Verbales Scharmützel im Wildunger Stadtparlament zum CDU-Antrag auf Erhalt der Kurhaus-Säle

Externer Gutachter soll Kosten schätzen

Bad Wildungen - Hartnäckig stritt die CDU für den Erhalt der Kurhaus-Säle im Wildunger Stadtparlament. Am Ende eines wortreichen Scharmützels setzte sich die SPD durch: Vor einer verbindlichen Willensäußerung soll ein unabhängiger Gutachter aufdecken, um welche Summen es überhaupt geht.

„Positiv und wohlwollend“ das Impulspapier zum Kurhaus annehmen - darauf zielt der Antrag der Christdemokraten. Das Kurhaus als zentrale Einrichtung des Kurbetriebs soll mit seinen wesentlichen Teilen, wie Foyer und Sälen, erhalten bleiben und in einem Umstrukturierungskonzept berücksichtigt werden, forderte die CDU in der öffentli-chen Sitzung am Montagabend in der Wandelhalle.

In Verhandlungen mit Investoren, an die die Stadt vertraglich durch einen „Letter of Intend“ (Absichtserklärung) bis zum 30. Juni gebunden sei, müsse klargestellt werden, dass ein Abriss bis auf die Tiefgarage nicht gewünscht sei. „Bad Wildungen braucht das Angebot des Kurhauses, vor allem der Säle, als kulturelles Zentrum“, bekräftigt Oliver Syring (CDU). Wiederinbetriebnahme des Parkhauses, Ansiedlung von Museen und Neuausrichtung des Stadtmarketings - dafür sei der einstige Prachtbau ideal. Gleichzeitig sei ein Hotelprojekt nicht ausgeschlossen. Das Kurhaus habe an einem historischen Standort für Bädereinrichtungen ideellen und materiellen Wert. Für das 14 000 Quadratmeter große Grundstück errechnete er anhand der Bodenrichtdaten einen Wert von 1,26 Millionen Euro, aufstehende Immobilien nicht einkalkuliert.

„In Bad Wildungen herrscht deutliche Stimmung pro Kurhaus vor“, versichert Syring. Spontanes Klatschen von rund 70 Zuhörern brandet auf, darunter etliche Kurhaus-Ver-fechter, die mit einem Transparent für den Erhalt der Immobilie werben. Renate Faber berichtet von eindeutigen Willensbekundungen bei Aktionen der Frauen-Union auf dem Postplatz. „90 Prozent der Wildunger Bürger sind gegen einen Abriss des Kurhauses.“

Empört über geheimes Treffen

FWG-Sprecher Dr. Hans Schultheis unterstützt die Christdemokraten bei ihrem Ansinnen, das Herz des Kurhauses zu erhalten. „An dieser Stelle muss kulturelle Substanz, muss Leben rein.“ In einem verbalen Intermezzo gelang es jedoch auch dem wortgewandten Mediziner nicht, „den Geist des CDU-Antrags der Koalition näherzubringen“.

SPD-Fraktionssprecher Walter Mombrei bekannte: „Selten habe ich so viele Differenzen zwischen Herz und Verstand gehabt, wie bei diesem Thema.“ Wie viel Kur muss sich die Badestadt leisten, und wie viel kann sie sich leisten - das sei die entscheidende Frage. „Wenn wir sagen, das Kurhaus ist uns das wert, dann müssen wir das auch den Bürgern sagen“, pochte er auf Offenlegung der finanziellen Folgekosten.

„Wie möchte die CDU das nächste Defizitgrab auffangen?“ - Das fragte sich Klaus Stützle (Bündnis 90/Grüne). „Eure Forderungen zum Kurhaus bedeuten ein finanzpolitisches Desaster für die Stadt“, rief er den Christdemokraten zu.

Bürgermeister Volker Zimmermann rückte das anvisierte Hotelprojekt auf dem Kurhausareal wieder in den Blick. Nach dem Hessischen Heil- bäderverband zur „neuen Kur“ locke hohe medizinische Kompetenz Gesundheitstouristen als Selbstzahler an. „Aus diesem Grund brauchen wir mehr qualitativ gute Betten.“

Dr. Edgar Schmal zeigte sich nach der langjährigen erfolgreichen Suche nach einem Investor für ein Hotel in der Langemarckstraße skeptisch. Vor allem aber erzürnte ihn ein Treffen: „Die Koalition, die hier erzählt, wir wollen den Projektentwickler nicht beeinflussen, hat mit ihm in einer geheimen Sitzung zusammengesessen.“ Und die Opposition wisse bis zum heutigen Tag nicht, was in dieser Absichtserklärung steht. Da hielt es Dr. Hans Schultheis nicht mehr auf dem Stuhl: „Das glaube ich nicht, Herr Bürgermeister, stellen Sie das klar.“

In einem verbalen Scharmützel verteidigte nicht der Rathauschef, sondern SPD-Chef Mombrei das Treffen. Ein Informationsgespräch sei durchaus nicht unüblich, warb er um Verständnis. „Ich habe nur In-formationen zur Kenntnis genommen, aber nicht diskutiert.“ Das konnte Schmal partout nicht glauben, und Schultheis entgegnete verärgert: „Sie haben einen Wissensvorsprung mit diesen Informationen.“ Bernd Ulrich (CDU) legte nach: „Für mich macht es gar keinen Sinn, diese Informationen vorzuenthalten, es sei denn, uns öffentlich vorzuführen.“

Bei 15 Gegenstimmen und 20 Ja-Stimmen setzte sich die SPD mit einem Änderungsantrag durch. Ein unabhängiger Gutachter soll die erforderlichen Investitionen für den Betrieb des Kurhauses mit beiden Sälen und notwendigen Nebenräumen ermitteln. Dann kommt das Thema erneut ins Parlament. (höh)

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