sich aber nicht mehr. Er habe nichts gegen Ausländer, beteuerte er. Der Vorwurf der Volksverhetzung gegen den 28-Jährigen lasse sich nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachweisen, erklärte die Staatsanwältin. Nachweisbar sei nur die Beleidigung „Scheiß Kanake“. Dafür beantragte sie 30 Tagessätze zu je 25 Euro. So entschied auch die Richterin, die von schwerwiegenden Vorwürfen sprach.

VON MANFRED SCHAAKE

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