Bad Wildungen

Erstmals brasilianische Gruppe beim Wildunger Samba-Festival

- Bad Wildungen (su). Die Trommeln rufen, die Samba kehrt wieder ein in die Kurstadt vom 4. bis 6. September. Mehr als 50 Gruppen mit mehr als 1000 Musikern und Tänzern zaubern einen Hauch von Rio auf die Brunnenallee.

Es ist hinter Coburg das zweitgrößte Sambafestival in Deutschland und damit das drittgrößte in Europa. Doch sein „Vater“ und Chef der Wildunger Sempre Samba, Jürgen Lehmann, ist auf einen anderen Umstand viel stolzer: „Sehr viele Musiker sagen, es ist das schönste Festival in Europa wegen der besonderen Atmosphäre.“ Das spiegelt sich wider in den Anmeldungen. 50 Gruppen sind dabei, weiteren knapp 40 musste „Lemmi“ absagen, weil die Kapazitäten erschöpft sind. Die Unterbringung war in diesem Jahr eine besondere Herausforderung, weil in den heimischen Sporthallen wegen des Konjunkturpaketes kräftig renoviert und saniert wird. So sprangen die Helenentalschule, die Berufsakademie oder die Schule Breiter Hagen mit ihren Unterrichtsräumen in die Bresche. Lehmann lobt die gute Zusammenarbeit mit Volkshochschule und Landkreis, die gemeinsam diese Auswege ermöglichten. Außerdem stellt die Holzfachschule ihr Internat zur Verfügung. Wegen der neuen Schlafgelegenheiten müssen die Organisatoren zwei Busse einsetzen, deren Aufgabe es ist, die Gruppen rechtzeitig zu ihren jeweiligen Auftrittsorten an den vier Bühnen oder zurück in die Schulen zu bringen. „Es ist eine Generalstabsaufgabe, dafür zu sorgen, dass sich alle Musiker wohlfühlen“, sagt Reckhard Pfeil vom Stadtmarketing anerkennend und Hans-Martin Lötzer von der mitveranstaltenden AWWiN (Arbeitsgemeinschaft Wildunger Wirtschaftsförderung) hebt hervor: „Ohne das herausragende ehrenamtliche Engagement der vielen Beteiligten wäre das für eine kleine Stadt wie Bad Wildungen nicht zu leisten.“ Aus seiner Sicht ist das Sambafestival für die Badestadt besonders wichtig, weil es viele junge Gäste und Aktive anzieht. Die positiven Auswirkungen für Bad Wildungen lassen sich schon an der Tatsache ablesen, dass aktuell kein freies Bett mehr in den Hotels und Pensionen für das Sambawochenende zu finden ist. In dem Zusammenhang appelliert Pfeil an Vermieter, die sich eventuell scheuen, Zimmer für ein oder zwei Nächte zu vergeben, ihrem Herzen einen Stoß zu geben: „Wenn wir die Gäste überzeugen, kommen sie wieder und sicher auch zu längeren Aufenthalten.“ Was die Samba angeht, so kann sich das Publikum laut Lehmann im Jahr 2009 auf die gewohnte hohe Qualität und Begeisterung freuen, mit der Anfängergruppen, halbprofessionelle und professionelle Sambabatterien an den drei Tagen auftreten. Mehrere Formationen der deutschen und europäischen Spitzenklasse haben sich angesagt, darunter Gruppen, die viel Tanzbares bieten, vom klassischen Rio-Stil über Samba-Reggae bis zum Pagode, bei dem Gesang eine zentrale Rolle spielt. Damit nicht genug, hat Sempre Samba auf dem fünften Wildunger Sambafestival zum ersten Mal eine Formation aus Brasilien zu Gast – ein Engagement mit besonderem Hintergrund. „Es handelt sich um eine Gruppe aus den Favelas, den Elendsvierteln der Großstadt Recive“, erklärt „Lemmi“. Darin spielen Sozialarbeiter und Kinder aus den Slums, die es auch mithilfe der Samba geschafft haben, ihren Weg in die Gesellschaft zu finden und nicht einen frühen Tod auf der Straße zu sterben. 19 Mitglieder hat die Gruppe „Darue Malungo“, davon sieben Tänzer. Zwei Klassen der Gesamtschule Edertal und die Kirche greifen den Aufenthalt als Thema auf und verarbeiten das Ganze in einem Projekt, um Hilfsgelder für die Kinder in den Favelas zu sammeln. Darue Malungo ist vor diesem Hintergrund die einzige Gruppe, der es erlaubt ist, beim Sambafestival Geld zu sammeln, fügt Jürgen Lehmann hinzu. Die Formation hält sich zwei Wochen in Deutschland auf und ist außer in Bad Wildungen nur noch in Köln zu erleben. Die Dreitageskarte fürs Sambawochenende kostet im Vorverkauf 13 Euro, die Einzelkarten 5 Euro (Freitag), 8 Euro (Samstag) und 6 Euro (Sonntag, mit Samba-Umzug). Kinder unter 14 Jahren haben in Begleitung freien Eintritt. Die Vorverkaufsstellen: Touristinfo Brunnenallee, Touristinfo Reinhardshausen, Bürgerbüro, Firma Wilke, Blumen Rossmann, Edeka Walter, Presse und Buch Reinhardshausen oder online über www.eventim.de. Weitere Infos unter www.sambadwildungen.de.

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