Bad Wildungen schafft trotz geringerer Wirtschaftlichkeit spritfreie Technik an

Mit Elektroauto ein Zeichen setzen

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Mit dem Kauf des ersten Elektroautos für die Verwaltung will die Stadt ein Zeichen setzen. Von rechts: Marcus Seibel übergab die Schlüssel an Christoph Heiser und Volker Zimmermann.

Bad Wildungen - „Bad Wildungen - natürlich gut“; diese Aufschrift prangt auf dem neuen Dienstwagen der Stadtverwaltung Bad Wildungen.

Das allein ist aber noch nichts Neues. Der rein elektrische Antrieb hingegen schon. Die Stadtverwaltung stellt in Gestalt eines neuen Renault Kangoo Z. E. das erste rein elektrisch betriebene Fahrzeug in ihren Dienst. Ziel des Ganzen ist es, den lokalen Schadstoffausstoß, insbesondere den Ausstoß von Kohlendioxid, im Fuhrpark zu reduzieren, erklärt Christoph Heiser vom Hauptamt. Es gehe darum, ein Zeichen zu setzen.

„Das Auto rechnet sich bei Wegstrecken zwischen 20 und 30 Kilometer pro Tag noch nicht“, räumt er ein. Der Anschaffungspreis liegt höher als bei einem Benziner oder Diesel.

„Die reinen Energiekosten betragen 2,50 Euro pro 100 Kilometer, gegenüber 10 bis 12 Euro bei einem Benziner oder Diesel“, erklärt Marcus Seibel, der im Rathaus die Schlüssel für den neuen Wagen offiziell übergab. Der bedeutendste Kostenfaktor bei Elektroautos ist zurzeit die Batterie. Noch existieren zu wenig Erfahrungswerte, wie lange eine solche Batterie durchhält angesichts der Belastungen, denen sie im Alltagsbetrieb ausgesetzt ist, angefangen bei den stark schwankenden Temperaturen im Jahresverlauf. Eine Ersatzbatterie kostet um die 9000 Euro, was sich etwa bei einer Lebensdauer von vier Jahren deutlich in den Betriebskosten niederschlüge. Deshalb vermietet Renault die Batterien an die Autobesitzer, die so das Risiko der ungewissen Batterielebensdauer in abgemilderter Form tragen.

Die Reichweite von 160 Kilometern bei dem Kangoo stellt keinen Nachteil gegenüber herkömmlichen Antrieben dar, da die städtischen Dienstwagen überwiegend im Stadtverkehr unterwegs sind. Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung Bad Wildungen haben im vergangenen Herbst einen Renault Kangoo Z. E. eine Woche lang getestet. Der Test verlief unspektakulär. Das Fahrzeug stellte seine volle Alltagstauglichkeit unter Beweis.

„Man muss sich nur an das höhere Drehmoment gewöhnen, das noch höher liegt als bei einem Diesel“, erklärt Marcus Seibel. Und daran, dass die „Tankanzeige“, der Batteriestatus klettert, wenn es den Giflitzer Berg hinab geht.

Denn dann schaltet das Auto auf eine Art Motorbremse und mit der dabei gewonnenen Energie wird die Batterie ein Stück wieder aufgeladen. „Das macht schon Spaß, das zu beobachten - auch wenn sich die Batterie natürlich in der anderen Richtung kräftig entlädt“, berichtet Bürgermeister Volker Zimmermann, der das Auto ebenfalls getestet hat.

Gefördert wurde der Kauf durch einen Zuschuss der EWF. Für alle Besitzer von Elektromobilen unterhält der heimische Energieversorger in der Alten Friedhofstraße in Bad Wildungen eine Elektrotankstelle, an der das Aufladen von Elektrofahrzeugen zurzeit noch kostenlos möglich ist. (su)

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