Kooperation der Wildunger Schaustellerfamilie Ruppert und der Stadt Bad Wildungen:

"Eiszeit": Bis zum 13. Januar ist Schlittschuhlaufen im Zentrum von Bad Wildungen angesagt

Handschlag auf gutes Gelingen: Bürgermeister Ralf Gutheil (links) und DennisRuppert eröffnen die Wildunger „Eiszeit“ auf dem Parkplatz Brunnenallee 1. Zuvor gab es eine weihnachtliche Tanzeinlage von Kindern zur Einstimmung (kleines Bild). Fotos: Schuldt

Bad Wildungen. Seit Mittwoch können Wildunger Eislauf-Fans vom Anfänger bis zum Könner, vom Enkelchen bis zu den Großeltern wieder ihre Kreise auf dem Eis ziehen und Pirouetten drehen.

Sieben Jahre lang hatten Eisprinzessinnen und Schlittschuh-Kavaliere in der Kurstadt in die Röhre geschaut. Denn nach der Saison 2011/12 war die Heloponte-Eisbahn geschlossen worden.

Das Konzept der "Wildunger Eiszeit"

Dennis Ruppert von der alteingesessenen Wildunger Schaustellerfamilie und die Stadt Bad Wildungen mit ihrer Tochtergesellschaft, dem Stadtmarketing, testen gemeinsam auf dem Parkplatz Brunnenallee 1 eine mobile Eisbahn als Winterangebot für Einheimische und Gäste. Bis zum 13. Januar bleiben die rund 450 Quadratmeter Eisfläche dort aufgebaut. Ein kleiner Bereich lässt sich auf Buchung für Eisstockschießen abteilen.

Zum Erlebnispaket zählen heiße und kalte Getränke und Speisen, die in eigens aufgebauten Holzhütten und -buden zubereitet werden. Rund 100 000 Euro hat die Familie Ruppert dafür investiert. Die Eisbahn selbst hat Dennis Ruppert gemeinsam mit der Stadt angemietet. Sponsoren geben 17 000 Euro. Maximal 60 000 Euro Zuschuss hat die Stadt zugesagt, „aber ich bin sicher, dass es so viel am Ende nicht wird“, sagte Ruppert.

Bürgermeister Ralf Gutheil eröffnete gemeinsam mit ihm kurz nach 15 Uhr gestern die Fläche. Er zeigte sich froh über das Engagement der Familie: „Übrigens ist die Eisbahn isoliert, so dass die Energiekosten niedrig ausfallen.“

Das Konzept einer solchen Kunsteisbahn mit weihnachtlicher Gastronomie sei in Nordhessen einmalig, betonten Gutheil und Ruppert. "Kunsteisbahn" lautet der technisch korrekte Begriff nicht etwa, weil auf Kunststoff gelaufen wird, sondern weil Kühlschlaufen das Wasser gefrieren lassen. Im Gegensatz dazu steht die "Natureisbahn", wie sie in der Waldecker Bucht in den vergangenen Wintern zu finden war. Bei entsprechend niedrigen Temperaturen lässt man das Wasser auf einer Fläche natürlich gefrieren ohne technische Unterstützung.

Zwei Jahre lang sammelte der Wildunger Schausteller Dennis Ruppert Erfahrungen mit dem Konzept einer mobilen Eisbahn samt Gastronomie in Eschborn, „doch es ist natürlich schöner, so etwas in seiner Heimatstadt anzubieten“, meint der Unternehmer. Ein Kollege führt in Eschborn das Konzept fort. „Im Rhein-Main-Gebiet gibt es solche Angebote seit Längerem und häufiger“, fügt Dennis Ruppert hinzu.

Zur Eröffnung gab es 90 Minuten Gratis-Eislaufen für Kinder und Erwachsene. Drei Gruppen der Tanzschule Mundhenke mit ihrer Trainerin Sabine Duwe hatten das Publikum mit Tänzen zu Weihnachtsliedern wie „Jingle Bells“ eingestimmt und ernteten viel Applaus.

Preise und Öffnungszeiten der "Wildunger Eiszeit"

Die mobile Wildunger Eisbahn steht vom 28. November bis zum 13. Januar auf dem Parkplatz Brunnenallee 1. Geöffnet ist sie montags bis donnerstags sowie sonntags von 11 bis 21 Uhr. Freitags und samstags kann sogar von 11 bis 22 Uhr gelaufen werden. Heiligabend bleibt die Bahn geschlossen, öffnet aber an den Weihnachtsfeiertagen von 13 bis 20 Uhr. Silvester klingt das Jahr auf Kufen von 11 bis 16 Uhr aus und wer das Neue Jahr mit dem Eisvergnügen beginnen will, kann das am 1. Januar zwischen 13 und 20 Uhr tun. „Bis 13/14 Grad Celsius plus bleibt das Eis fest“, sagt Sebastian Ruppert. Gelaufen werden könne auch bei noch höheren Temperaturen. Allerdings bilde sich dann ein kleiner Wasserfilm. Regen stellt kein Problem dar. Erwachsene zahlen 4 Euro für einen ganzen Tag Eislaufen, Kinder 3 Euro. Es gibt auch Zehnerkarten. Wer keine Schlittschuhe hat, kann sie mieten. 200 Paar neue stehen in den Größen 25 bis 50 bereit. Die Ausleihgebühr liegt bei 4,50 Euro.

Bruder Sebastian Ruppert betreibt Kasseler Eisrutsche

Das Geschäft der Schausteller wandelt sich seit Jahren. Der Zuspruch auf den klassischen Rummeln und Jahrmärkten wie dem „Wellunger Vehmoart“ geht zurück. Die kleineren dieser Volksfeste sind zum großen Teil weggebrochen. Dem trägt die Wildunger Schaustellerfamilie Ruppert Rechnung, indem sie in neue Attraktionen investieren, speziell zur Winterzeit. Die mobile Eisbahn, die im Testlauf 2018 erstmals in der Heimatstadt der Familie, in Bad Wildungen, zum Einsatz kommt, ist nur ein Beispiel dieser neuen Ausrichtung. Bundesweit Aufsehen erregt Sebastian Ruppert, der Bruder von Dennis, seit Montag mit seiner 70 Meter langen Eisrutsche in der Kasseler Treppenstraße. Als einzige ihrer Art in Deutschland – eine mit Schnee gefüllte steht in Berlin – bildet sie die neue Attraktion des bis Jahresende laufenden Kasseler Weihnachtsmarktes. 200 000 Euro steckte Ruppert in den Spezialbau, der für die Treppenstraße angefertigt wurde. 12 Tonnen Material sind verbaut. Vier Bahnen laufen nebeneinander. Für 2,50 Euro pro Fahrt sausen Jung und Alt in Kunststoffsäcken mit bis zu knapp 40 Stundenkilometern die eisige Bahn hinunter. Und Vater Konrad Ruppert zeichnet als Unternehmer in Kassel verantwortlich für den Märchenwald.

Kritik am Standort der "Wildunger Eiszeit"

Viele Wildunger kritisieren unterdessen den Wegfall der Parkplätze mitten in der Stadt für die „Eiszeit“. „Warum hat man das Ganze nicht auf die Fläche der alten Heloponte-Eisbahn gestellt?“, fragte eine verärgerte Zuschauerin zur Eröffnung. Das Heloponte war als alternativer Standort diskutiert worden. Doch das Konzept mit Gastronomie ist darauf angewiesen, dort angesiedelt zu sein, wo sich die meisten Menschen in der Stadt aufhalten – im Zentrum, im Scharnier, sagen die Befürworter. So ziehe es auch Gäste von außerhalb in die Nähe der Geschäfte und der bestehenden Gastronomie. Gratis- Parkplätze stehen in der Fürstengalerie bereit. Ihr oberes Deck wird nach wie vor kaum genutzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare