Frischquak

Entspannt

- Urlaub, schön und gut, aber Erholung von des Alltags Hetze, konzentriert auf einen Termin als High-Speed-Ausspannen? Funktioniert nicht. Meistens werd’ ich eh krank in den Ferien. Ich tanke wirkungsvoller auf bei meinen kleinen Auszeiten zwischendurch: Volleyball-Abend, Tennis, Knobeln, Skat...

Wie bei einer guten Anlagestrategie: Ausfallrisiken breit streuen auf verschiedene Formen, statt die ganze Kohle auf ein Pferd setzen. So gesehen habe ich gerade düstere, lichtlose Tage hinter mir, vor denen jeder schwarze Börsen-Freitag der Geschichte vor Neid erblasst. Zuerst wirft mich die Influenza nieder, wenige Stunden vor der monatlichen Skatrunde und zwingt mich, auch für den am nächsten Tag folgenden Knobelabend im dreiwöchentlichen Rhythmus einen gelben Schein einzureichen. Müßig zu erwähnen, dass mich Arbeitgeberviren erwischten – am Wochenende. Na, bis zum Mittwoch geht’s sicher wieder, bleibt mir wenigstens Volleyball. Meine ich. Montag treffe ich einen der Sportkollegen auf der Straße. „Schon gehört? Volleyball Mittwoch fällt aus. Die Halle ist dicht wegen einer Schulveranstaltung.“ Dienstag meldet sich mein Tenniskumpel per Telefon: „Du, diese Woche wird’s nichts bei mir. Die Schulter macht nicht mit.“ Na, dann schaue ich halt anderen bei ihren Leibesübungen zu. Champions-Ligue-Abend mit dem BVB in der Lieblingskneipe. Sonderbar. 15 Minuten vor Anpfiff steuere ich auf die Eingangstür zu. Noch kein Licht im Laden – dafür ein liebevoll von Hand geschriebenes Schild: „Heute geschlossen wg. Betriebsfeier.“ Schicksalsschläge machen dich demütig, bescheiden dich in deinen Erwartungen. Gehe ich nach Hause und erfreue mich an Doppel-Wiederholungsfolgen der einzig wahren Krimi-Kult-Serie „Mord mit Aussicht“, immer dienstags auf 1+. Leider. Leider vorige Woche ausgelaufen, die Staffel. Das entdecke ich daheim am TV. Mord wäre jetzt tatsächlich eine Lösung – bloß fehlt’s an einem für mein Elend verantwortlichen Zielobjekt.Da erhellt eine Idee die Finsternis: Ich gucke Radio. WDR 2 überträgt den Fußballknaller gegen Schachtjor Donetzk. Dafür nutze ich den Fernseher, schalte am SAT-Empfänger einfach auf die Funktion „Radio“ und betrachte, während ich lausche, den Bildschirmschoner: ein kleines rechteckiges Radio in Rosa, mit einem runden Lautsprecherchen, zwei süßen Knöpfchen und einer kurzen, gera
den Antenne. Das Apparätchen
bewegt sich in kleinen Ruck-Schrittchen diagonal über die schwarze Mattscheibe, stößt sich, wie eine Billard-Kugel von der Bande, von der Kante ab, sobald es sie erreicht und ruckelt in die andere Richtung weiter. Santana köpft das 1:0, das Radio ruckelt, mir wird leicht ums Herz. Mein Hausengel steht in der Zimmertür und fragt: „Was machst du?“ Auf meine tiefenentspannte Antwort „Ich gucke Radio“ dreht sie kopfschüttelnd ab: „Du brauchst mal Urlaub!“

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