Pinselohr auf Freiersfüßen in freier Wildbahn

Fatale Fluchthilfe: Luchs frei, Fuchs tot

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Seit zwei Wochen versuchen Mitarbeiter des Wildtierparks Edersee vergeblich, einen ausgebüxten Luchs zur Rückkehr zu bewegen.

Edertal-Hemfurth-Edersee - Ein zwei Jahre alter Luchs ist aus seinem Gehege im Wildtierpark Edersee ausgebüxt. Versuche, die männliche Großkatze wieder einzufangen, schlugen bisher fehl. Bei der Suche nach dem Pinselohr bittet die Nationalparkverwaltung die Bevölkerung um Mithilfe.

Ranger und Tierpfleger Gerhard Fränkel entdeckte am 30. Januar, dass der zweijährige Luchskuder vermutlich durch ein Loch entfleucht war. Fluchthilfe leistete offenbar ein Fuchs, der Futterreste in dem Gehege witterte und ein Loch unter den Zaun grub. Seinen Spürsinn hat Meister Reineke mit dem Tod bezahlt. „Der Luchs hat den Fuchs gemeuchelt“, sagt Wildtierparkleiter Albert Hernold.

Die Großkatze nutzte das Fuchsloch zur Flucht. In den vergangenen Tagen meldeten Spaziergänger und Passanten immer wieder Luchssichtungen. Zuletzt am Ochsenbühl bei Harbshausen, etwa 50 Meter vom Parkplatz entfernt. „Das könnte aber auch ein freilebender Luchs sein“, mutmaßt Hernold, denn vieles spreche dafür, dass die Großkatzen wieder in der Region heimisch sind.

Futterspuren immer wieder geplündert

So entdeckte der Vöhler Ernst Schäfer am Dienstag nahe Herzhausen am Waldrand ganz nahe an der Straße plötzlich einen Luchs, schildert Schäfer der WLZ. Er hielt die Szene mit seiner Handy-Kamera fest.

Da die Ranzzeit der Luchse zwischen Februar und April liegt, sind auch wildlebende Luchse zurzeit unterwegs auf der Suche nach potentiellen Partnern, gibt die stellvertretende Nationalparkleiterin Jutta Seuring zu bedenken.

Mit List und Tücke versuchten Ranger und Tierpfleger in den vergangenen Tagen, den Ausreißer aus dem Wildtier- park wieder zur Rückkehr zu bewegen, aber bislang ohne Erfolg. „Wir legen regelmäßig Futterspuren“, berichtet Hernold. Die Eintagsküken und Reste einer verendeten Ziege, die direkt vor dem Gehege platziert werden, sind auch immer weg. „Das kann aber auch ein Waschbär sein, ein Fuchs oder eine Krähe“, deutet Hernold auf andere tierische Futtergäste.

„Keine Gefahr für Menschen“

Kehrt der Abgänger in den nächsten Tagen nicht freiwillig zu seinen fünf Artgenossen im Wildtierpark zurück, dann soll in Absprache mit einem Luchsexperten eine Lebendfalle aufgestellt werden. „Wir werden alle Möglichkeiten ausschöpfen“, kündigt Seuring an.

Die zuständigen Behörden wie Veterinäramt, Obere Naturschutzbehörde und Edertaler Ordnungsamt wurden laut Hernold bereits über den entlaufenen Luchs unterrichtet. Eine unmittelbare Gefährdung für Menschen durch die Großkatze bestehe nicht, betont Seuring. „Erfahrungen aus dem Luchsauswilderungsprojekt im Nationalpark Harz belegen, dass es dort noch keinen einzigen Zwischenfall zwischen Luchs und Mensch gab.“ Wanderer hatten dort lediglich Sichtkontakt und konnten das Tier ausgiebig beobachten, da es nicht sofort flüchtete. Dieses Verhalten sei jedoch kein eindeutiges Indiz dafür, dass es sich dabei um einen ausgewilderten Gehegeluchs handele. „Auch wildgeborene Luchse sind mitunter sehr dickfellig und zeigen keine Scheu in bestimmten Situationen.“ Da Hunde eine Anziehungskraft auf Luchse ausüben, rät Hernold, Hunde im Wald unbedingt anzuleinen. Wenn Gehegeluchsen die Flucht gelingt, dann leistete meist ein Sturm Schützenhilfe. Über abgebrochene Äste oder umgestürzte Bäume überwinden sie auch Zäune. Dass ein Kuder einen Fluchtweg im Boden nimmt, sei außergewöhnlich.

Wer einen Luchs sichtet, wird sofort um Nachricht an Wildtierparkleiter Albert Hernold unter Tel. 0160/4706223 gebeten.

Große Katze mit Stummelschwanz

Luchse sind etwa so groß wie Schäferhunde (Schulterhöhe 50 bis 60 Zentimeter), haben ?ein geflecktes Fell, Pinselohren, einen rundlichen Kopf mit Backenbart sowie einen Stummelschwanz. Sie wiegen um die 20 Kilogramm. In freier Wildbahn werden Luchse 8 bis 15 Jahre, in Gefangenschaft über 20 Jahre alt. Im Mai/Juni werden Junge geboren, sie bleiben 10 Monate bei der Mutter. Kehlig-heisere Rufe beider Geschlechter sind zur Paarungszeit von Februar bis April zu hören. Lebensraum der Luchse sind wald- und wildreiche Gebiete mit Territoriumsgrößen von 150 bis 400 Quadratkilometern bei Männchen und 50 bis 200 bei Weibchen. Quelle: Arbeitskreis Hessenluchs; www.luchs-in-hessen.de.

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