Bäderkonzept schlägt hohe Wellen Bürgerversammlung in der Wandelhalle

Favorit: Neubau an Quellentherme

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Bad Wildungen - Sechs Varianten für ein neues Schwimmbad, vorgestellt von einem Bäder-Experten, etliche leidenschaftliche Plädoyers aus dem Publikum für das Heloponte und jede Menge bohrender Fragen an den falschen Adressaten – so verlief eine denkwürdige Bürgerversammlung. Sie endete mit einem Eklat und einem Rausschmiss und zeugte von unfeiner Streitkultur.

Das Besucherinteresse ist mager. Nur rund 100 Interessierte verfolgen die zweieinhalbstündige Sitzung, darunter zahlreiche Stadtpolitiker und Rathaus-Mitarbeiter.

Dr. Stefan Kannewischer, der das Bäderkonzept erarbeitete, ist am Montagabend für die Heloponte-Verfechter der Überbringer der schlechten Botschaft: keine Empfehlung für die Sanierung des geliebten Schwimmbads, dafür sechs Varianten für einen Neubau und den guten Rat, auf das Freibad zu verzichten. „Die Besucherzahlen sind extrem schlecht.“

Nächste Gesundheitsreform wäre großes Problem

Rund 12 000 Badegäste kommen im Sommer, dreimal so viel wären notwendig. „Wir haben es hier mit einer sehr unwirtschaftlichen Anlage zu tun.“ Trotz zurückgehender Zahlen sehe es im Hallenbad deutlich besser aus. „100 000 Gäste zeigen, dass lokaler Bedarf da ist.“ Bei einem Neubau kommen verschiedene Modelle infrage, vom reinen Sportbad bis zum Wellness-Tempel.

Der Schweizer empfiehlt den Blick zur Konkurrenz über Stadt- und Kreisgrenzen. „Es gibt fast ausschließlich Freizeitbäder in der Region.“ Thermen dagegen existieren nur in Kassel, Bad Emstal, Bad Hersfeld, Bad Endbach. „Wahrscheinlich wäre Bad Wildungen gut beraten, ein neues Standbein für den Tourismus aufzubauen“, sagte Kannewischer mit Fingerzeig auf die risikoreiche Situation im Reha-Bereich. Drei Viertel aller Kuren seien von Krankenkassen finanziert. „Wenn eine neue Reform kommt, hat Wildungen ein Problem.“

Vier bis fünf Jahre bis zur Eröffnung

Der Fachmann tendiert zu einem Neubau in Reinhardshausen neben der Göbel-Hotelgruppe. „Uns erscheint ein Sporthallenbad mit Sauna an der Quellentherme als vernünftigste Lösung.“ Nachteil: Schulkinder kommen nicht zu Fuß dahin. „Und wenn man wirklich etwas für den Tourismus tun will, dann baut man eine Therme auf der Bornebachwiese mit 25-Meter-Becken.“

Für einen Neubau sind sechs Standorte im Gespräch. Altwildungen und Ense-Schule seien wenig attraktiv, weil zu abseits gelegen, auch bei der Quellentherme in Reinhardshausen ist das ein Minuspunkt. Das Gesamturteil „gut“ gibt es für den Standort des jetzigen Heloponte, die Bornebachwiese neben dem Maritim-Hotel (Verknüpfung mit Hotel erwünscht) und das Kurhaus-Areal. Eins ist klar: Die richtige Entscheidung – was wie und wohin – ist nicht einfach. Mit zwölf bis 18 Monaten politischer Willensbildung rechnet der Bäderexperte. Samt Architektenwettbewerb, Planung und zweijähriger Bauzeit gehen locker vier bis fünf Jahre bis zur Eröffnung ins Land.

Eine Sanierung im Bestand hat der Schweizer ausgeschlossen. Sein Urteil: Mit 8 bis 11 Millionen Euro Investitionen und jährlich 2,7 Millionen Euro Defizit bei gleichem Angebot – das ist viel zu unattraktiv.

Von Conny Höhne

Weitere Informationen zum Wildunger Bäderkonzept finden Sie in der WLZ-Ausgabe vom 1. Juli.

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