Angeklagt wegen vorsätzlicher Körperverletzung

Bad Wildungen: Erster Stadtrat muss sich vor Gericht verantworten

Vor dem Amtsgericht Fritzlar hat ein Prozess gegen den Ersten Wildunger Stadtrat Hartmut Otto begonnen.

Bad Wildungens Erster Stadtrat muss sich vor Gericht verantworten. Ihm wird vorsätzliche Körperverletzung vorgeworfen.
  • Bad Wildungens Erster Stadtrat Hartmut Otto muss sich vor dem Amtsgericht in Fritzlar verantworten.
  • Der 64-jährige Bad Wildunger ist wegen vorsätzlicher Körperverletzung angeklagt.
  • Dem Vize-Bürgermeister der Stadt Bad Wildungen wird vorgeworfen, einen 13-jährigen Motocross-Fahrer bei einer illegalen Spritztour im Helenental gegen den Helm geschlagen zu haben.

Bad Wildungen/Fritzlar – Die Anklage: vorsätzliche Körperverletzung eines 13-jährigen Motocross-Fahrers im Helenental im September.

Der 64-Jährige soll dem etwa 1,70 Meter großen Jugendlichen gegen den Helm geschlagen haben. Der Junge erlitt laut Arztbericht aus der Stadtklinik eine Prellung an der linken Wange und eine Stauchung der Halswirbelsäule links, heißt es in der Anklageschrift.

An einem Septemberabend im Helenental

Hartmut Otto bestreitet die Vorwürfe. Vielmehr sei er damals gegen 19 Uhr mit seinem Wagen durch sein Jagdrevier im Helenental gefahren: „Da kamen mir drei Motorradfahrer nebeneinander entgegen. Das Motorradfahren im Wald ist ja verboten.“ Sie hätten versucht zu wenden, was einem misslang: „Er stürzte vor meinem Auto hin.“

Er sei ausgestiegen und habe vom Motorradfahrer verlangt, den Helm abzuziehen. Der Motorradfahrer, der sich wieder aufgerappelt hatte, tat das nicht. „Ich habe ihn an der Schulter gepackt und geschubst, ohne dass er hinfiel. Die Maschine lag zwischen uns und geschlagen habe ich ihn nicht. Ich schlage niemanden“, betonte der stellvertretende Wildunger Bürgermeister.

Anzeige wegen illegalen Motorradfahrens im Wald erstattet

Das Alter seines Gegenübers habe er nicht erkennen können. Dann sei der Vater zurückgekehrt. Er entriss Hartmut Otto, der mit seinem Handy das Geschehen aufzeichnete, das Telefon, „doch ich holte es mir zurück“, berichtete der Stadtrat. Danach seien die Kradfahrer verschwunden.

Bei der Fahrt heraus aus dem Wald entdeckte Hartmut Otto die drei Geländemaschinen in der Nähe wieder, am Wohnhaus der Familie. So erstattete der 64-Jährige bei der Polizei Anzeige wegen illegalen Motorradfahrens im Wald. Die Staatsanwaltschaft stellte dieses Verfahren gegen den Vater wegen Geringfügigkeit ein.

„Darfst du ein solches Motorrad fahren?“, wollte Richterin Riechers vom heute 14-jährigen Sohn wissen. „Ja, auf Privatgelände“, antwortete der Junge. Im Wald zum Beispiel nicht. Es habe sich nach Reparaturen nur um eine kurze Probefahrt mit dem Vater und dem jüngeren Bruder gehandelt, sagte der Zeuge.

Gerangel um Handy

Seine Version: „Wir fuhren hintereinander – ich in der Mitte – da sahen wir, wie uns ein Auto entgegen kam.“ Der Vater vorne habe Zeichen zum Wenden gegeben. Während der Vater und der jüngere Bruder reibungslos umdrehten und davonfuhren, hatte der heute 14-Jährige Schwierigkeiten: „Ich war zu langsam.“ Er habe die Maschine bei der Kehrtwende daher nicht mehr halten können. Wie beim Motocross erlernt, ließ er sie bewusst fallen, um selbst stehen zu bleiben: „Ich bin nicht gestürzt.“

Inzwischen hatte ihn der Angeklagte erreicht und sein Auto so abgestellt, dass man mit der Enduro nicht einfach wegfahren konnte, erklärte der junge Zeuge. „Er stieg aus, schrie ‘Helm absetzen’ und ‘Wo ist die Zulassung?’ und dann schlug er mich“, beschrieb der Zeuge. „Als ich dazu kam, rief mein Sohn: ‘Der hat mich geschlagen’“, gab der 48-Jährige Vater vor Gericht zu Protokoll. Er habe den Jäger bei der Hand gepackt, „weil ich nicht wollte, dass er Handy-Aufnahmen von meinem Sohn macht.“

Der Angeklagte habe dabei nach ihm getreten, schilderte der 48-Jährige. Der Sohn berichtete von Schmerzen vor allem an der Halswirbelsäule und psychischen Folgen. Bis heute plage ihn ein Gefühl der Unsicherheit im Wald.

Sachverständiger und Arzt sollen aussagen

Das Gericht setzte für die vierte Februarwoche einen Fortsetzungstermin an. Der jüngere Bruder des Zeugen und der behandelnde Arzt aus der Stadtklinik sollen dann berichten. Ein Sachverständiger soll einschätzen, ob die Blessuren von einem Schlag gegen den Helm stammen können.

Der Rechtsanwalt des 14-jährigen Zeugen forderte als Vertreter der Nebenklage ein Schmerzensgeld in Höhe von 1000 Euro. Und er führte Vorfälle in die Verhandlung ein, wegen der die Familie des jungen Motocross-Fahrers weitere Anzeigen gegen den Angeklagten erstattet hat.

Demnach soll Hartmut Otto Ende Dezember und Mitte Januar noch zweimal am Haus der Familie vorbeigefahren sein. Dabei soll er so getan haben, als filme er mit dem Handy, außerdem den Vater als „Verbrecher“ und „Anlagebetrüger“ beschimpft sowie dem älteren Sohn den Mittelfinger gezeigt haben.

Verhandlung wird fortgesetzt

Der Angeklagte nahm dazu keine Stellung. Sein Verteidiger meinte, das habe mit dem aktuellen Verfahren nichts zu tun. Der Nebenklagevertreter verlangte gleichwohl, die Vorfälle beim Fortsetzungstermin in einem Zug mit zu verhandeln. Ob das geht, ist nach Auskunft der Staatsanwaltschaft unklar, da die Anzeigen bei ihr seitens der Polizei noch nicht eingegangen seien.

Die Richterin gab zu Protokoll: Im Bundeszentralregister seien keinerlei Vorstrafen für Otto eingetragen. Neben der vorsätzlichen Körperverletzung müsse für das Geschehen der Tatbestand der Nötigung geprüft werden, sollte der Angeklagte durch das Abstellen seines Autos dem Motorradfahrer das einfache Davonfahren verwehrt haben, was Otto abstreitet. Matthias Schuldt

Rubriklistenbild: © David-Wolfgang Ebener

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