Abschiede und Anfänge in der fast voll besetzten Wandelhalle

Comedy mit Mirja Boes in Bad Wildungen: Knallhart, derb, aber auch emotional

Abschiede in Bad Wildungen: Das viel zu enge Kleid schenkte Mirja Boes (rechts) an eine Zuschauerin. Foto: Tina Fischer

Bad Wildungen – Miria Boes, eine der bekanntesten deutschen Comedians, präsentierte mit ihrer sechsköpfigen Honkey Donkey Band auf Einladung von Flemming Trends ihr aktuelles Programm „Auf Wiedersehen! Hallo!“.

Die Besucher im fast ausverkauften Saal, die die quirlige, oft derbe und unverwechselbar selbstironische Art des wortgewandten Multitalents begeistert, kamen voll auf ihre Kosten. Kein Blatt vor den Mund, kein Thema zu intim und keine Angst vor eindeutigen Bewegungen, das ist die Art Improvisationscomedy, mit der die 47-Jährige seit über 20 Jahren auf der Bühne steht.

Genau das erlebte auch das Publikum bei der Willkommensabschiedsrevue, bei der es um Abschiede und Anfänge ging. Den Abschied vom Schamgefühl bei einer Darmspülung mit detaillierter Beschreibung stieß gleich zu Beginn des gut zweistündigen Programmes auf geteilte Begeisterung.

Gemeinsam mit ihrer Band hatte Boes passende Lieder einstudiert und sorgte mit „Mir scheint die Sonne aus dem A...“, „Ich pinkel deinen Namen in den Schnee“ oder „Ich werd zum wilden Tier wenn ich menstruier“ für eine Mischung aus Begeisterung und Verwunderung. Boes verabschiedete sich in aller Ausführlichkeit von ihrer Gebärmutterschleimhaut und hatte für kränkelnde Gäste im Publikum nur Hohn und Spott statt Mitleid. „Das hab ich in der zehnten Klasse abgewählt“ stellte sie knallhart klar, und die Fans lieben sie genau für diese Härte zu sich selbst und den einbezogenen Besuchern. Diese freuten sich über Prosecco-Dosen mit Autogramm, die Veranstalter Matthias Flemming in der Pause verteilte.

Die Honkey Donkeys erinnerten an die gesanglichen Anfänge von Mirja Boes, die als Möhre mit dem Ballermannhit „20 cm nie im Leben kleiner Peter“ berühmt wurde. Verkleidet als Wildecker Herzbuben, Elvis, Udo Lindenberg oder Ramstein sorgte die Band für ein echtes Highlight des Abends. Boes philosophierte über ihre Zukunft und den Rücktritt vom Rücktritt. Sie beschrieb, wie und was sie im Leben noch erleben will und was sie von ihrer Liste gestrichen hat. Delfine, Langeweile, Völkerverständigung oder die Sammelleidenschaft wurden bearbeitet und in Form eines alten Kleides sogar erfolgreich abgearbeitet. Boes schenkte das schon immer zu enge Kleid an eine Dame aus der ersten Reihe, die zeigte, dass es der Richtigen passen kann. „Ich hasse Frauen die jünger und dünner sind“, kommentierte Boes und legte mit dem „Messimambo Trödelrambo“ gesanglich nach.

Dass sie auch emotional kann bewies die Powerfrau mit einem Lied für ihren kürzlich verstorbenen Vater „Du warst immer für mich da“. Mit einer fröhlichen Zugabe und dem Rat, sich nicht unterkriegen zu lassen sang Boes zum Abschied mit dem Publikum „lalala, jetzt kommt das letzte Lied, egal was auch geschieht“.

VON TINA FISCHER

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