In einem mäßigen Apfeljahr gibt es zum Apfeltag in Bringhausen wertvolle Tipps vomPomologen

Der deutsche Michel hat’s oft zu eilig

Edertal - Es ist kein gutes Apfeljahr im Waldecker Land. Der Frost im Frühjahr verhinderte eine bessere Ernte.

Die Apfeltage des Edertaler NABU am Samstag in Bringhausen und zur gleichen Zeit des Vereins „Wir Wellener“ vor der Alten Schule erfreuten sich trotzdem der üblichen, großen Resonanz. In Wellen gibt es darüber hinaus trotz der durchwachsenen Saison Standorte, an denen sich die Bäume unter der Last der Früchte beinahe bogen. „Der geschützte Gänsegraben ist so eine Stelle“, erklärt Vereinsvorsitzender Willi Münch.

Viele nutzten die Chance, ihr Obst auf den Platz vor dem DGH zu bringen und den Saft aus der vereinseigenen Presse in Eimer und Flaschen laufen zu lassen. „Am besten schmeckt er, wenn man verschiedene Apfelsorten mischt“, meint Münch. Besonders gut kam in diesem Jahr ein Mix aus Apfel und Birne bei den Saftfans an, zu denen viele Kinder gehören.

In Bringhausen lieferte der Twister Pomologe Robert Jäger zum Genuss viele spannende Detailinformationen. „Die Ernte in diesem Jahr liegt in unserer Region bei etwa 60 Prozent durchschnittlicher Jahre“, schätzt er. Geschmacklich bräuchten die Äpfel 2012 den Vergleich mit früheren Jahrgängen nicht zu scheuen.

Granny wächst hier nicht

Jäger ist ein wandelndes Lexikon in Sachen heimisches Obst. Er stellte den Besuchern nicht nur Äpfel und Birnen, sondern auch seltenere Früchte wie Mispel oder Kornellkirsche vor, die speziell zur Zubereitung und Verfeinerung von Obstbränden eingesetzt werden können.

Wer im Garten einen Apfel hat, von dem er nicht weiß, welcher Sorte er angehört, konnte ihn von Jäger bestimmen lassen. Noch mehr am Herzen liegt dem Fachmann aber die Beratung von Gartenbesitzern, die ein Apfelbäumchen neu pflanzen wollen. Eine Menge lässt sich da falsch machen. „Die Sorte muss zum Standort und zu unseren klimatischen Bedingungen passen“, unterstreicht er.

Was hilft es, wenn der Vater der Tochter unbedingt eine Freude machen will, er den heiß geliebten „Granny Smith“ setzt - und dieser Sorte in aller Regel 40 warme Wuchstage pro Jahr im Waldecker Land fehlen?

Der Prinzenapfel ist es

Jäger nimmt von der Palette der ausgestellten Apfelsorten einige kleine, unansehnlich runzelige, fleckige Früchte in die Hand und liefert das nächste Beispiel. „Das sind Golden Delicious“, sagt er. „Wenn man die nicht regelmäßig spritzt, sehen sie so aus.“

Ganz anders gibt sich der Finkenwerder Prinzenapfel. Groß, farbig und mit seinen übrigen Eigenschaften stellt er eine Allzweckleckerei für die Küche dar: Roh schmeckt er genauso gut wie als Kuchenzutat, Saftlieferant oder Kompott. Und er wächst aufgrund seiner Robustheit gegen Witterung, Pilze und Insekten bestens in unserer Region.

Glorreiche Vergangenheit

Speziell das Edertal wusste früher den Schatz von den Bäumen sehr zu würdigen, denn geschützte Täler, die Sonnenstrahlen einfangen wie ein Parabolspiegel, bringen reichlich schmackhafte Früchte hervor. In weit entfernte Regionen wurde das Obst einst verkauft, lieferte so 60 bis 70 Prozent der Jahreseinnahmen der kleinen Gemeinden. Spezielle Sorten spielten eine besondere Rolle in der Ernährung armer Familien. Der Rote Eiserapfel etwa, der im Geschmack mit vielen Sorten zwar nicht mithalten kann, sich in einer Miete im Boden aber bis zu zwei Jahre hielt, ohne zu verderben.

Diesen und viele weitere Einblicke gab Jäger und knüpfte daran vor allem einen Rat: „Pflanzen Sie einen Apfelbaum nicht zu früh, am besten im November.“ Die Blätter dürfen nicht mehr grün sein, damit der Baum seine Kraft ins Innere gezogen hat und im kommenden Frühjahr mit Macht austreibt.

„Weil’s der deutsche Michel eilig hat, seinen Garten im Herbst ‚in Ordnung‘ zu haben, rupfen Baumschulen die grünen Blätter von den jungen Stämmchen ab, damit sie die Pflanzen jetzt schon verkaufen können“, erklärt Jäger. Ohne diese Vorsorge würden die Jungbäumchen verdorren, denn die grünen, aktiven Blätter zögen mehr Wasser aus dem Stamm heraus, als die noch nicht weit genug entwickelten Wurzeln nach dem Umpflanzen zu liefern imstande sind.

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