Bernhard Weller, Edertaler Bürger und Wildunger Museumschef, zu Dokuzentrum

Falsches Knausern am Edersee

Rohrkrepierer statt Feuerwerk: So sieht´s in Sachen Dokuzentrum aus für 2014.

Edertal/Bad Wildungen - „Ziemlich unverständlich. Falsch.“ Bernhard Weller, Gellershäuser Bürger, von Beruf Kulturbeauftragter und Museumschef Bad Wildungens, fand in einem Vortrag vor den Mitgliedern des Kellerwaldvereins deutliche Worte für die Hängepartie ums Dokuzentrum Edersee.

„Das wichtigste Bauprojekt der letzten 100 Jahre im Edertal an sehr geeigneter Stelle mit garantiertem Zulauf an Einheimischen und Gästen nicht entsprechend den heutigen Standards zu würdigen - das ist falsch“, schreibt er den Edertaler Parlamentariern ins Stammbuch. Diese hatten die Pläne von Bürgermeister Wolfgang Gottschalk vor einem Jahr aus Kostengründen abgelehnt, setzten mehrheitlich auf kleines Geld und die private Schiene, um 2014 eine ansprechende Gäste-Info der Edersee-Touristic und ein Museum vorweisen zu können.

Letzteres klappt auf keinen Fall mehr pünktlich. So viel steht fest.

Und im Bemühen um einen würdigen Ersatz für die Sperrmauer-Röhre der ET bewegt sich das Parlament allenfalls im Schneckentempo vorwärts. Als wollten sie nachweisen, wie berechtigt Wellers Kritik ist, diskutierten die Gemeindevertreter am Donnerstagabend in ihrer Sitzung über 2500 Euro im Nachtragshaushalt. Mit denen will man gegebenenfalls einen Architekten beauftragen, der eine Planung erstellt für das leere Haus „Fiss“ am Sperrmauervorplatz. Der ehemalige Imbiss ließe sich kostengünstig umbauen zur ET-Gästeinfo, so die Hoffnung. Hartwig Landskron (FWG) teilte allerdings mit, dass aktuell eine Neuverpachtung im Gespräch sei. Bürgermeister Wolfgang Gottschalk erläuterte, dass ein Ankauf ohnehin nur in Betracht komme, wenn der Eigentümer mit seinem bislang veranschlagten Kaufpreis heruntergehe. Die 2500 Euro für eine Planung würden also nur vorsorglich in den Etat eingestellt, „damit wir nicht weitere Zeit verlieren, falls es doch klappt.“ Dem stimmte die Mehrheit zu.

Eine baldige Lösung rückt so nicht in greifbare Nähe.

Gerne und häufig monieren alle am Tourismus Beteiligten in der Region, dass es an Schlechtwetterangeboten fehlt. Auch die Edertaler Gemeindevertreter reihten sich in der Vergangenheit gerne in den Chor ein.

Deshalb trifft Wellers Standpauke umso mehr ins Schwarze: „Trotz einer plausiblen Idee verzichtet man leichtfertig auf die Verwirklichung eines Vorhabens mit Alleinstellungsmerkmal, einem ganz wichtigen Kriterium auch für die Vermarktung. Besucher des Edersees können eine solche Einrichtung schlichtweg erwarten.“ Für sie gehöre es zur Grundausstattung und bilde nicht etwa eine Besonderheit in dem Sinne, dass man lange darüber diskutieren müsse.

„Ein Dokumentationszentrum an der Staumauer hätte Strahlkraft in die Region hinein“, betonte der Wildunger Museumschef. Deshalb wäre es aus seiner Sicht sinnvoll, das Vorhaben in einer gemeinsamen Anstrengung der Region zu stemmen. An dieser Stelle ließe sich seiner Ansicht nach ein Beispiel geben, größere und aufwendige Projekte in Kooperation mehrerer Kommunen zu realisieren: „Die Zeit ist reif für neue Strukturen.“

Skeptisch beurteilt er die Aussichten, das Museum in privater Regie aufzubauen. Die Zusammenarbeit etwa mit dem beratend tätigen Museumsverband gestalte sich schwieriger und öffentliche Zuschüsse seien schwerer zu beschaffen.

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