Eröffnungsfeier im Haus „Madiba“

„Den Weg in die Integration erleichtern“

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Neun junge Flüchtlinge aus Afghanistan und Eritrea werden vom Team um Gruppenleiter Ro Alognon (r.) in Höringhausen betreut. Der 39-Jährige kam 2003 aus Togo nach Bremen, studierte und engagierte sich ehrenamtlich in der Flüchtlingsbetreuung.Fotos: Kobbe

Waldeck-Höringhausen - Neun junge Flüchtlinge aus Afghanistan und Eritrea wohnen seit Anfang August im Haus „Madiba“. Betreut werden sie dort von Mitarbeitern des Jugendhilfe-Vereins „Let‘s go“ aus Brilon-Wald. Am Freitag stellten sich „die Jungs“ den Höringhäusern vor.

„Sie sind noch etwas schüchtern. Aber sie freuen sich total, dass sie heute so viele Besucher willkommen heißen können“, begrüßte Britta Mohr, Vorstandsmitglied des gemeinnützigen Jugendhilfeträgers, stellvertretend für die neun Jugendlichen, die Gäste der Eröffnungsfeier. Zusammen mit der Familie Al-Homssi hatten sie Spezialitäten aus ihren Heimatländern zubereitet. Mit ihren Betreuern führten sie die Gäste durch die Räume.

Toleranz und Versöhnung

Im Erdgeschoss hatten sie bis zuletzt an der Wandgestaltung gewerkelt. Das Gedicht „Invictus“ (Unbezwungen) von William Ernest Henley schrieben sie in schwarzen Lettern auf die gelbe Wand. Die letzten Zeilen lauten übersetzt: „Ich bin der Herr meiner Seele und der Kapitän meines Schicksals“. Es ist das Gedicht, dessen Zeilen Nelson Mandela die Kraft gaben, die jahrzehntelange Haft zu ertragen. Mandelas Clanname lautete „Madiba“.

Der Name der „Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“, wie es im Amtsdeutsch heißt, wurde mit Bedacht gewählt. Wertmaßstäbe, die sich an Toleranz und der Bereitschaft zur Versöhnung orientieren, sollen den 15- und 16-Jährigen helfen, nach dem menschenverachtenden Unrecht, das sie auf ihrer mitunter jahrelangen Flucht erlebt haben, wieder „Kapitän ihres Schicksals“ zu werden. „Wir wollen den Weg in die Integration erleichtern und ihnen individuelle Zukunftsperspektiven geben“, nannte Britta Mohr als Ziele ihrer sozialpädagogischen Betreuung.

Im Mittelmeer zu ertrinken: Diese furchtbare Perspektive gehörte noch vor wenigen Monaten zum Leben des 15-jährigen Hannibals, der in bewegenden Worten seine Fluchtgeschichte schilderte. Aus Eritrea in den Sudan, dann an die libysche Küste, von dort mit 500 anderen Flüchtlingen in einem Boot Richtung Sizilien. Die italienische Marine fischte sie nach neun Stunden auf. Seine erste Rede auf Deutsch schloss der große Fußballfan mit den Worten: „Danke für den Rückhalt, den Sie mir geben. Ich hoffe, Gott wird Ihren Weg erhellen.“

Geschenke für Gastgeber

„Madiba steht für alles, was junge Flüchtlinge brauchen, um sich wohl zu fühlen“, sagte Kreisbeigeordnete Hannelore Behle in ihrem Grußwort. „Was können wir von ,den Jungs‘ mitnehmen?“, fragte Waldecks Bürgermeister Jörg Feldmann, um zu verdeutlichen, das Integration keine Einbahnstraße sein kann. Überdies können vor allem im direkten Kontakt Ängste auf beiden Seiten ganz schnell abgebaut werden.

Das zeigte sich im Festzelt auf dem Hof der Einrichtung gestern überdeutlich. Vertreter der heimischen Vereine, aus Schulen und Behörden, Nachbarn, Freunde und Helfer genossen die Gastfreundschaft im Haus „Madiba“. Beim traditionellen Teichfest des SPD-Ortsvereins hatten die jungen Flüchtlinge vor kurzem bereits erste Kontakte zu den Höringhäusern geknüpft. Daraus entstand bei den Genossen die Idee, mit einem Teil des Erlöses den Sprachunterricht zu fördern, den Lehrer Wilfried Schuppe den Afghanen und Eritreern gibt. Im großen Paket, das Ortsvereinsvorsitzender Stefan Becker gestern überreichte, steckte ein Multifunktions-Recorder.

Ein weiteres Geschenk hatte Joachim Missler mitgebracht. Er lud „die Jungs“ zur nächsten Ausfahrt der Höringhäuser Schlepperfreunde mit den Oldtimer-Treckern ein.

Von Thomas Kobbe

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