Edersee

Edersee-Atlantis lockt

- Edersee (höh). Im Sommer ein Badeparadies – im Herbst und Winter ein Ziel für Entdeckungsreisen: Der Edersee gibt bei niedrigem Wasserstand seine versunkenen Schätze preis.

Wenn die Steilwände am Ufer im Herbst immer weiter wachsen und sich der See in sein kleiner werdendes Bett zurückzieht, dann werden Segelboote eingemottet und das Edersee-Atlantis lockt zu einem Ausflug an historische Stätten. Aus den sonst überfluteten Bereichen des Beckens tauchen Reste von Grundmauern, Gräbern und Brücken auf. Dem Bau der Sperrmauer vor fast 100 Jahren wichen drei Dörfer: Asel, Berich und Bringhausen wurden damals an neue Standorte verlegt. Asel und Bringhausen wurden an höher gelegenen Stellen am Edersee wieder aufgebaut. Berich wurde von den Bewohnern komplett abgetragen und bei Bad Arolsen als „Neu-Berich“ wieder errichtet. Das alte Dorf Berich, einst etwa drei Kilometer von Schloss Waldeck entfernt an einem Berghang gelegen, weckt in diesen Tagen Erinnerungen an längst vergangene Zeiten. 1196 gegründet, wurde das Dorf 1914 vom Edersee überflutet. Ein Gräberfeld, Ruinen und Grundmauern haben den steten Wechsel von Wasser, Trockenheit, Kälte und Wind überdauert. 26 Familien mussten damals ihr Dorf verlassen, in dem ein bekanntes Benediktiner-Nonnenkloster stand. Der alte Friedhof wurde mit einer Betondecke versehen und ist bei niedrigem Wasserstand seit einigen Wochen wieder zu begehen. Auch die Gehöfte Stollmühle, Gut Vornhagen, Bericher Hütte sowie der Nieder-Werber Hammer mussten dem Edersee weichen. Komplett aufgetaucht sind inzwischen die Mauerreste der Bericher Hütte bei derzeit 39 Millionen Kubikmeter Wasser im 200 Millionen Kubikmeter fassenden Stausee. Das Sperrmauermodell an der Bericher Hütte ist einer der nächsten Schätze, die der Edersee bei weiter sinkendem Wasserstand freigibt. Wanderer und Spaziergänger am „Edersee-Atlantis“ werden täglich aufs Neue mit überraschenden Ein- und Ausblicken auf eine sich stets wandelnde Landschaft überrascht. Da tauchen Inseln auf und laden zum Bummel mitten im See ein. Landzungen entstehen, wie die vom Hopfen- zum Hammerberg, Schutt- und Geröllhalden verleihen der Landschaft ein eigentümliches, bizarres Ambiente. Auch die Brückenstraße an der Brücke von Alt-Bringhausen nach Scheid ist wieder zu erkennen.

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