Wildunger BKW will Richtung Westen noch diesem Sommer Angebotslücke schließen

Per Edel-Buslinie nach Amsterdam

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Bad Wildungen - Der Kurswagen von Bad Wildungen nach Amsterdam ist seit langem Geschichte. Nun soll die direkte Verbindung zwischen den beiden Städten wieder auferstehen – als Buslinie.

„Nicht etwa aus Nostalgie, sondern weil wir so ein Angebot in wirtschaftlicher Hinsicht brauchen“, betont Bürgermeister Volker Zimmermann, der vor einiger Zeit den Anstoß für das Projekt gab. „Immer wieder beklagen Gäste uns gegenüber, dass die Verbindung nach Westen mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr schlecht ist. Zu Recht“, meint Zimmermann.

Die Nord-Süd-Achse sei über die Bahn gut versorgt. Zweimal wöchentlich verkehrt ein Bus Richtung Osten mit der Endstation Berlin. Ausgerechnet gen Westen, „dort, wo unsere wichtigsten Zielgebiete liegen: das Ruhrgebiet, das Rheinland, die holländischen Ballungszentren“, fehle es an Transportmitteln, unterstreicht der Bürgermeister.

Speziell der älteren Generation käme eine direkte Verbindung mit einem komfortablen Reisebus entgegen, berichtet Erster Stadtrat Bart van der Meer, dessen 80-jährige Mutter in Holland lebt, aus eigener Erfahrung. „In so einem Alter möchte man nicht mitsamt dem Gepäck an Bahnhöfen zigmal umsteigen, wie es zur Zeit nötig ist.“ Den Linienverkehr nach Amsterdam bestreiten möchte die stadteigene BKW. „Wir haben den Antrag beim Regierungspräsidium (RP) Kassel gestellt. Die Bearbeitung dauert rund zwei Monate“, erklärt BKW-Geschäftsführer André Boos.

Die Regierungspräsidien, deren Bezirke die BKW in Deutschland auf der Route passiert, müssen für die Genehmigung ebenso befragt werden wie zuständige Stellen der Europäischen Union. Zwischen 240?000 und 250?000 Euro will die Wildunger Verkehrsgesellschaft für einen neuen, schwerbehindertengerechten Reisebus ausgeben. Zweimal in der Woche soll er sich nach Amsterdam (und zurück) auf den Weg machen, 650 bis 700 Kilometer eine Strecke. „Eine Übernachtung ist jeweils eingeplant, so dass wir mit einem Fahrer auskommen“, setzt der Bürgermeister hinzu. Das Ganze trägt sich, wenn der 46 bis 48 Fahrgäste fassende Omnibus pro Fahrt 10 bis 15 voll zahlende Passagiere transportiert.

„Nach einem Jahr wissen wir, wie die Akzeptanz ist. Wir werden dann Gewinne schreiben“, ist sich Boos sicher. Außerdem soll der Bus auch innerstädtisch eingesetzt werden, gerade wenn es um Schwerbehinderte gehe. Die Stadt profitiert in einem erwünschten Nebeneffekt vom Marketing, denn das Fahrzeug werde mit Werbebotschaften für Bad Wildungen beschriftet, kündigt der Bürgermeister an: Wenn die Nachfrage wachse, könne man das Angebot ausweiten und obendrein entstünde so vielleicht zusätzlicher Druck auf die Landespolitik, den öffentlichen Nahverkehr Richtung Bad Wildungen zu stärken.Kein ganz abwegiger Gedanke, gibt es doch das Beispiel einer Busverbindung zwischen Kroatien und Deutschland, das wegen großer Nachfrage auf eine beinah tägliche Frequenz ausgeweitet wurde

Der Wildunger Bus fährt im Übrigen nicht schnurstracks nach Amsterdam, sondern schlägt Haken. „Das haben wir mit dem Stadtmarketing abgesprochen, um unsere wichtigsten Zielgebiete anzubinden“, erläutert André Boos: Sauerland, Arnsberg, Dortmund, Herne, Bochum/Essen, Eindhoven, Nijmwegen, Rotterdam, Amsterdam lauten die Stationen. Das Projekt soll im August/September starten. Den Fahrpreis haben Boos und sein Team bereits, doch der Aufsichtsrat und die Genehmigungsbehörden müssen noch zustimmen. „Wir sind auf jeden Fall damit konkurrenzfähig“, sagt der BKW-Geschäftsführer.

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