Sanierung wäre nach Ansicht der Stadt sehr teuer

Feuchtigkeit im Bau: Wildunger "Theater am Bunker" vorm Aus

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Feuchtigkeit bereitet gravierende Probleme: Das Wildunger Theat er am Bunker ist „abgängig“, wie es der Bürgermeister im Parlament formulierte.

Vor zehn Jahren erhielt das „Theater am Bunker“, das ThaBu, seinen Platz in der Wildunger Kulturlandschaft. Nun steht die Spielstätte vor dem Aus.

  • Das zehn Jahre alte "Theater am Bunker" hinterm Wildunger Maritim ist marode
  • Feuchtigkeit durchzieht das gesamte Gebäude
  • Ist die Sanierung zu teuer, brauchen die Theatergruppe Thespiskarren und Comedian Pierre Schäfer mit seiner  Veranstaltungsreihe "Thalentbude" einen neuen Spielort

Das war Thema in der Stadtverordnetenversammlung.  Der in Konstruktion, Technik und Eigentumsverhältnissen komplizierte Gebäudetrakt „ist abgängig“, stellte Bürgermeister Ralf Gutheil auf Nachhaken von Georg Wackerbarth (CDU) fest. Dieser hält es allerdings auf Grundlage eigener Erkundigungen für möglich, die gravierendsten aktuellen Probleme mit 10.000 Euro Ausgaben zu beheben, wie er im Parlament erläuterte.

Dem Thespiskarren regnet´s rein

„Es regnet hinein“, erklärt Bernhard Schäfer von der Theatergruppe Thespiskarren. Feuchtigkeit durchziehe das gesamte Gebäude so sehr, dass schon Polsterstühle geschimmelt seien. 7500 Euro Pacht jährlich, inklusive Nebenkosten, zahlt der Thespiskarren seit seinem Einzug 2009 in die frühere Staatsbad-Kfz-Werkstatt. Angesichts der Umstände eine zu hohe Summe, meint Schäfer. Bereits im vergangenen Jahr habe die Theatergruppe ernsthaft über einen Auszug nachgedacht. Auch der Bürgermeister sprach im Finanzausschuss davon, für die Kulturschaffenden aus dem „ThaBu“ eventuell eine neue Bleibe zu finden.

Thespiskarren und "Thalentbude" machten ThaBu bekannt

Die besondere Atmosphäre des „ThaBu“, die der Stimmung in alten Industrieanlagen ähnelt, lässt sich aber nicht so einfach verlagern. Der Thespiskarren mit seinen vielen Programmen und Veranstaltungen und Comedian Pierre Schäfer mit seiner jungen „ThalentBude“ haben den Ruf des Theaters am Bunker über Stadtgrenzen hinaus gemehrt und das ThaBu zu einer Art Kulturmarke ausgebaut: ein nach Ansicht vieler Zuschauer wertvoller Mosaikstein des Bildes von der „Kur- und Kulturstadt“, als die Bad Wildungen sich offiziell versteht und selbst vermarktet.

Dieser Rolle des ThaBu stehen die vielfältigen Probleme mit der 1940 erbauten Bunkeranlage gegenüber, erläutert Roland Bockhorn vom Bauamt. Sie gelangte im Zuge der Übernahme des Staatsbades in den Besitz der Stadt, aber nur in Teilen. Andere Bereiche des Traktes gehören dem Maritim-Hotel, etwa die dazugehörige Mietwohnung. „Die Räume unter der Wohnung wiederum sind städtisches Eigentum“, nennt Bockhorn als ein Beispiel für die verfahrene Ausgangslage.

Das größte Hindernis für eine effektive Sanierung, die auf Dauer die Feuchtigkeit bannen könnte, liegt Bockhorn zufolge in vier großen Wassertanks im Keller „Jeder von ihnen fasst 15.000 Liter“, erklärt er . Sie würden zwar längst nicht mehr genutzt, verhinderten aber durch ihre Lage ein wirksames Belüften etlicher Räume. In ihnen bilde sich daher regelmäßig Feuchtigkeit, die über die Jahre durchs Mauerwerk hinauf bis ins Thabu gekrochen sei. Die Tanks auszubauen, wäre mit dem Einsatz eines Schwerlastkrans verbunden. Weitere Umstände würden die Kosten einer Sanierung in große Höhen treiben. Eine konkrete Schätzung des finanziellen Aufwandes sei allerdings bisher nicht in Auftrag gegeben worden.

Hintergrund

Im Sommer 2009 zog die Gruppe Thespiskarren ins „Theater am Bunker“ ein. Die Laien-Schauspielgruppe brachte ein hohes Maß an Eigenleistung ein und dazu mehr als 40.000 Euro an eigenem Geld. Der Umbau der früheren Werkstatt kostete insgesamt 150.000 Euro, von denen die Stadt den Löwenanteil schulterte. Außerdem beteiligte sich der Kellerwaldverein mit Zuschüssen aus europäischen Fördertöpfen an dem Projekt. Für den Thespiskarren bedeutete der damalige Schritt, eine eigene kulturelle Heimat in der Stadt zu bekommen. Eine solche Heimat fand dort auch die inzwischen stets ausgebuchte „ThalentBude“ von Pierre Schäfer, in der Kabarettistinnen und Musiker aus ganz Deutschland und darüber hinaus zu Gast sind. Lässt sich in der Stadt ein fester Spielort mit vergleichbarer Ausstrahlung finden, wenn die Sanierung des ThaBu am Ende finanziell nicht zu vertreten ist? Historische Gebäude gibt es genug, denkt Bernhard Schäfer, doch ob sie zur Verfügung stehen und mit welchen möglichen Konzepten, bleibt zu klären.

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