Polizei ermittelt weiterhin wegen Verdachts auf Amtsanmaßung

Wer sah das falsche Blaulicht auf der Autobahn 49?

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Falsches Blaulicht im SUV eingesetzt: Zwei Waldeck-Frankenberger stehen im Verdacht der Amtsanmaßung, weil sie sich auf der A 49 den Weg durch einen Blaulicht-Blitzer frei gemacht haben sollen.

Bad Wildungen/Edertal/Waldeck – Mit einem Blaulicht so tun, als sei man zivile Polizei im Einsatz: Zwei Männer aus Waldeck-Frankenberg stehen im Verdacht, diese technische Maskerade in ihrem weißen Porsche Cayenne auf der A 49 vollführt zu haben.

Die Zeugensuche

Die echte Polizei ermittelt seit Mittwoch, 16. Oktober, in diesem eventuellen Fall von Amtsanmaßung und sucht weiterhin Zeugen – darunter den Autofahrer, der einer Streife von dem Geschehen berichtete und sie auf den Cayenne hinwies. Er und mögliche weitere Zeugen werden gebeten, sich unter 0561/9100 mit der Polizei in Verbindung zu setzen. Die A 49 ist eine klassische Pendlerstrecke von und nach Kassel, unter anderem für den Süden Waldeck-Frankenbergs.

Das Geschehen

Kurz vor 10 Uhr an dem Mittwoch hatte der Zeuge die Beamten am Platz der Deutschen Einheit in der Kasseler Innenstadt angesprochen und ihnen den SUV gezeigt. Dessen Insassen sollen unmittelbar zuvor auf der Autobahn 49 in Richtung Kassel ein Blaulicht benutzt haben, um schneller voran zu kommen. Die Polizisten stoppten nach dem Hinweis den Wagen auf der Leipziger Straße. Das Duo im Auto stritt alles ab. Allerdings fand die Polizei im Wagen einen Blaulicht-Blitzer mit Saugnäpfen fürs Fixieren an der Frontscheibe.

Falsche Blaulichter

Einschlägige Geräte finden sich auf den ebenso einschlägigen Handelsplattformen im Internet, etwa ein „Frontblitzer-Feuerwehr-Polizei“ unter dem vielsagenden Titel „Straßenräumer“. Wie bei Radar-Warngeräten sind weder der Besitz noch das Mitführen im Auto strafbar, erklärt Matthias Mänz, Leiter der Pressestelle des Polizeipräsidiums Nordhessen. Erst der Einsatz der Geräte beschwört eine Strafe herauf. Dabei kommt nicht allein Amtsanmaßung als Vorwurf in Betracht. Abhängig von der damit verbundenen Fahrweise schlagen möglicherweise auch Nötigung oder gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr zu Buche, wenn Zeugenaussagen oder Beweise das vor Gericht belegen.

Mit einfachsten Mitteln

Immer mal wieder sei die Polizei in Nordhessen mit Blaulicht-Täuschungsmanövern befasst, „aber ein Fall auf einer Autobahn ist mir aktuell nicht in Erinnerung“, sagt Mänz. Jedoch fällt ihm ein anderes Beispiel ein: Vor einigen Jahren seien in der Kasseler Innenstadt zwei junge Männer erwischt worden. Sie nutzten eine Handy-App mit Blaulicht-Blitz und hielten das Telefon-Display an die Frontscheibe. Das brachte damals eine Autofahrerin dazu, die Polizei zu alarmieren.

Verhaltenstipp

„Generell muss und soll man an die Seite fahren, wenn sich ein Blaulicht nähert“, sagt Mänz. Zivilstreifen der Polizei verwendeten zumeist ein Magnet-Blaulicht auf dem Dach, aber wenn es schnell gehen müsse, werde die Signalleuchte mal auf die Ablage hinter der Windschutzscheibe gelegt. „Hat man Zweifel, dass es sich um echte Beamte handelt, merkt man sich am besten das Kennzeichen und ruft bei der Polizei an.“ Das rät Mänz zum Umgang mit derlei Beobachtungen im Straßenverkehr. Für die Statistik: Mehr als 60 Porsche Cayenne sind im Landkreis zugelassen.

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