Publikum in der Reinhardshäuser Wandelhalle erlebt preisgekröntes Programm

„Ferien auf Sakrotan“ zum Abschluss der Wildunger Gesundheitswoche

Börchers mit einer E-Zahnbürste und der Frage: „Was will ich mit der Zahnprothese, wenn mir Geld für Kukident fehlt?“ Foto: Senzel

Bad Wildungen. Die Wildunger Gesundheits- und Fitnesswoche endete mit dem Info-Tag für Frauen in der Wildunger und mit einem Kabarettabend in der Reinhardshäuser Wandelhalle.

Der Bielefelder Ingo Börchers freute sich, in Reinhardshausen, „diesem Epizentrum des ausgelassenen Frohsinns“ aufzutreten, „denn bei uns in Bielefeld denkt man bei dem Wort Karneval nicht an Hände zum Himmel, sondern an Tröpfcheninfektionen.“

Zu „Ferien auf Sagrotan“ bat Börchers das Publikum mit seinem Programm, für das er 2017 den „Leipziger Löwenzahn“ erhielt.

Bekennender Hypochonder

Ingo Börchers ist bekennender Hypochonder, der mehrere Krankheiten gleichzeitig be- und das große Geschäft mit unserer Gesundheit kabarettistisch anklagt. Kein Wunder, dass unsere Alten ihre Ferien auf Sagrotan verbringen, lauern doch sonst überall die verfluchten Keime, Bakterien, Pilze, Bazillen und Viren. Nicht nur auf der Klobrille, nein auch am Geldautomaten, im Krankenhaus, an jedem Türgriff und sogar das Ballbad der Möbelhäuser ist ein Zentrum für Bakterien. „Das Leben ist voller Nebenwirkungen“ war der rote Faden durch das Programm. Kaum sterben die Raucher nicht mehr an Lungenkrebs, weil sie nur noch vor der Tür rauchen dürfen, da leben sie an Lungenentzündung ab. Selbst in der Sauna gedeiht mehr biologisches Leben als im Regenwald. Die Geburt eines Kindes verläuft nicht ohne Nebenwirkungen, findet Ingo Börchers, „andere Frauen gehen zur Fort- und Weiterbildung, meine zur Rückbildung.“

Nicht lange nach der Geburt beginnt in der Kita der Leistungsdruck. Das passe genauso gut zu Kindern wie ein Porsche zum Tempolimit. Der Kabarettist wusste, dass zu den zehn häufigsten Todesarten Irrtümer in der Medizin gehören, „da wird geschluckt was die Blisterpackung hergibt“. Dabei komme oft erst das Medikament auf den Markt und dann die dazu passende die Krankheit. Pharmaberater regeln das. Zum Trost plane die Firma Apple, den Arztbesuch ab dem Jahr 2020 überflüssig zu machen: „An apple a day keeps the doctor away“.

Der Kabarettist sparte nicht an ernsthafter Sozialkritik, nannte etwa die Spekulation mit Lebensmitteln als das „Widerlichste, was es gibt“. Wir seien nicht mehr weit davon entfernt, auch mit Organen zu spekulieren, „und dann bekommt nicht der die Niere, der sie verdient, sondern der, der am meisten verdient.“

So hämmerte Börchers in seiner Stakado-Schnell-Sprache eine Pointe nach der anderen ins Publikum. Kaum hatte man begonnen, über einen seiner Sätze nachzudenken – und das war durchaus erforderlich – schoss er schon mit den nächsten scharf gezielten Wortgeschossen ins Publikum. Auf seinem Grabstein soll einmal stehen „ich hab‘s ja gleich gesagt“. (szl)

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