Bauchchirurgie mit ganz besonderen Herausforderugnen

Darm besser managen an der Werner-Wicker-Klinik Reinhardshausen

Setzen sich für Rückenmarkverletzte und besseres Darmmanagement ein: (von links) Dr. Heiko Lienhard und Dr. Thomas Meiners mit den Patienten Hans-Heinrich Claus, Heinz Lennartz und Alexander Enns. Foto: Pflug

Bad Wildungen. Nach einer Verletzung des Rückenmarks ist oft auch die Funktion des Darms gestört. Das Zentrum für Rückenmarkverletzte an der Werner-Wicker-Klinik in Bad Wildungen möchte sich vermehrt diesem Thema widmen und hat daher sein Behandlungsspektrum um das Fachgebiet Viszeralmedizin mit Fokus auf Darmmanagement erweitert. Darmmanagement umschreibt die Behandlung von Stuhlinkontinenz und Verstopfung. Viszeralmedizin befasst sich mit der Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen des Bauchraums.

Viszeralchirurgie ist ein etabliertes Feld der Chirurgie, aber eines, das besonders bei Rückenmarksverletzten besondere Herausforderungen an den behandelnden Arzt stellt, sagt Dr. Thomas Meiners. Der Leiter des Zentrums für Rückenmarkverletzte erklärt, dass bei einer Verletzung des Rückenmarks auch das autonome Nervensystem in Mitleidenschaft gezogen wird. Dadurch wird die Darm- und Blasenentleerung beeinträchtigt. Betroffene sind also oft inkontinent.

„Gleichzeitig ist die Sensibilität und Wahrnehmung gestört“, sagt Meiners. „Das heißt, Beschwerdeangaben sind oft unspezifisch oder untypisch“, ergänzt sein neuer Kollege, Viszeralchirurg Dr. Heiko Lienhard. „Es ist dann nicht so schnell klar, ob es hier um eine Gallenkolik, einen Bandscheibenvorfall oder eine unzureichende medizinische Behandlung einer Spastik geht. Andere Probleme wie Hämorrhoiden bemerken die Patienten gar nicht.“ Diagnose und Behandlung seien aufwendiger und benötigten daher oft viel Zeit und Spezialwissen sowie eine querschnittgerechte Infrastruktur – das betreffe zum Beispiel Bäder und Hilfsmittel, aber auch den Personalschlüssel.

Dies sei im normalen Krankenhausbetrieb meist nicht gegeben, sagt Lienhard, der vorher selbst in Akutkrankenhäusern gearbeitet hat. Er schätzt daher die Möglichkeiten, die ihm die Arbeit an der Spezialklinik bietet: „Bei uns sind Patienten im Schnitt 50 Tage stationär, in der Akutklinik sind es vielleicht fünf Tage, sodass die ganzheitliche Betrachtung viel intensiver ist.“ Entsprechend hat die Werner-Wicker-Klinik ihr diagnostisches Spektrum ausgebaut und bietet nun neben Sonografie, Endoskopie und Kernspintomografie zum Beispiel auch H2-Atemtests zur Abklärung von Kohlenhydratverdauungsproblemen sowie ein breites Spektrum viszeralchirurgischer Operationen an.

Dr. Meiners erklärt, er sei sehr lange auf der Suche nach einem Kollegen gewesen. Aber: „Nicht jeder möchte mit Schwerstbehinderten arbeiten. Das Gebiet ist vielen auch zu speziell und zu sehr Nische. Und die großen Erfolge sind auch seltener.“ Lienhard macht außerdem Unwissen verantwortlich für das mangelnde Interesse der Kollegen: „Man hat mit dem Thema in der Ausbildung eher versehentlich zu tun, es gibt ja keinen Facharzt für Querschnittslähmung oder Ähnliches.“ Umso größer sei oft die Wertschätzung und Dankbarkeit der Patienten, die in ihrer Behandlungsgeschichte oft schon viele unterschiedliche Erfahrungen in der Behandlung gemacht hätten.

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