74-jähriger Wellener wird Ehrenbeigeordneter und nimmt das Bundesverdienstkreuz entgegen

Doppelte Ehre für Heinrich Biederbeck

Ehrung im Doppelpack: Staatssekretär Mark Weinmeister (links) verlieh das Bundesverdienstkreuz, Bürgermeister Klaus Gier (rechts) die goldene Ehrennadel der Gemeinde an Heinrich Biederbeck, im Bild der Geehrte mit Ehefrau Marlis. Foto: Conny Höhne

Edertal-Giflitz/Wellen - 39 Jahre engagierte er sich in der Gemeindepolitik mit Augenmaß und Weitblick. Gestern wurde Heinrich Biederbeck für seine Lebensleistung geehrt. Der 74-Jährige ist neuer Ehrenbeigeordneter der Gemeinde Edertal und nahm das Bundesverdienstkreuz entgegen. „Die Hälfte davon gehört meiner Frau“, sagte der Wellener spontan.

Als junger CDU-Abgeordneter gehörte Biederbeck dem ersten Edertaler Gemeindeparlament an und erlebte stürmische Zeiten des Zusammenwachsens aller 13 Ortsteile. Drei Bürgermeister - Wöhner, Schreiber und Gottschalk - begleitete er in seiner aktiven Amtszeit.

Klaus Gier, heutiger Rathauschef, hielt die Laudatio auf den Wellener: „Er ist in Edertal geboren, mit Edertal verwachsen, und durch sein Zutun hat sich Edertal weiterentwickelt.“ Hochachtung zollte Gier, dass sich der Chef des Wellener Talhofs neben seinem Hof mit 140 Pferden, 100 Hektar Land und zahlreichen Feriengästen in vorderster Front in der Gemeindepolitik einbrachte. „Der Talhof ist ein Tourismus-Flaggschiff in der Region und in ganz Deutschland bekannt.“ Mit seiner Erfahrung habe Biederbeck auch den Tourismus im Edertal vorangebracht. „Sie waren stets auf Deck, wenn es hieß, die Segel zu setzen und die Kommune auf Fahrt zu bringen.“ Staatssekretär Mark Weinmeister bekräftigte: „Das ist eine Lebensleistung, die gibt es nicht oft.“ Würden die Amtszeiten der Ehrenämter addiert, „kämen wir auf eine Zahl, die weit über das normale Alter hinausgeht“. Namens des Bundespräsidenten verlieh der Staatssekretär das Bundesverdienstkreuz am Bande an den Landwirt, „mit Gebrauchsanweisung, wie es zu tragen ist“. Blumen nahm Ehefrau Marlis entgegen als Anerkennung für die tatkräftige Unterstützung.

Keine Sitzung ohne Schnurren

Für die Edertaler CDU blickte Harald Wieck auf gemeinsame Jahre zurück. Bescheiden, hilfsbereit und freundlich habe sich Biederbeck für die Sache eingesetzt. „Du bist ein Mensch, der Probleme gezielt und beharrlich angeht und effektiv löst.“ Mit „spitzbübischem Lächeln oder ernst wie ein Pfarrer“ habe er die Dinge auf den Punkt gebracht. Gern erinnere er sich an „Heinrichs Schnurren“, ohne die keine Sitzung endete.

Bürgermeister Gier vollzog die vor Monaten beschlossene Verleihung des Titels Ehrenbeigeordneter und überreichte Urkunde und goldene Ehrennadel.

„Ich hätte diese Arbeit nie leisten können, wenn ich nicht von Hause aus diese ständige Unterstützung gehabt hätte“, betonte der 74-Jährige. „Wer ist schon so verrückt und lässt seinen Mähdrescher auf dem Feld stehen, um den Bürgermeister zu vertreten?“, übte sich der Landwirt schmunzelnd in Selbstironie. Sein Dank ging an Ehefrau Marlis, Familie und Mitarbeiter.

Mit seiner ausgleichenden Art habe er viel erreicht, blickte Biederbeck zufrieden auf seine Amtszeit zurück. Und einem Grundsatz sei er immer treu geblieben: „Ich bin mit dem Gemeindegeld genauso umgangenen wie mit meinem eigenen.“

Katharina Betz umrahmte die Feierstunde am Klavier, der MGV Wellen brachte seinem treuen Mitglied ein Ständchen. Nach dem Empfang im voll besetzten DGH in Giflitz lud der Geehrte zu einer Feier ein, die Bewirtung der Gäste übernahm das Talhof-Team.

Zur Person

Heinrich Biederbeck wurde am 16. Dezember 1938 geboren und wuchs in Wellen auf. Der Landwirtschafts- und Sprengmeister heiratete 1968 seine Frau Marlis. 1970 trat er in die CDU ein. Seit 1971 bewirtschaftete er mit seiner Familie den Talhof, erweiterte die Landwirtschaft um einen Reiterhof mit Feriengästen. Gleich nach dem Zusammenschluss zur Gemeinde Edertal wurde er Gemeindevertreter und arbeitete von 1972 bis 2011 in den politischen Gremien mit. Von 1981 bis 1985 war er Parlamentsvorsteher, von 1985 bis 1993 sowie von 1999 bis 2011 Erster Beigeordneter (fünf Wahlperioden als Vize-Bürgermeister) und weitere sechs Jahre Mitglied im Gemeindevorstand. Für sein Engagement wurde ihm 1987 der Landesehrenbrief verliehen. Darüber hinaus gehört Biederbeck seit 1968 dem Vorstand der Jagdgenossen an, seit 1956 dem MGV. Zwölf Jahre war er im Kirchenvorstand, ist in Schützenverein und Feuerwehr. Seit 20 Jahren vertritt der Vater zweier erwachsener Töchter als Delegierter den Pferdezuchtverein.(höh)

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