Hans-Jürgen Kuhn: "Ich war Punker und Penner, Rocker und Hippie und oft ein Todgeweihter.“

Ex-Wildunger schreibt Buch über sein wildes Leben im Rausch

Plant bereits eine Fortsetzung mit vielen Episoden aus Bad Wildungen: Hans-Jürgen Kuhn hat ein Buch über seine Jahre als Reisender, Drogenkranker und Suchender geschrieben. Foto: Höhne

Bad Wildungen. Alles fing mit einer Briefmarke an. Als Hans-Jürgen Kuhn mit knapp 20 das erste Mal ein Bild aus Portugal sah, prangte das auf einem Stempelzeichen. Und Kuhn war klar: Da wollte er hin.

Der gelernte Kfz-Mechaniker und Soldat schmiss in Nordhessen alles hin und reiste mit ein paar Freunden und dem VW-Bus nach Südeuropa. Das ist der Beginn einer Geschichte, die vor 40 Jahren begann und den heute 60-Jährigen noch immer beschäftigt.

Denn aus dem Urlaub im Süden wurde ein wildes Leben in 30 Ländern. Und wenn auch die Landschaften und die Freunde wechselten, so drehte sich bei Hans-Jürgen Kuhn immer um seine Suche und seine Süchte. Denn in seinem Leben unterwegs ging es immer um Drogen: Um Drogen, die er über Grenzen schmuggelte, die er selbst konsumierte, an die er dringend heran- und von denen er noch dringender loskommen wollte.

In den 1980-er und 90-er Jahren lebte Hans-Jürgen Kuhn in Bad Wildungen. „Ich habe lange in einem umgebauten VW-Bus gewohnt und oft im Wald gestanden“, plaudert der 60-Jährige aus alten Zeiten. Er war Stammgast in der damaligen Diskothek „A-Z“ und hatte einige Zeit auch einen Laden in der Hinterstraße. „Mit Lederwaren, Buddhas und Krimskrams.“

Hans-Jürgen Kuhn ist ein Überlebenskünstler

Heute ist er 60 Jahre alt und lebt nicht wie früher in den Bergen von Marokko, sondern bei seiner Mutter Irmgard im Borkener Stadtteil Trockenerfurth. Das ist für ihn völlig in Ordnung: „Ich habe alles durch bis aufs Aufhängen“, sagt er von sich selbst.

Jetzt hat er ein Buch darüber geschrieben, wie es sich anfühlte, immer unterwegs, oft auf der Flucht und nirgends wirklich zu Hause zu sein. Kein Wunder, dass es „Neun Leben“ heißt: Hans-Jürgen Kuhn hat anscheinend wirklich neun Leben und ist wie eine Katze – ein Überlebenskünstler. Er ist zig Mal richtig abgestürzt, wie er es nennt, hat den Heroin-Entzug geschafft. Seit 15 Jahren ist er clean, aber mit Ersatzstoffen unterwegs. Als drogengefährdet bezeichnet er sich nicht: „Damit bin ich durch“, sagt er entschlossen.

Noch härter: Fortsetzung dreht sich um Waffen und Gewalt

So manch anderer würde eine solche Geschichte verschweigen, sich vielleicht dafür schämen. Kuhn nicht, im Gegenteil. Er erzählt sie mit Begeisterung. „Ich war Punker und Penner, Rocker und Hippie und oft ein Todgeweihter.“ 

Auf der Titelseite seines Buches prangt unten der Vermerk „Band 1“. Damit wird klar: Kuhn arbeitet schon an der Fortsetzung. „Die wird noch härter“, verspricht er und erzählt Geschichten rund um Drogen, Waffen und Gewalt. Reich werden will er damit nicht: „Was soll ich mit Geld, das brennt ja doch nur in der Kippe. Ich will lieber einfach schreiben.“

Dass sein Werk bei der Leserschaft gefragt ist, daran hat er keinen Zweifel. „Ich habe es sehr umgangssprachlich geschrieben, das kommt bei denen, die das Buch schon verschlungen haben, richtig gut an.“ Einziges Problem: „Diesen nordhessischen Ton zu treffen wird natürlich schwierig, wenn das Buch dann ins Englische übersetzt wird.“

Wer „Neun Leben“ erst mal auf Deutsch lesen will, kann es für 18,50 Euro in der Buchhandlung Buchland in Bad Wildungen kaufen.

Kontakt: Hans-Jürgen Kuhn, Tel. 0174/4346552

Von Claudia Brandau

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