1935 nach Kapstadt ausgewandert: Freddy Hirsch auf den Spuren seiner Vorfahren

Familienfoto an der Gedenktafel

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Bad Wildungen / Edertal - Freddy Hirsch, ein ehemaliger Bad Wildunger mit jüdischen Wurzeln, wandelte mit seiner Familie in Bad Wildungen und im Edertal auf den Spuren seiner Vorfahren.

Mit seiner jüdischen Familie wanderte Freddy Hirsch 1935 als Sechsjähriger nach Kapstadt, Südafrika aus. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sein Vater Emil Hirsch in der Lindenstraße 16 in Bad Wildungen einen kleinen Handel betrieben.

Seit einigen Jahren kommt Freddy Hirsch nach Bad Wildungen und ins Edertal, um die Stätten seiner Vorfahren zu besuchen. In diesem Jahr brachte er viele Familienmitglieder mit, seine Ehefrau Aggie, drei seiner fünf Kinder, Raymond, Farrell und Gaby mit Ehepartnern und deren Kinder.

Vor dem Haus Bonifatiusweg 7 in Wellen traf Freddy Hirsch auf den ehemaligen Pfarrer Ernst-Friedrich Gallenkamp und dessen Frau. Groß war die Freude des Wiedersehens. In diesem Haus wohnten mehrere Generationen der Hirsch-Familie, angefangen mit Hele Hirsch in 1838, dem Ururgroßvater von Freddy Hirsch.

Jahrzehntelang betrieb die Familie in Wellen das Schuhmacherhandwerk. So überreichte dann auch die heutige Mieterin Christine Hilgarth ein altes Schuheisen und eine Wange von der Dachbodentreppe, die sie kürzlich erneuert hat, an den Auswanderer.

Zu den Wurzeln

Das geschichtsträchtige Haus, an dem Pfarrer Gallenkamp vor fünf Jahren eine Gedenktafel angebracht hatte, diente anschließend als Hintergrund für ein Familienfoto. Danach besuchte die Familie den jüdischen Friedhof in Bergheim. Hier liegt Hele Hirsch (1810 bis 1891) begraben. Zu seiner Erinnerung ließ Freddy Hirsch vor einiger Zeit einen neuen Grabstein anfertigen. Den jüdischen Friedhof in Bad Wildungen hatte die Familie zuvor besucht.

Viel Freude bereitete den Familienangehörigen ein Ausflug an den Edersee. „Den haben sehr genossen. Das ist wirklich reizender Ort“, schwärmte Farrell Hirsch, der in Los Angeles lebt. Am Abend hatte Freddy Hirsch gute Freunde in das Maritim Badehotel zum Dinner eingeladen, darunter Bürgermeister Volker Zimmermann mit seiner Frau Gabriele, das Ehepaar Gallenkamp und Johannes Grötecke.

Nächste Station: Nassau an der Lahn

In seiner Rede bemerkte er gerührt, dass er seiner Familie die nordhessischen Stätten seiner Ahnen zeigen konnte. „Es hat mir so viel Freude bereitet, dass meine Enkel die Wurzeln meiner Familie kennenlernen können“, bekräftigte Freddy Hirsch, der sehr gut Deutsch spricht.

Bereits am nächsten Tag fuhr der Familienclan weiter nach Nassau an der Lahn, wo die Mutter von Freddy Hirsch geboren wurde. (deg)

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