Naturschutzverwaltung des Landes Hessen weist Spuren nach

Fischotter zurück an unterer Eder

Edertal - „Fischig-fruchtig, mit einem Hauch von Moschus“. Hier geht´s weder um einen innovativen Lagerfeld-Duft noch um die Beschreibung einer neuen Rotwein-Cuvee-Kreation – sondern um Fischotter-Kot. Treten Sie am Ufer der Eder in einen Haufen mit derartigem Aroma, dann geben Sie Laut, bittet die Hessische Naturschutzverwaltung.

Denn eine Sensation nimmt Gestalt an: Der in Hessen seit 50 Jahren als ausgestorben geltende Fischotter scheint zurückgekehrt und damit dem Beispiel von Luchs, Sumpfschildkröte oder Biber zu folgen. Das gab das hessische Umweltministerium am Donnerstag bekannt.

Ausgangspunkt war ein Zufallsfund. Ein Otter löste eine der vielen Fotofallen aus, die im Vogelsbergkreis 2013 zwecks Luchszählung aufgestellt wurden. Das nahmen die Biologen der Behörden zum Anlass, genauer nachzuschauen, denn auf den ersten Blick besteht Verwechslungsgefahr mit dem (nordamerikanischen) Mink, der sich als Flüchtling von Pelztierfarmen in Europa breit macht.

Ergebnis der Nachforschungen durch Biologen: Spuren des eurasischen Fischotters wurden im Vogelsbergkreis, im Spessart und – ja – an der heimischen Eder gesichtet. „Die Kollegen von der Oberen Naturschutzbehörde freuen sich einen Ast“, sagt Michael Conrad, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Kassel. Wo genau sich an der Eder Fischotter bemerkbar gemacht haben, verrät er aus nahe liegenden Gründen nicht, aber immerhin soviel: „Es ist unterhalb der Sperrmauer.“

Gerade in diesem Abschnitt des Flusses haben die Behörden und die Naturschutzverbände in den vergangenen Jahren viel unternommen, um der Eder wieder ein naturnäheres Gesicht zu geben. So entstanden durch die Sohlgleiten große Kiesinseln und das Wasser suchte sich neue Wege. Es ließ Uferkanten abbrechen und formte so Lebensräume, die seit Jahrzehnten verschwunden waren. Begradigungen und Ausbaggern hatten der Eder in der Vergangenheit den Charakter eines Kanals aufgezwungen. Umso mehr freuen sich die Naturschützer, dass die Umkehr offenbar Früchte trägt. Schließlich hatten in jüngerer Zeit auch Biber hier und da am Ufer Bäume gefällt und genau solche Lebensbedingungen liebt der Fischotter.

Für 2015 ist eine größer angelegte Fahndung nach ihm im gesamten Bundesland geplant. Mit ihr wollen die Experten herausfinden, ob die Otter Hessen bisher lediglich auf der Suche nach neuen Revieren durchstreifen oder ob sie begonnen haben, Familien zu gründen.

Lutra lutra (so sein lateinischer Name) auf frischer Tat zu ertappen, ist eine knifflige Aufgabe, denn der geschickte Fischjäger verhält sich gegenüber Menschen sehr scheu und lebt häufig nachtaktiv im Verborgenen. Umso offensichtlicher hinterlässt er aber das, was nach den Mahlzeiten ungenutzt hinten rauskommt und dessen Geruch Experten eben als „fischig-fruchtig, mit einem Hauch von Moschus“ beschreiben. Grätenreste und Fischschuppen glänzen in der dunklen Masse als weiteres Indiz.

Kurios: Laut Biologin Susanne Jokisch von Hessen-Forst (Servicezentrum für Forsteinrichtung und Naturschutz/FENA) legt der Otter seinen Kot häufig unter Flussbrücken ab. Statt unter ihnen her zu schwimmen, steigt er lieber an Land und läuft die Uferbankette entlang unter dem Bauwerk hindurch. Gleichzeitig nutzt er die Möglichkeit, Markierungen zu hinterlassen. Diese halten sich über Monate. „Untersuchungen des Senckenberg-Instituts für Wildtiergenetik in Gelnhausen haben zweifelsfrei erwiesen, dass die eingesammelten Kot‑reste von Fischottern stammen“, fügt Susanne Jokisch hinzu. Ist der Untergrund am Ufer weich, identifizieren Fachleute außerdem leicht die charakteristischen Pfotenspuren des Wassermarders.

Tödlich wirkt sich ihr Verhalten für die Tiere aus, wenn sie mangels geeigneter Uferstreifen statt dessen über die Straße seitlich einer Brücke laufen und überfahren werden. Mit Blick darauf hat das Umweltministerium die zuständigen Behörden bereits aufgefordert, die Gefahr für die Otter an Bach- und Flussbrücken durch das Anlegen von Banketten unter den Bauwerken einzudämmen.

Umweltministerin Priska Hinz vermutet ebenfalls, dass der Otter keinesfalls zufällig Hessen als Lebensraum wiederentdeckt. Darin spiegelten sich die erfolgreichen Bemühungen um bessere Wasserqualität und die Renaturierung von Flüssen und Bächen wider. „Speziell im Spessart könnte der Biber als weiterer Rückkehrer die Bedingungen für den Fischotter verbessert haben“, fügt sie hinzu.

Wer meint, Spuren eines Fischotters entdeckt zu haben, kann ein Meldeformular im Internet ausfüllen unter www.hessen-forst.de. (Matthias Schuldt)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare