Vier Mittelzentren kooperieren bei Digitalisierung

Ein Mausklick soll in Waldeck-Frankenberg den Gang aufs Amt ersetzen

Die Digitalisierung in den Rathäusern voranbringen: das streben Bad Wildungen, Bad Arolsen, Frankenberg und Korbach in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe an.
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Die Digitalisierung in den Rathäusern voranbringen: das streben Bad Wildungen, Bad Arolsen, Frankenberg und Korbach in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe an.

Ein Maus- oder Fingerklick ersetzt den Gang aufs Amt: Korbach, Frankenberg, Bad Arolsen und Bad Wildungen gehen die Aufgabe der Digitalisierung ihrer Verwaltungen mit einer gemeinsamen Arbeitsgruppe an.

Waldeck-Frankenberg – „Den Antrag auf Sperrmüllabfuhr nach Feierabend und per Handy auf der Couch zu Hause stellen“, gab Gastgeber Ralf Gutheil als ein Beispiel: „Trotzdem bleiben wir persönlich für die Bürger erreichbar, die das nicht nutzen wollen oder können.“

Spätestens Ende 2022 sollen die öffentlichen Verwaltungen in Deutschland all ihre Leistungen digital verfügbar gemacht haben, schreibt das „Online-Zugangsgesetz“ von 2017 vor. Die Rathauschefs machten bei dem Arbeitstreffen in Bad Wildungen am Donnerstag aber klar: Die Zeitvorgabe – Ende 2022 – sei nicht einzuhalten. „Wir rechnen mit fünf bis sieben Jahren“, sagte Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich.

Je Stadt eine Personalstelle für Digitalisierung reserviert

Jede der vier Städte hat eine Personalstelle für das Koordinieren und Planen der Digitalisierung reserviert. Die Kosten des Projektes pro Stadt und Jahr schätzen die Bürgermeister auf 250 000 Euro. Das Quartett bündelt diese Ressourcen in einer Kooperation, um zusätzlichen Aufwand einzudämmen. Zugleich übernimmt es die Vorreiterrolle für die restlichen Städte und Gemeinden im Kreis. Mit den gewonnenen Erfahrungen wollen die größten vier Waldeck-Frankenberger Kommunen den übrigen unter die Arme greifen. Mehr als 500 Verwaltungsvorgänge – heute „Produkte“ genannt – betrifft der Kraftakt auf kommunaler Ebene. Der Städte- und Gemeindebund habe bislang für 100 davon die Blaupausen erarbeitet, schilderte Uwe Steuber von der Koordinierungsstelle.

Das Umwälzende an der Digitalisierung und den Chancen, die sie eröffne, spiegele sich in weit mehr als allein der Technik, erwartet der Bad Arolser Bürgermeister Jürgen van der Horst. Vielmehr stehe ein Kulturwandel ins (Rat-)Haus: mehr Eigenständigkeit, Eigenverantwortung und Entscheidungskompetenz für alle Beschäftigten, weniger Zuständigkeits-Wirrwarr, kürzere Bearbeitungszeiten, bessere Erreichbarkeit und Verständlichkeit. Die Liste mit den erhofften positiven Auswirkungen ließe sich verlängern. (Matthias Schuldt)

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