Überraschende Wende im Zwangsversteigerungsverfahren um Hotel an der Itzel

E-Mail-Grüße aus Moskau zum "Illies"

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Bad Wildungen - Zersplitterte Fenster, eingeschlagene Türen, quadratmeterweise gebröckelter Putz, umgestürzte Schränke, kurz: ein blankes Chaos. Das ist das alte, leere Hotel „Illies“ in der Itzelstraße.

Hier stimmt es noch, das einst geflügelte Wort vom „wilden Wildunger Osten“. Die Zwangsversteigerung des mehr als 1000 Quadratmeter großen Grundstückes mit dem 1970 errichteten Gebäudekomplex stand gestern auf der Tagesordnung bei Rechtspfleger Gerhard Kasten im Fritzlarer Amtsgericht. Wieder einmal. Denn ein russischer Bieter hatte den maroden Bau vor einigen Jahren bereits ersteigert. Bloß kam dieser neue Eigentümer seinen Zahlungspflichten nicht nach und so hat sich das nächste Verfahren angeschlossen.

Der Insolvenzverwalter und die Stadt Bad Wildungen als Gläubiger machen Forderungen in einer Gesamthöhe von mehr als 11?000 Euro geltend. Ein Mindest-Bargebot für das verfallene Hotel muss diese Summe erreichen – kurioserweiser liegt sie höher als die Hälfte des festgelegten Verkehrswertes von 17?000 Euro, die sonst die Untergrenze für mitbietende Interessenten beim ersten Termin darstellt.

Zum Zahlen animieren

Gerhard Kasten hatte für die erschienenen Interessenten und die Gläubiger eine weitere, eine faustdicke Überraschung parat – in Gestalt einer E-Mail des russischen Noch-Eigentümers. Der war nämlich wieder entschwunden in Putins Reich, nachdem er als einzige Adresse in Deutschland seinerzeit ein Düsseldorfer Hotel angegeben hatte. Gerhard Kasten versuchte, den Mann in Russland über die dortigen Behörden ausfindig zu machen und ihm die Rechtsschriftstücke um das anstehende Zwangsversteigerungsverfahren zustellen zu lassen. Womit keiner der Beteiligten gerechnet hat: Das klappte. In seiner Mail entschuldigte sich der Hotel-Besitzer, dass er gestern nicht erscheinen konnte, weil die Papiere ihn zu spät erreicht hätten.

Er will sich seinen Pflichten aber stellen, „und ich bin guter Hoffnung, dass er die 11?000 Euro bezahlt“, meinte Kasten. Das Verfahren der Zwangsversteigerung könnte dann mit niedrigeren Mindestgeboten im kommenden Sommer weiterbetrieben werden. Kasten machte deutlich, dass er das Objekt als Ganzes, inklusive des 100 Meter entfernt liegenden Parkplatzes, an den Mann oder die Frau bringen wolle. Für den Parkplatz allein hätten sich schon mehrere Anrufer interessiert, „aber ohne diese Fläche kann niemand etwas mit dem Hotelgrundstück und dem Gebäude anfangen“, ist Kasten überzeugt.

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