Geld veruntreut: Ehemaliger Kassierer des SV Bad Wildungen verurteilt

Ex-Schatzmeister milde bestraft

Bad Wildungen/Fritzlar. - Überraschung im Amtsgericht: Nach einem unerwarteten Teilgeständnis verurteilte die Kammer den ehemaligen Schatzmeister des SV 1861 Bad Wildungen wegen Veruntreuung von Vereinsgeldern zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung.Weiterhin muss der 48-Jährige eine „Schadenswiedergutmachung“ von 7500 Euro leisten und trägt die Kosten des Verfahrens.

Seinen Job als Beamter (und Pensionsansprüche) dürfte er nicht verlieren, was bei einer Strafe von über einem Jahr automatisch der Fall gewesen wäre. Allerdings muss er mit einer Zivilklage rechnen, der Schützenverein will die „abgängige“ Gesamtsumme von 53600 Euro zurückhaben. Der Wildunger, der während des Prozesses geschwiegen hatte, meldete sich doch noch zu Wort: „Es tut mir leid, was gelaufen ist.“

Sein Teilgeständnis bezog sich auf 15 Barabhebungen von drei Vereinskonten, bei denen am selben Tag eine Einzahlung auf das Privatkonto erfolgte. Weitere zwölf „Handlungen“ betrafen Privatrechnungen, die der Kassierer direkt von einem Vereinskonto beglich. Dies hatte er im Vorfeld bereits eingeräumt. Unterm Strich umfasst das Teilgeständnis rund 20000 Euro.

Richterin Eichler verurteilte­ den Wildunger wegen „gewerbsmäßiger Untreue“. Strafmildernd wirkten sich das Geständnis sowie die bisherige Unbescholtenheit aus: „Dieses Urteil ist das rechte Maß.“ Eine lasche Kassenprüfung habe die betrügerischen Aktionen leicht gemacht, rügte die Richterin: „Gelegenheit macht Diebe.“ Angesichts der Umstände müsse sich auch der Verein das Geschehen „auf die Fahne schreiben“.

Das Gericht entsprach dem Antrag von Oberstaatsanwalt Hans-Martin Jung, dem sich die Verteidigung anschloss. Jung sagte, es spreche vieles dafür, dass der Angeklagte die Gesamtsumme in die eigene Tasche gewirtschaftet hat, was sich aber nur schwerlich beweisen lasse. Jung kritisierte ebenfalls die Kassenprüfer des Vereins, die nicht aufgepasst hätten. Verteidiger Sven Schoeller sah es ebenso: „Die nachlässige Kassenprüfung hat den Boden bereitet.“ Die Abhebungen erfolgten über mehr als vier Jahre (2004 bis Ende 2008).

Zuvor vernahm das Gericht Zeugen, darunter den damaligen Vorsitzenden und den Vize. Richterin Eichler staunte, dass der Betrug mit etwa 140 Abhebungen so lange nicht auffiel.

Warum flog der Schatzmeister nicht früher auf? In den Jahreshauptversammlungen fand sein Finanzbericht stets allgemeine Zustimmung, die Kassenprüfer gaben ihre Plazets. Einmal prüften sie die Kasse eine halbe Stunde vor Beginn der Hauptversammlung: „Wir hatten Vertrauen in unseren Schatzmeister.“ Wohl grenzenloses Vertrauen, denn nicht selten, wie sollte es auch anders sein, fehlten Kassenbelege und fest versprochene „Anlagen zum Protokoll“.

So verschwanden Jahr für Jahr rund 10 000 Euro. Dabei hätten die Prüfer den Betrug mit nur zwei (belegten) Zahlen sofort aufdecken können: Anfangsstand der Kasse im Berichtsjahr und Stand zum Jahresende.

2008 häuften sich die Beschwerden beim Vereinsvorstand über unbezahlte Rechnungen, Übungsleiter erhielten kein Geld. Erst dann zog sich die Schlinge zu und der Vorstand stellte seinen „Spieß“ zur Rede. Zunächst gab dieser zu, 3500 Euro privat abgezweigt zu haben, dann erhöhte er auf 7500 Euro. Dies widerrief er später.

Erst eine in Auftrag gegebene professionelle Kassenprüfung ergab das Ausmaß des Schadens. Die Vereinskonten waren fast völlig abgeräumt. Daraufhin traten sogar Mitglieder aus.

Die verbliebenen Schützenbrüder und -schwestern können sich eventuell mit der Historie des Wildunger Schützenwesens trösten: Bereits vor Vereinsgründung in 1861 ist ein Vorläufer des Schützenvereins pleite gegangen.

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