Gerichtsprozess um Beinahe-Katastrophe in Fritzlarer Munitionsbunker

Einbrecher lösen Explosion in Lager mit Feuerwerkskörpern aus: Urteil steht

Loderndes Feuer in einem Bunker mit Rauchentlüfter davor
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Explosion in einem ehemaligen Munitionsbunker in Fritzlar: Nun stehen mehrere Personen unter Verdacht. 

Tote und Verletzte hätten die Folgen einer Explosion von Feuerwerkskörpern in einem ehemaligen Bundeswehr-Munitionsdepot bei Fritzlar sein können: als Ergebnis eines Einbruchs.

  • Drei Männer und drei Frauen waren vorm Amtsgericht Fritzlar angeklagt wegen eines Einbruchs in ein Fritzlarer Lager für Feuerwerkskörper
  • Die beim Einbruch verwendeten Maschinen lösten erst eine Explosion der 100 Kilogramm Feuerwerkskörper und in der Folge einen Vollbrand des Bunkers aus, ohne dass jemand verletzt wurde.
  • Das Gericht verhängte dafür Haftstrafen auf Bewährung und Geldstrafen

Bad Emstal/Fritzlar – Nach dem Einbruch in den Bunker bei Fritzlar im November 2018 waren mehr als 100 Kilogramm Feuerwerkskörper explodiert, der Bau stand in Flammen. Drei Männer und drei Frauen waren dafür vor dem Schöffengericht des Amtsgerichtes Fritzlar angeklagt.Vorwurf: Ein 27-Jähriger aus Schauenburg und ein 28-Jähriger aus Bad Hersfeld verübten einen Einbruch in das Lager unter Einsatz einer Akku-Flex und eines Benzin-Trennschleifers . Dort stahlen sie Feuerwerkskörper, während ein 28-Jähriger aus Rotenburg sowie drei Frauen im Alter von 26 und 27 Jahren aus Kassel, Schauenburg und Bad Emstal Schmiere standen. Zwei Tage später brachen die beiden Männer erneut in den Bunker ein. Die Maschinen lösten dabei die Explosion aus.

In der Wohnung des Hersfelders, der von den anderen Angeklagten als „Drahtzieher“ bezeichnet wurde, fand die Polizei einige Tage später etwa 60 Kilogramm Chinaböller, ein Springmesser, einen Elektroschocker, Wurfsterne und Schlagringe.

Neun Monate auf Bewährung wegen Sprengstoffexplosion und Brandstiftung

Der voll geständige Angeklagte aus dem Kreis Kassel wurde wegen gemeinschaftlichen Diebstahls in einem besonders schweren Fall, fahrlässiger Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie fahrlässiger Brandstiftung von neun Monaten Gefängnis verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung auf drei Jahre. Der Rotenburger bekam eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 30 Euro. Beide nahmen das Urteil an.

Das Verfahren gegen die drei Frauen wurde eingestellt. Auch sie legten ein umfassendes Geständnis ab. Zwei haben dem Eigentümer der Feuerwerkskörper freiwillig je 1000 Euro Schadensersatz gezahlt. Dazu erklärte sich auch die dritte Frau bereit.

Schaden durch Fritzlarer Explosion der Feuerwerkskörper auf 20000 bis 30000 Euro geschätzt

Der Pyrotechniker schätzt den Gesamtschaden der Explosion der Feuerwerkskörper auf 20 000 Euro. Laut Anklage hatten sich die Einbrecher erhofft, die Beute für 20 000 bis 30 000 Euro zu verkaufen.

Gegen den 28-jährigen Mitangeklagten aus Bad Hersfeld wird es einen neuen Termin geben. Sein Anwalt forderte, neben seinem Mandanten zu sitzen. Das hatte die Richterin angesichts der geltenden Corona-Regelungen abgelehnt. Ferner verlangte er eine Verhandlung bei offenem Fenster. Die anderen Angeklagten saßen vor ihren Verteidigern.

Angeklagter im Prozess um Fritzlarer Explosion von Feuerwerkskörpern verlor Arbeitsplatz in Behörde

Der 28-Jährige aus Schauenburg sagte, er habe sich durch den Mitangeklagten „reinreißen lassen“. Im Detail schilderte er, wie man in den Bunker einbrach und wie es zur Explosion kam. „Haben Sie die Schutzengel gezählt - Sie hätten tot sein können und Ihre Kinder wären ohne Vater gewesen, Sie hatten mehr Glück als Verstand“, sagte Richterin Corinna Eichler in Fritzlar zum Angesprochenen.

Der Mann brach daraufhin in Tränen aus. Er berichtete, dass er seinen Arbeitsplatz bei einer staatlichen Behörde verloren habe.

Staatsanwältin: Armee von Schutzengeln bei Explosion von Feuerwerkskörpern in Fritzlar dabei

Sein Rotenburger Komplize wurde wegen Beihilfe zum Diebstahl in einem besonders schweren Fall verurteilt. Er erklärte, er habe am Kieswerk Schmiere gestanden. Sein Mandant habe sich keine Gedanken über die akute Gefahr gemacht, sagte sein Verteidiger. „Es war eine richtig doofe Idee“, sagte der Angeklagte. Sein damaliger Anführer ergänzte: „Es tut mir leid.“

Die Staatsanwältin sprach von einem spektakulären Ereignis, das großes Aufsehen erregt habe. Sie selbst habe den Explosionsknall gehört. „Eine Armee von Schutzengeln muss da gewesen sein“, sagte sie. Die Angeklagten seien relativ naiv an die Sache herangegangen, hätten sich gefährdet und andere mit hineingezogen: „Eine völlig irre Idee.“ Richterin Corinna Eichler sprach bei der Urteilsverkündung von einer großen Dummheit.  m.s.

Der Einbruch mit der Explosion ereignete sich im November 2018.

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