Umsatz sank 2013 um bis zu 50 Prozent

Café Schwarze stellt Insolvenzantrag

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Das Café Schwarze ist geschlossen, doch alle Beteiligten hoffen, dass dieser Zustand trotz Insolvenzantrages nicht lange anhält.

Bad Wildungen - Das Café Schwarze schließt bis auf Weiteres. Grund: Geschäftsführer Günter Elsner musste Montag Insolvenzantrag beim Amtsgericht Fritzlar stellen. Er hofft, dass kommende Woche ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt und der Betrieb dann weitergeführt wird.

Im Dezember konnte die Betreibergesellschaft den Angestellten keine Gehälter mehr zahlen.

Über drei Monate hinweg gibt es für die neun Beschäftigten – davon sechs in Vollzeit – Insolvenzausfallgeld von der Arbeitsagentur. Eben diese drei Monate hat ein vorläufiger Insolvenzverwalter auch Zeit, eine Lösung für den dauerhaften Weiterbetrieb zu finden. Bis Ende Februar muss demzufolge das Ziel erreicht sein.

Bach-Abschied ein Faktor

Elsner nennt mannigfaltige Ursachen für den Gang zum Insolvenzgericht. Der Umsatz sackte im vergangenen Jahr teils um die Hälfte ab. Zugleich wurde aber investiert in den Ausbau des „Sahnestübchens“ nach dem Auszug des Konditors Christian Bach, in neue Böden und in die Renovierung des Hotels mit seinen zehn Doppel- und acht Einzelzimmern.

Der Weggang von Bach trug zur Entwicklung bei, analysiert Elsner. Negative Gerüchte um das Café, die aber jeder Grundlage entbehrt hätten, verstärkten den Effekt. Hinzu kamen Veränderungen im Verhalten der Gäste allgemein, meint Elsner: „Das Geld sitzt nicht mehr so locker, und die Leute geben pro Besuch in der Gastronomie weniger aus als früher.“

Das Café Schwarze habe versucht, mit Blick auf das Hotel hochwertiges Essen und eine große Karte anzubieten, doch die Rechnung ging nicht auf.

Sechs Stellen eingespart

Zu hoch waren Wareneinsatz und Personalaufwand. Elsner zitiert ein geflügeltes Wort in der deutschen Gastronomie: „Die Gäste trinken dich reich und essen dich arm.“ Bekanntermaßen eine Eigenheit der Deutschen, denn Franzosen oder Italiener etwa lassen sich gutes Essen weitaus mehr kosten.

Elsner zog im vergangenen Jahr erste Konsequenzen, strich sechs Stellen mit Schwerpunkt in der Küche und fuhr das Restaurantangebot zurück.

Ein weiterer Faktor: Gastronomie- und Freizeitangebot in Bad Wildungen hätten sich in den zurückliegenden Jahren insgesamt rückläufig entwickelt. Abends ist an der Allee nicht mehr viel los, stellen viele Wildunger seit Langem fest. Elsner beendete seinen Versuch, mit der „Tenne“ die Szene zu beleben, weil Probleme mit Lärmemissionen auftraten, die sowohl Nachbarn als auch Hotelgäste beeinträchtigten.

Wie schwierig sich die Arbeit der Gastronomie in der Kurstadt gestaltet, belegen auch die Beispiele „Allee 52“ und Schloss Friedrichstein.

Das Restaurant in der oberen Brunnenallee hat nach knapp eineinhalb Jahren seine Türen wieder geschlossen und die Museumslandschaften Hessen Kassel suchen für Schloss Friedrichstein nicht einmal drei Jahre nach der Renovierung des Barocksaals einen anderen Pächter.

Verkauf nicht geglückt

Gaby Elsner als Eigentümerin des Cafés Schwarze hatte gemeinsam mit ihrem Ehemann Günther in den zurückliegenden Monaten versucht, das Traditionshaus zu verkaufen. 1,25 Millionen Euro wollten die beiden erlösen. Das Höchstgebot lag bei 700 000 Euro für sie außerhalb der Diskussion.

Gaby Elsner hatte den lange leer stehenden Komplex Ende des vorigen Jahrhunderts aus der Insolvenzmasse gekauft und für rund zwei Millionen Euro saniert. Drei Pächter gaben in rascher Folge danach wieder auf. Dann übernahm die Besitzerin vor elf Jahren selbst die Verantwortung.

Günter Elsner stieg 2005 ein. Er hat Ideen, wie es weitergehen kann. Auch die Bar spielt in den Überlegungen eine Rolle. Tanz für Gäste ab 30, aber nicht in Form einer Discothek, schwebt ihm vor. Für das Hotel liegen seinen Angaben zufolge ab März viele Buchungen vor dank gesenkter Preise (64 Euro pro Doppelzimmer pro Nacht).

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