Hohes Risiko, viel Müll, eingeschränkte Kontrollen: Naturpark reagiert ab 2013

Eisangeln am Edersee wird verboten

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Eisangeln auf dem Edersee – ein gefährliches Hobby auf dem Stausee, wo die Eisdecke durch Strömung und schwankende Wasserstände nicht gleichmäßig zufriert.

Edersee - Der Zweckverband Naturpark Kellerwald-Edersee verbietet ab 1. Januar das Eisangeln am Edersee. Das besondere Risiko auf dem Stausee, hinterlassener Müll der Petrijünger und eingeschränkte Kontrollen nennt Naturpark-Geschäftsführer Rainer Paulus als Gründe für das von der Wasserschutzpolizei angeregte Verbot.

„Wir haben seit vielen Jahren einen Eisangel-Tourismus am Edersee“, beobachtete Ralf Krause von der Wasserschutzpolizei Edersee. Der Edersee als gutes Revier für Zander, Hecht und Barsch locke auch im Winter Angler aus ganz Deutschland. Im Bereich Bringhausen, Scheid und Rehbach seien bis zu 100 Eisangler gezählt worden - an Wochenenden auch mehr.

Gefährlich: Wegen der Strömungen und Einleitungen durch das alte Flussbett sowie die schwankenden Wasserstände friert der Edersee nicht gleichmäßig zu. Eis-Angler begeben sich in Lebensgefahr. Nach einem Wetterumschwung beobachtete Paulus in der Bringhäuser Bucht Eis­angler, die sich von Plusgraden nicht abschrecken ließen. „Da stand schon Tauwasser auf dem Edersee, und die Eisdecke war höchstens fünf bis sechs Zentimeter dick.“ Vielen Russlanddeutschen, die diesem Hobby frönen, sei das Risiko vermutlich gar nicht bewusst, da in ihrer Heimat ganz andere Temperaturen herrschten.

Tierschutz- und fischereirechtliche Kontrollen sind ohnehin eingeschränkt, weil sich auch die Kontrolleure auf dem Eis in Lebensgefahr begeben würden. Wer im Edersee einbreche, könne nicht mit schneller Hilfe rechnen, gibt Krause zu bedenken. Viele Stellen seien nämlich schlecht erreichbar. „Aber bei drei bis vier Grad Wassertemperatur reichen schon 15 Minuten aus, um den Tod herbeizuführen“, informiert der Polizist. Trotz guter Ausbildung und Einsatzbereitschaft bringen sich die freiwilligen Rettungskräfte bei den Einsätzen immer selbst in Gefahr. Rechtlich betrachtet sei das Betreten der Eisflächen am Edersee nicht verboten. Wasser- und Schifffahrtsverwaltung sowie die Wasserschutzpolizei warnen regelmäßig vor dem Betreten der Eisflächen. Insbesondere Kinder ließen sich aber mit Blick auf die Eisangler am Edersee leichtfertig und ohne die nötige Kenntnis zum Betreten der Eisflächen hinreißen, beobachtete er.

Gefährlich seien auch die Bohrlöcher zum Angeln, die nur selten mit einem Stock markiert würden. „Wenn die über Nacht zufrieren und es darauf schneit, dann kann man ein ein Meter großes Loch nicht mehr erkennen.“

Heftig kritisiert wurde von Passanten und Anwohnern auch der hinterlassene Müll und Unrat, wie zerbrochene Schnapsflaschen. Auf dem Eis und zwischen den eingefrorenen Steganlagen verrichteten Angler ihre Notdurft. „Dort lagen überall menschliche Exkremente“, bestätigte Paulus.

Bisher konnte die Wasserschutzpolizei nur Platzverbote für Petrijünger aussprechen. Ab 1. Januar ist Eisangeln grundsätzlich auf dem Edersee verboten. Wer sich von dem Verbot nicht abhalten lässt, muss mit dem Einzug des Angelscheins rechnen. Eine Jahreslizenz kostet 150 Euro. (höh)

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