Bad Wildungen: Runder Tisch Asyl will Zusammenleben der Kulturen fördern

Flirtsignale und Fettnäpfchen

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Bei Flirt und Freundschaft haben Kulturen ihren eigene Sprachen. Wie ein Lächeln oder ein Händedruck in ihrem Gastland zu deuten sind – dies und mehr erfuhren Flüchtlinge im Rahmen einer Veranstaltung des „Runden Tischs Asyl“.

Bad Wildungen - Wie kommen sich junge Menschen verschiedener Kulturen näher, ohne ins Fettnäpfchen zu treten? Das war Thema einer Veranstaltung beim runden Tisch Asyl. Flüchtlinge zwischen 17 und 19 Jahren holten sich im Jugendhaus wertvolle Tipps zur Kontaktaufnahme, die Missverständ­nisse vermeiden sollen.

„Gerade beim Flirten gibt es viele unbekannte Regeln, die sich in den verschiedenen Kulturen unterscheiden und daher auch Konfliktpotenzial bergen können“, sagte Altstadtkoordinatorin Friederike Büttner. Sie hat das selbst erfahren beim Zeitungaustragen in der Altstadt, wo sie von einem jungen Mann aus anderem Kulturkreis „verfolgt“ wurde. „Ein offenes Lächeln, was für uns völlig normal ist, kann von anderen falsch verstanden werden“, weiß Büttner.

„Kulturen haben ihre eigene Sprache“

Angesichts der steigenden Zahl von Flüchtlingen sei der Austausch von Wissen über andere Kulturen wichtig zum gegenseitigen Verständnis. Wie hierzulande Flirtsignale ausgesendet werden und was zum freundschaftlichen Miteinander gehört, das erfuhren junge Flüchtlinge im Jugendhaus. „Gerade die nonverbale Kommunikation spielt bei der Kontaktaufnahme eine sehr große Rolle und kann zu Missverständnissen führen“, betont die Altstadtkoordinatorin.

Signale wie direkter oder indirekter Blickkontakt, Händeberührung oder Lächeln würden kulturspezifisch gedeutet. Beispiel: Ein Mädchen sendet unbewusst Signale aus, die für sie „ganz normal“ sind und „nichts Besonderes bedeuten“. Ein Junge aus anderem Kulturkreis wertet dies jedoch als „eindeutige Absicht“ und „Anmache“, auf die er reagieren muss. „Solche kulturell bedingten Unsicherheiten bergen ein zusätzliches Problempotenzial“, glaubt Büttner. Ihr eigenes Erlebnis war Anlass für eine Veranstaltung, die der runde Tisch Asyl gern aufgriff, betonte Mizrab Akgöz, Leiter des Asklepios-Bildungszentrums. Er ist in der Türkei geboren und kam als Achtjähriger nach Deutschland; viele Probleme der Flüchtlinge kennt er aus eigener Erfahrung. „Die Kulturen haben ihre eigene Sprache.“

Auch in der Bevölkerung herrsche Unsicherheit im Umgang mit den fremden Neubürgern. „Darf ich einer Frau, die aus der muslimischen Gesellschaft kommt, in die Augen schauen und sie anlächeln?“ - Diese und andere Fragen beschäftigen viele Einheimische, weiß Akgöz. „Unterm Strich ging es bei der Veranstaltung darum, sich gegenseitig besser zu verstehen.“ Das ist aus Sicht Büttners unter Beteiligung von Mitarbeitern des Jugendhauses, des Altstadtvereins und des Asklepios-Bildungszentrums erreicht worden. Die jungen Leute aus Eritrea, Sri Lanka und Somalia und ein Wildunger tauschten sich lebhaft aus, Schwellenängste wurden abgebaut. Büttner: „Ein Teilnehmer hat gesagt: Ich bin richtig froh, weil ich das Gefühl habe, dass mich die Deutschen jetzt verstehen.“

270 Flüchtlinge in Bad Wildungen

Der Wunsch nach gegenseitigem Verständnis werde auch im Wildunger Klinikalltag immer wieder laut, bemerkt Akgöz. Gerade Patienten aus den arabischen Ländern fragten nach Tipps zum richtigen Verhalten in ihrem Gastland. „Es ist wichtig, an dem Thema dranzubleiben.“

Die Flüchtlingswelle führe zu großen Unsicherheiten, hat auch Bürgermeister Volker Zimmermann beobachtet. „Für den runden Tisch Asyl war diese Veranstaltung ein wichtiger Anfang.“ Aktuell leben rund 270 Flüchtlinge in Bad Wildungen - Tendenz weiter steigend. Weitere 56 Menschen wurden der Badestadt noch für dieses Halbjahr angekündigt. Zimmermann: „Wir sind dabei, Einzelwohnungen in der Stadt anzumieten.“

Von Conny Höhne

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