Juristischer Vertreter des Nachbarn argwöhnt, auf der Waldecker Halbinsel Scheid gehe es eigentlich um größeres Gastronomieprojekt

Feigenblatt-These zum Wohnmobilplatz

Waldeck-Scheid - Heute Abend entscheidet die Stadtverordnetenversammlung im Höringhäuser Bürgerhaus über den Bebauungsplan für den Wohnmobil-Stellplatz auf Scheid. Der Campingplatz-Besitzer unterhalb der vorgesehenen Fläche wehrt sich weiterhin gegen das Vorhaben.

Er lässt sich vertreten von seinem Schwager Martin E. Mokrus, Richter am Verwaltungsgericht in Kiel. Mokrus hält den geplanten Wohnmobilstellplatz für Etikettenschwindel und hegt den Verdacht, der Investorin gehe es vorrangig um die „Almhütte“, die auf dem Stellplatz geplant ist. Letzterer erfülle nur die Funktion eines Feigenblatts.

Remmi-Demmi-Gastronomie á la Siggi vom Willinger Ettelsberg auf Scheid? All das unter falscher Flagge? Mokrus begründet sein Misstrauen mit zwei Umständen: 1. Die eingeschossige Almhütte, die derzeit auf eine Traufhöhe von fünf Metern und eine Grundfläche von 150 Quadratmetern bemessen ist (60 Gästeplätze), ließe sich bei geschickter Ausnutzung der Hanglage und der Hessischen Bauordnung auf eine weit größere Nutzfläche erweitern: durch ein Kellergeschoss (zählt juristisch nicht als Geschoss, weitere 150 Quadratmeter Nutzfläche), durch ein aufgesetztes „Staffelgeschoss“, das Dreiviertel des Vollgeschosses betragen darf (zählt juristisch nicht als Geschoss, weitere 110 Quadratmeter), und schließlich durch ein Dachgeschoss (zählt juristisch nicht als Geschoss und brächte weitere 110 Quadratmeter Grundfläche). Zur Hangseite könnte ein solches Objekt auf eine Traufhöhe bis zu 15 Metern kommen – und auf dem Papier als eingeschossig gelten.Hessische Baurechtsexperten, die namentlich nicht genannt werden wollen, bestätigen die Auslegung des niedersächsischen Verwaltungsjuristen. Der Bebauungsplan enthalte „große Unschärfen“. Besser, man fasse ihn mit spitzen Fingern an.

2. Mokrus hält die sanitäre Ausstattung, die für die 86 Wohnmobilstellplätze bereit gestellt werden soll, für unzureichend. Eine zentrale Ver- und Entsorgungsstation ist für das untere Ende des Grundstücks vorgesehen. Ein mobiler Container mit WCs und Duschen soll hinter der Almhütte platziert werden. Zu wenig, um für Wohnmobil-Touristen attraktiv zu sein, meint Mokrus. Aus beiden Aspekten zieht er den Schluss, die Planung ziele vorrangig auf den Bau einer größeren Gastronomie in 1A-Lage ab, die der Flächennutzungsplan allein nicht zuließe. Möglich werde so ein Projekt erst in Verbindung mit dem Etikett „Wohnmobil-Stellplatz“.Tatsächlich erwarten Wohnmobilisten nach Auskunft eines Camping-Spezialisten vom ADAC gute Versorgungs- und Entsorgungs-Technik sowie Sanitäranlagen als Standard auf einem Stellplatz, der für sie attraktiv sein soll.

Mokrus setzt noch eins auf seine Theorie auf: „Mein Schwager hatte Kontakt zu den Investoren und kündigte ihnen an, er werde den Wohnmobilisten im Zweifel den Zugang zum See über seinen Campingplatz verwehren.“ Die Antwort der Investoren laut Mokrus: Das sei ihnen egal. Mokrus bezweifelt, dass dies auch für Wohnmobil-Touristen gilt, die einen See-Stellplatz ansteuern.

Bürgermeister Jörg Feldmann hält die Gedankenspiele des Verwaltungsrichters dennoch für abwegig. „Im Planungsprozess hatten alle Träger öffentlicher Belange Gelegenheit zur Stellungnahme, auch die Nachbarn“, erklärt der Rathauschef. Mokrus führe beständig neue Einwände heran, obwohl der Prozess der Abwägung und Auslegung des Bebauungsplanes form- und fristgerecht abgeschlossen sei.

Wenn es der Investorin um ein reines Gastronomieprojekt gegangen wäre, „hätte sie das einfacher haben können als an der ausgewählten Stelle.“ Ihr gehöre auf Scheid ein weiteres Wiesengrundstück mit bester Aussicht, gegenüber dem Rehbach, betont der Bürgermeister.

Zunächst auf einen Sanitär-Container zu setzen, der sich hinter der Almhütte aufstellen und nach Ende der Saison jeweils abbauen lasse, ergibt für Feldmann Sinn. So könne der Investor die Entwicklung der Nachfrage nach dem Stellplatz beobachten und flexibel reagieren. „Warum soll man gleich eine feste Einrichtung bauen, die sich als zu klein oder zu groß dimensioniert erweisen könnte?“, fragt Feldmann.

Der Bebauungsplan schließt die Gefahr einer Remmi-Demmi-Gastronomie aus, fügt er hinzu. Denn zugelassen sei ein reiner Tages- und Saisonbetrieb, keine Öffnung bis in die Nacht oder während der Wintermonate.

„Wir sehen häufig Wohnmobile am Edersee stehen, deren Besitzer nicht recht wissen, wo sie hin sollen. Ich betrachte die Entwicklung auf Scheid mit dem neuen Projekt als positiv“, schließt der Bürgermeister. Die Investoren selbst bezogen auf WLZ-FZ-Anfrage gestern keine Stellung zum Thema.

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