Renaturierung trägt Früchte · Umweltverbrechen geben Grund zur Sorge

Erfolge und Dämpfer an der Eder

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Kiesinseln, wie sie in Mehlen in der Eder liegen, oder Nebenarme machen einen naturnahen Mittelgebirgsfluss aus und locken Arten wie den Eisvogel an. Renaturierung wirkt. Andererseits gefährdet illegale Müllentsorgung das Leben.Foto: Schuldt/Eisvogelfoto: Dieter Bark

Edertal/Bad Wildungen - Die Eder war ein zentrales Thema bei der Jahreshauptversammlung des Edertaler Naturschutzbundes (NABU). Wolfgang Lübcke berichtete von triftigen Gründen zur Freude, aber auch von Verschmutzungen des Flusses.

Die Renaturierung der Eder trägt Früchte und schreitet voran, schilderte der Vorsitzende. Der erste Bauabschnitt mit Schaffung von Nebengerinnen des Flusses bei Bergheim und Anraff habe sich bereits positiv auf die Tierwelt ausgewirkt. „Dies gilt insbesondere für die Fischfauna“, sagte Lübcke. Der NABU habe deshalb in sein aktuelles Jahresprogramm einen Vortrag von Stefan Vogt und Sebastian Blum vom Ederfischereiclub aufgenommen. Weiteres Indiz: Kaum waren die kleinen Nebenarme eingerichtet, beobachteten die Vogelschützer ein Eisvogelpärchen beim Brüten.

Von der Renaturierung profitiere unter weiteren Arten der Fischotter. Seine Anwesenheit wurde durch den Fund von Kot indirekt nachgewiesen. „Dass diese Art wieder heimisch ist, kann jedoch erst dann gesagt werden, wenn eine Otterfamilie festgestellt wird“, fügte Lübcke hinzu.

Die Planungsunterlagen für den zweiten Bauabschnitt der Renaturierung liegen im Regierungspräsidium zur Prüfung. „Wir gehen davon aus, dass die Umsetzung im Spätsommer erfolgen kann“ teilte der NABU-Vorsitzende mit. Im Zuge des zweiten Bauabschnitts werde das Flussbett an mehreren Stellen aufgeweitet, etwa auf dem rechten Ufer zwischen Affoldern und Mehlen, oberhalb und unterhalb der Anraffer Brücke sowie im Altwassergebiet zwischen Anraff und Wega.

Alle Arbeiten laufen entweder auf gemeindeeigenen Grundstücken oder Parzellen der Eder selbst. Als sehr gute Nachricht bezeichnete Lübcke, dass die Stadt Bad Wildungen für die Planung weiterer Renaturierungen in ihrer Gemarkung Mittel im Haushalt bereitstelle.

Diese seien allerdings mit einem Sperrvermerk versehen, weil die Stadt die schriftliche Zusage vom Regierungspräsidium abwarte, dass das Land Hessen die Kosten zu 100 Prozent übernimmt. Normalerweise müssen die Kommunen bei Renaturierungen einen Eigenanteil von 20 Prozent leisten. Weil die Eder aber ein streng geschütztes FFH-Gebiet ist, in dem die Bedingungen für die Natur nur verbessert, nicht verschlechtert werden dürfen, übernimmt Hessen die vollen Kosten.

Wermut ins sonst sehr saubere Flusswasser gossen jedoch „einige gravierende Umweltdelikte“, bedauerte Lübcke. Der NABU habe sie selbst entdeckt oder sei darüber informiert worden: Mehrfach sei Gülle-Spülwasser in die Eder gelangt. Im Böhner Bach hätten Unbekannte Asche mit Aluminiumresten abgelagert. Offensichtlich stamme die belastete Asche aus Verbrennung von Sondermüll. Der Böhner Bach mündet bei Bergheim in die Eder. Schließlich sei in der Landschaft illegal Bauschutt abgelagert worden. „Wenn in solchen Fällen der Verursacher nicht ermittelt werden kann, muss die Gemeinde den Müll und Bauschutt beseitigen. So zahlt schließlich der Steuerzahler dafür“, kritisierte Lübcke.(r)

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