Urteil gegen Wohnsitzlosen

Drei Jahre Haft für neun Straftaten unter anderem in Wildungen

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Am Amtsgericht Fritzlar wurde der Wohnsitzlose verurteilt.

Das Schöffengericht am Amtsgericht Fritzlar hat  einen 40 Jahre alten Mann zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt.

Er war angeklagt wegen Diebstahls, Hausfriedensbruchs, Einbruchs, Computerbetrugs und Sachbeschädigung hat .

Der gelernte Fahrrad-Mechaniker hat keinen festen Wohnsitz und sitzt zur Zeit in Kassel in Untersuchungshaft. Der Haftbefehl bleibt bestehen. Die Staatsanwaltschaft Kassel hatte dem Angeklagten zwölf Straftaten in Fritzlar, Kassel und Bad Wildungen vorgeworfen. Drei Verfahren wurden eingestellt.

Richterin Corinna Eichler stellte bei der Urteilsbegründung fest, dass der Mann einschließlich seiner Jugendstrafen nunmehr schon 17 Jahre im Gefängnis verbracht habe. Für die jüngsten Straftaten seien drei Jahre Freiheitsstrafe das rechte Maß. Der Mann müsse in betreutes Wohnen, „und wir wollen, dass Sie eine Therapie machen“. Der Beschuldigte räumte einen Großteil der Straftaten ein und erklärte, unter anderem Kokain und Heroin genommen zu haben.

Mit der EC-Karte einer in Fritzlar gestohlenen Geldbörse waren vom Konto einer Frau 925 Euro abgehoben worden. Das habe eine Bekannte getan, die er in der Drogenszene kennengelernt habe, sagte der Beschuldigte. Er habe ihr geraten, sich vorher zu vermummen. In einem Kasseler Krankenhaus hatte der von Hartz IV lebende Mann laut Anklage den Koffer einer komatösen Patientin durchwühlt, um Geld zu stehlen. Dabei wurde er vom Krankenhauspersonal erwischt. Festgenommen wurde er nach sechs Einbrüchen in Bad Wildungen. In der Polizeizelle zerstörte er die Matratze. Die Frage der Richterin nach dem Grund beantwortete er so: „Das hat gegen Aggressionen geholfen. Ich bin von den Polizeibeamten wie der letzte Dreck behandelt worden und habe nicht mal einen Schluck Wasser bekommen.“

Der Beschuldigte berichtete im Detail über seine Drogensucht und schilderte, dass er schon als Jugendlicher im Knast gesessen habe. Auch sein Onkel in Kassel, bei dem er vorübergehend gelebt habe, sei drogenabhängig. Seiner Mutter gehe es schlecht.

Vorbestraft ist er unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Unterschlagung, Betrugs, Urkundenfälschung, Fahrens ohne Führerschein und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. „Ich weiß, dass das eine Katastrophe war“, sagte er vor Gericht über sein Leben. Er versuche nun, nach einer Therapie „völlig neu anzufangen“. Der Mann sei eigentlich ein hoffnungsloser Fall, meine Staatsanwalt Ruhnau, „aber vom Kopf her“ sei bei ihm Hopfen und Malz noch nicht verloren. Es sei zu hoffen, dass er nunmehr „die Kurve kriegt“, obwohl er nach bisherigen Haftentlassungen immer wieder rückfällig geworden sei und gestohlen habe, um Drogen zu finanzieren. Der Staatsanwalt beantragte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Der Verteidiger zwei Jahre und sechs Monate.

Sein Mandant sei intelligent, habe gute Anlagen und alle Voraussetzungen, seine Sucht in den Griff zu bekommen, erklärte Rechtsanwalt Bernd Pfläging. Und: „Es ist ein langer, harter Weg, den er vor sich hat.“ Der Anwalt will ihn weiter unterstützen. -ms-

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