Heimische Verkehrsbetriebe mit Premiere am Wildunger Bahnhof

Erstes Rollator-Training im Landkreis: sicher unterwegs in Bus und Bahn

Bad Wildungen – Wie bewege ich mich sicher und ohne Scheu mit Rollator & Co im Öffentlichen Personennahverkehr? Das war Thema des ersten Rollator-Trainings im Kreis.

„Wie Sie´s früher in der Fahrschule für die Garage gelernt haben: vorwärts rein und rückwärts raus“, erklärt Axel Backhaus von der Energie Waldeck-Frankenberg (EWF/Verkehr) der älteren Dame aus Reinhardshausen. Sie ist eine der ersten bei der Premiere des „Rollator-Trainings“ vorm Wildunger Bahnhof. Es ist ganz schön knifflig, so eine Geh-Hilfe auf Rädern in einen Bus zu rangieren. Denn der Einstieg liegt trotz des abgesenkten Busfahrwerks rund 30 Zentimeter höher als der Bürgersteig.

Die meisten Fahrgäste reagieren gar nicht, wenn jemand mit Rollator einsteigt

Busfahrer und Kurslehrer Karsten Grebing

Axel Backhaus gibt der Seniorin freundlich und ruhig Tipps: „Sie fahren nicht zu dicht an den Einstieg heran. Dann ziehen Sie die Bremsen des Rollators an und kippen ihn zu sich.“ Der Rollator steigt vorne hoch, wie ein Pferd, das sich auf die Hinterbeine stellt. Nun gilt es die Bremsen zu lösen und das Gefährt auf seinen hinteren Rädern nach vorne rollen zu lassen, bis das vordere Paar Räder den Boden des Bus-Inneren erreicht hat. Danach die hintere Achse in den Bus heben, die Bremsen fest stellen und einsteigen mit Hilfe der Haltegriffe an der Tür.

Auch jemand Lernwilliges braucht hier Zeit, Geduld mit sich selbst und mehrere Versuche. Die Seniorin holt tief Luft, als diese Prozedur geschafft ist. Axel Backhaus mit seiner langjährigen Erfahrung als Busfahrer und Kursleiter von Kollegenschulungen geht mit der Dame die nächsten Schritte durch: „Am besten setzen sie sich mit dem Rücken in Fahrtrichtung. Das ist sicherer für Sie, falls der Bus bremsen muss. Den Rollator stellen Sie vor sich ab und die Bremsen fest.“ Mit dem Entwerten des Tickets solle sie sich keinen Stress machen und nicht durch erneutes Aufstehen während der Fahrt in Gefahr bringen, rät Backhaus: „Bitten Sie jemanden, für Sie den Schein zu entwerten.“ Die Reinhardshäuserin hört aufmerksam zu.

„Ich bin bis vor wenigen Monaten noch selbst Auto gefahren“, verrät sie. Doch dann habe eine Krankheit ihre Bewegungsfähigkeit rasch und deutlich verschlechtert. Nun mache sie sich mit ihrem neuen Rollator vertraut und wolle Sicherheit gewinnen, um weiterhin in der Stadt unterwegs zu sein. Künftig mit dem Bus.

Axel Backhaus freut sich über solche Entschiedenheit: „Manche Menschen in dieser Situation bleiben aus Angst zu Hause.“ Das Training für den Umgang mit dem Rollator in Bus und Bahnen soll Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit helfen, diese Scheu abzulegen.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Karsten Grebing vom Wildunger Verkehrsunternehmen BKW – auch er routinierter Busfahrer und Schulungsleiter – kümmert sich Backhaus an diesem Morgen um die interessierten Seniorinnen und Senioren.

In den Sommerferien soll es ein weiteres Training in Korbach geben und während der Schulferien im Herbst in Frankenberg. „Es bietet sich sicher an, auch die Zusammenarbeit etwa mit Senioreneinrichtungen für solche Trainings zu suchen“, meint Backhaus.

Mehr Verständnis und Hilfsbereitschaft zeigen

Die Fahrer sind verpflichtet, Ihnen Zeit zu lassen und Ihnen zu helfen“, erklärt er  den Trainingsteilnehmern. Im Gegenzug führe das natürlich zu Wartezeiten bei anderen Passagieren und manchmal zu Verspätungen, ergänzt sein Kollege Karsten Grebing. Er wünscht sich darum einerseits mehr Verständnis von Fahrgästen und andererseits mehr Hilfsbereitschaft. „Fragen Sie jemanden, ob er Hilfe beim Ein- oder Aussteigen möchte“, ermutigt er andere Fahrgäste. Funktioniert das Miteinander , dann sei der Fahrer seltener gefordert, seinen Platz am Steuer zu verlassen. Rollatornutzer, Rolli- und Busfahrer ringen gemeinsam mit vielen Problemen und Hindernissen – etwa wenn das Fahrzeug direkt nach einer Kurve die Haltebucht mit dem barrierefreien „Kasseler Hochbord“ ansteuern muss und der lange Bus mit dem hinteren Einstieg nicht dicht genug an den Gehweg herankommt. Jedes zwanglose Hilfsangebot bringt da alle weite

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare