Wachsaison am Edersee eröffnet · Hilfe beim Bootskauf und Steganlagenbau benötigt

DLRG: Mehr Unfälle durch Alkohol

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Waldeck - Übermäßiger Alkoholgenuss ist ein zunehmendes Problem am Edersee. Darauf machten Mitglieder der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) bei der Wacheröffnung in Waldeck aufmerksam.

Das „Edersee-Lied“, dargeboten vom Shanty-Chor, eröffnete die Feier in der 1958 gegründeten Rettungsstation in Waldeck-West musikalisch. In der zur Schulungsstätte Hessen-Nord ausgebauten Station begrüßte Kreisverbandsleiter Klaus Kramer zahlreiche Gäste von Seen-Anrainer-Kommunen, Landkreis, Feuerwehr, Wasserschutzpolizei, der heimischen Wirtschaft und vom Wasser- und Schifffahrtsamt.

Hilfe gefragt

Kramer zog Bilanz über die Saison 2011 und bezog sich dabei auf alle drei Seen des Landkreises: Eder-, Diemel- und Twistesee. 109 Bergungen, 147 Erste-Hilfe-Einsätze aller Art und 101 technische Hilfeleistungen absolvierten die Helfer. Vier Menschen wurden aus lebensgefährlichen Situationen gerettet, drei davon vom Team der Station Waldeck.

Es gab einen Todesfall am Edersee. Alkohol sei ein immer größerer Faktor bei vielen Unfällen am Wasser, betonte Kramer. Der Kreisverbandsleiter: „Alkohol und Wasser vertragen sich nicht.“ Am Edersee wurden 29 460 Wachstunden geleistet, fast die Hälfte davon durch die Station Waldeck. Die DLRG, die in 2013 ihren 100. Geburtstag feiert, engagierte sich auch bei Veranstaltungen, darunter Neujahrsschwimmen, Drachenbootrennen, Triathlon und unterstützte die Bundeswehr beim „Wassersprung“.

Der niedrige Wasserstand in 2011 war ebenso ein Thema wie das Problem, dass die einzelnen Stationen nach Vorschrift auf verschiedenen Funkfrequenzen agieren. In 2013 wird auf Digitalfunk umgestellt, dafür müssen neue Geräte beschafft werden. Zuschüsse erhält die DLRG von Kreis und Kommunen, das Geld reiche aber nur für etwa 60 Prozent der Finanzierung und gewährleiste keine Neuanschaffungen, informierte Kramer. Neue Boote seien aber nötig. Die DLRG will in Kürze bei Kreis und Kommunen um weitere Unterstützung bitten. Hilfe ist auch für eine Steganlage für die Rettungsstation Fürstental gefragt.

Der Kreisverbandsleiter würdigte Harald Blum, Ehrenpräsident des DLRG, für sein Engagement beim Auf- und Umbau einer Wachstelle und überreichte ihm ein DLRG-T-Shirt und eine „Stracke“. Der erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Waldeck-Frankenberg, Jens Deutschendorf, hob den ehrenamtlichen Einsatz für die Wasserrettung hervor und versprach Hilfe bei Investitionen. Menschen könnten ihren Aufenthalt am Edersee genießen, weil die DLRG für Sicherheit sorge.

Saison bis 14. August

Landesverbandspräsident Thorsten Reus eröffnete seine Rede mit der Beschreibung eines Unfall-Szenarios im See. Das sollte zeigen, warum die DLRG so wichtig sei. „Das Wesentliche ist, dass jeder wieder gesund nach Hause kommt.“

Bürgermeister Jörg Feldmann hob besonders die Zusammenarbeit zwischen Wasserschutzpolizei, Johannitern, Feuerwehr und DLRG hervor. In der Wachsaison, die vom 28. Juni bis zum 14. August gehen soll, werden auch immer Johanniter-Helfer eingesetzt. Neben den etwa 14 aktiven Wachgängern, die während des Sommers 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche vor Ort sind, bilden zwei Mitglieder der Johanniter das First-Responder-Team. Die Ersthelfer fahren bei Notfällen mit der DLRG auf den See heraus. Mit Liedern des Shanty-Chors klang die Eröffnung der Wachsaison bei Kaffee und Kuchen aus. (rcg)

Hintergrund

Nicht nur Menschen in Lebensgefahr, sondern auch Hilfesuchenden in anderen Notlagen helfen DLRG-Retter gelegentlich aus der Patsche. Kreisverbandsleiter Klaus Kramer schildert schmunzelnd einen kuriosen Einsatz: Ein Mann hat beim Schwimmen im Edersee sein Gebiss verloren. Er merkt sich die Stelle im Wasser genau, und DLRG-Taucher gehen auf die Suche nach der teuren Zahnprothese. Im trüben Wasser fischen die Taucher nach den künstlichen Zähnen – und werden tatsächlich fündig. Ob es wohl das richtige Exemplar ist, spötteln die Taucher? Der zahnlose Mann zögert nicht und steckt die im See gebadete Proteste in den Mund, rückt sie kurz schmatzend zurecht und bestätigt zufrieden: „Passt!“ – Gut, dass der Edersee so sauber ist. (reb)

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