Für seine Reportage nach dem Erdbeben von Petobo

Deutscher Radiopreis geht an Holger Senzel

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Holger Senzel: Er erhielt am Donnerstag den Deutschen Radiopreis für seine Reportage aus Petobo.

Hamburg/Bad Wildungen – Holger Senzel hat am Donnerstagabend den Deutschen Radiopreis in der Kategorie „Reportage“ erhalten mit dem Beitrag „Unter Schlamm begraben – Spurensuche in Petobo“.

Bei der Gala in der Hamburger Elbphilharmonie nahm er die Auszeichnung aus den Händen seiner Fernsehkollegin Marietta Slomka entgegen: für die berührende, fesselnde Schilderung dessen, was er im September 2018 mit ansah. Kurz nach einem Erdbeben besuchte er den Ort Petobo auf der indonesischen Insel Sulawesi.

„Flüssige Erde“ hatte kaum etwas von Petobo zurückgelassen. Bei dieser Art von Erdbeben verhalte sich sonst fester Boden plötzlich wie ein alles verschlingendes Moor, erklärt Senzel in dem Radio-Stück. Menschen und ihre Häuser versanken einfach.

Senzel beschreibt, wie kaum etwas auf die 1000 Bewohner hinweist, die kurz zuvor noch an diesem Ort ihren Alltag lebten. Er findet ein Küchensieb, eine Pfanne, ein Schulheft mit Zeichnungen.

„Eines, wie es mein eigener Sohn führt“, sagte der Reporter bei der Vorstellung seines Beitrages am Donnerstag. Sätze wie diese sind es, mit denen Holger Senzel „in seiner Reportage meisterhaft Informationen und Emotionen transportiert.“ So begründete die Grimme-Jury ihre Verleihung des Radiopreises an den 59-Jährigen, der seit 2016 gemeinsam mit seiner Ehefrau und Kollegin Lena Bodewein aus Südostasien für den ARD-Hörfunk berichtet.

Senzel knüpfte auf der Bühne an die Reportage an und schilderte, wie er an seinem Beruf gezweifelt habe, als er inmitten des grausigen Chaos von Petobo mit einem Mikrofon in der Hand stand, während um ihn herum die Helfer Tote bargen. Doch dann seien Menschen auf ihn zu gekommen mit den Worten: „Gut, dass du da bist und berichtest, damit man uns nicht vergisst.“

Warum geht es mir unverdient gut und anderen unverdient schlecht? Diese Frage bringe ihn dazu, „einfach dankbar zu sein“, sagte Senzel in der Elbphilharmonie.  red/su

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