Wildunger FDP ärgert sich über Pläne von SPD und CDU für das Areal Brunnenallee 1

Discount-Markt statt Busparkplatz

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SPD und CDU wollen gemeinsam den Aldi dazu bringen, nicht an der Itzel zu erweitern, sondern zurück in die Innenstadt zu ziehen, auf das Grundstück Brunnenallee1.Foto: Schuldt

Bad Wildungen - Die Wildunger FDP springt im Dreieck. Ihr Stadtverordneter Jörg Schäfer attackiert die CDU und die eigenen Koalitionspartner aus der Ampel, weil alle drei den Aldi zurückholen wollten in die Innenstadt, auf den Bus- und Pkw-Parkplatz an der Tourist-Info, Brunnenallee 1.

Das behauptet Schäfer in einer am Donnerstag herausgegebenen Pressemitteilung. Die Liberalen erheben heftige Einwände gegen diese Pläne. Ein kompletter Einbruch bei den durchschnittlich 300-Bustagestouristen drohe. Ohne geeigneten Parkplatz würden die Busunternehmen die Badestadt nicht mehr ansteuern - mit sehr negativen Folgen für den Einzelhandel und die Gastronomie in der Kernstadt. Das habe die FDP auf Nachfrage bei solchen Unternehmen erfahren.

„Auch Toiletten für Fahrer und Gäste unverzichtbar“

Auch die Toiletten des Parkplatzes seien für Gäste und Fahrer unverzichtbar. Eigentlich hat die Stadtverwaltung den Auftrag, ein Konzept zur Umgestaltung und oder Sanierung der WC-Anlagen an der Brunnenallee 1 und in der Nachbarschaft zu erarbeiten. „Doch SPD und CDU haben im Planungsausschuss darum gebeten, das zurückzustellen, weil es andere Vorstellungen für das Gelände gebe“, erläuterte Bürgermeister Volker Zimmermann auf Nachfrage. Offiziell weiß er nichts Genaueres über die Pläne von Union und SPD, „mir ist das nur zugetragen worden.“ Eine Anfrage seitens Aldi liege ihm nicht vor.

Treffen der Parlamentarier mit Einzelhandels-Gutachter „öffnete vielen die Augen“

Demnach stehen aber die beiden großen Fraktionen des Parlamentes in Kontakt mit einem Projektentwickler, der für Aldi arbeitet. Vor einigen Monaten führten die Politiker noch eine komplett andere Diskussion. Nach dem Zuschlag für die Lidl-Erweiterung galt es fast als ausgemachte Sache, dass die Stadt auch Aldi an der Itzel die Möglichkeit zur Erweiterung gibt.

Der in Wildungen beinah berühmte Einzelhandelsgutachter Michael Karutz hatte mit Blick auf die Kernstadt nichts gegen den Ausbau der beiden Discounter einzuwenden.

Doch dann traf er sich in der Wandelhalle mit Vertretern aller Stadtverordnetenfraktionen zu einem informellen Gespräch. Allein die FDP war dort nicht vertreten. „Nach dieser Unterredung gingen vielen die Augen auf“, sagt Klaus Stützle, Fraktionschef der Grünen.

SPD ging vor einigen Wochen auf die CDU zu

Übereinstimmend sagen Abgeordnete verschiedener Parteien, dass Karutz doch größere Bedenken gegen einen Umzug des Herkules von der Odershäuser Straße an die Itzel geäußert habe - anders als im Gutachten von 2008.

Offenbar auch als Folge dieses Treffens fanden sich zunächst SPD und CDU zusammen, um eine neue, alte Richtung einzuschlagen: Ansiedlung eines Discounters oder anderen Lebensmittelmarktes auf dem Busparkplatz.

CDU-Fraktionschef Oliver Syring bestätigt auf Anfrage: „Die SPD kam vor etlichen Wochen auf uns zu, weil sie über einen Projektentwickler mit Aldi reden will. Die Position der Union ist bekannt: Wir halten uns zurück mit Einzelhandel an der Itzel. Wenn die Möglichketi besteht, Aldi in die Innenstadt zu holen, sollten wir das prüfen.“ Eine solche Umsiedlung entspreche dem Ansinnen vieler Wildunger Politiker, Einzelhändler und weiterer Interessierter. CDU und SPD würden gemeinsam einen solchen Weg unterstützen. Zwei Gesprächsrunden zwischen den beiden Fraktionen habe es gegeben.

Die Grünen waren nicht mit von der Partie, aber im Bilde. „Vor der Sommerpause hat Walter Mombrei uns über den Vorstoß informiert“, sagt Klaus Stützle und fügt hinzu: Solange kein Atomkraftwerk an der Allee gebaut würde, seien die Grünen stets offen dafür, über Wirtschaftsentwicklung in der Kernstadt zu reden. Das Argument Reisebusse sticht von Stützles Warte aus nur bedingt. Schließlich habe Bürgermeister Volker Zimmermann einst auch Trigema das Grundstück angeboten.

Einfach wird die Sache nicht, selbst wenn sich SPD, Union und Grüne am Ende einig sind. Denn Aldi besteht bekanntlich auf ebenerdigen Parkplätzen. Sie stünden an der Brunnenallee 1 nur zur Verfügung, wenn man benachbarte Flächen zukaufen könnte.

„Nichts gegen Lebensmittler in der Innenstadt, doch nicht an dieser Stelle“

Aus Sicht der FDP führt der Weg in die Irre. „Der Discounter Aldi, der eigentlich am Bahnhof seinen Markt modernisieren und vergrößern will, soll nach Auffassung einiger der Protagonisten mit Verweigerung einer Baugenehmigung dort gezwungen werden, das Angebot Brunnenallee 1 anzunehmen“, unterstellt FDP-Stadtverordneter Jörg Schäfer. „Man kann ja über die Ansiedlung eines Lebensmittelhandels oder Vollsortimenters im Innenstadtbereich diskutieren, aber nicht an dieser Stelle“, ergänzt der FDP Ortsvorsitzende Theo Charalampidis.

Schäfer attackiert den Stadtverordnetenvorsteher

Schäfer kritisiert außerdem Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Nawrotzki, weil er in ihm eine treibende Kraft des Vorhabens sieht. Der Liberale verlangt, Nawrotzki solle sich gemäß Hessischer Gemeindeordnung wegen Befangenheit zurückhalten: „Er zählt zu einer der vier Investorengruppen, die sich um in großer Nähe gelegene, kürzlich von der Stadt erworbene, innerstädtische Grundstücke bemüht, um dort wirtschaftlich tätig zu werden.“ Schäfer spielt damit auf das Haus Oestreich an. Stützle hält diesen Vorwurf an Nawrotzki allerdings für zu weit her geholt.

Treffen der Politiker auch mit Edeka-Konzern

Das Thema birgt zusätzlichen Polit-Zündstoff angesichts eines Treffens aller Fraktionen im vorigen Monat mit Vertretern von Edeka (Herkules). Nach Angaben von Klaus Stützle machte der Konzern deutlich, am bekannten Vorkaufsrecht aufs alte Molkereigelände festzuhalten. Man verzeichne gute Umsätze an der Odershäuser Straße, wolle dort aber nicht erweitern und warte einfach ab.

Stellungnahmen von Walter Mombrei, Wolfgang Nawrotzki und Aldi-Nord sind angefragt, trafen aber bis Redaktionsschluss nicht ein.

Von Matthias Schuldt

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