Frischquak

Echter Feger

- Das Verkehrsleben gleicht einem nie versiegenden Quell von Anlässen, sich in philosophischen Gedankengängen zu verlieren.

Am Zebrastreifen zum Beispiel. Fußgänger haben Vorrang, ohne Ansehen der Person, abseits von Sympathie und Antipathie. Miss Germany im kleinen Schwarz-Rot-Goldenen lassen wir natürlich gerne den Vortritt, warten auch brav, bis sie wirklich die gesamte Querungshilfe von hüben nach drüben bewältigt hat – müssen das aber in gleicher Weise auch dem Randale-Rentner gewähren, der uns gestern noch mit seinem Gehstock von „seiner“ Parkbank gestoßen hat.

Nicht weniger haben Menschen mit Zusatz auf unsere Rücksicht einen Anspruch: selbst Arjen Robben im Bayern-Trikot mit Ball am Fuß – wobei der sich den Vortritt auch an einer roten Fußgängerampel nicht nehmen ließe. Bei anderen Sportlern wird’s kniffliger: Jan Ullrich auf dem Rad ist nicht wirklich ein Fußgänger. Muss ich den auch lassen?? Mike Kluge, ehemaliger Querfeldein-Weltmeister bestimmt, der schulterte sein Rennrad sportartgemäß regelmäßig und könnte so über den Zebrastreifen joggen. Ludger Beerbaum auf dem Pferd; ein Fußgänger? Weiß nicht, durchlassen würde ich ihn. Säße allerdings ein Investmentbanker auf seinem hohen Ross am Straßenrand, würde ich mit meinen Pferdestärken den Kampf gegen seine eine sicher aufnehmen.

Bleibt zum Schluss der gute alte Straßenfeger, den Besen vor sich her schwingend. Klar darf der zuerst, und ich warte. Gestern Morgen legte ich am Zebrastreifen Fürstenhof aber baff eine Vollbremsung für ihn hin. Denn nicht etwa zu Fuß, sondern modern-volltechnisiert mit 30-km-h-Höchsttempo rauschte der Feger mit seiner Bürgersteig-Kehrmaschine ohne Halt und Seitenblick von links nach rechts über den schwarz-weißen Streifen. Merke: Heute können selbst Fußgänger Räder haben.

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