Vier Bands aus dem In- und Ausland

Folk in der Wandelhalle: 700 Besucher erleben internationales Festival in Bad Wildungen

Glasklare Stimmen aus den Dolomiten: Natalie Plöger und die Schwestern Elisabeth und Marlene Schuen verzaubern mit ladinischen Gesängen. Foto: Höhne

Bad Wildungen. Freunde internationaler Folkmusik hörten beim 23. Festival „Folk im Park“ eine außergewöhnliche Mischung aus Liedern und Instrumenten.

Die Veranstaltung im Rahmen des Kultursommers Nordhessen begann am Freitag in der voll besetzten Altwildunger Kirche und wurde am Samstagabend mit drei Bands im Kurpark fortgesetzt – allerdings nicht wie geplant unter freiem Himmel.

In seiner 23. Auflage mutierte das Festival, das einst als Folk im Schloss aus der Taufe gehoben wurde, diesmal zum Folk in der Wandelhalle. 

Angesichts der heftigen Gewitter, die für den Samstagnachmittag angekündigt waren, ging Veranstaltungsleiter und Moderator  Gereon Schoplick vom Stadtmarketing auf Nummer sicher und verlegte das Festival unter das schützende Dach. „Wir mussten schon um 9 Uhr eine Entscheidung fällen, denn der Aufbau mit Soundcheck dauert einige Stunden.“

Wie die Straßenbahn

Rund 500 Besucher erlebten am Abend ein Feuerwerk an Folkmusik ganz unterschiedlicher Stilrichtungen. Den Anfang machte die Gruppe „Bube Dame König“ aus Halle. Neue Volkslieder, angehaucht durch irische, bretonische und skandinavische Einflüsse, trafen den Nerv des Publikums. 

Eine Vielzahl an Instrumenten kam zum Einsatz, darunter Maultrommel und Drehleier. Die Texte aus Sagen und Legenden wurden mit glasklarem Gesang und viel Humor dargeboten.

Ein Schmankerl im Festival-Programm: Ladinische Gesänge eines Frauen-Trios aus den Dolomiten. Stimmgewaltig entführte „Ganes“ auf eine Reise quer durch die Musikstile, von verträumten Liedern aus der ladinischen Heimat bis hin zu modernen Pop-Songs. Zugabe: ein „Deichjodler“. 

Mit Balkan Gypsy Speed drehte zum Abschluss die fünfköpfige Band Maik Mondial richtig auf. Die Preisträger des Weltmusikwettbewerbs „creole 2017“ verzichteten auf Gesang und setzten allein auf den Klang ihrer Instrumente. Dafür sang das Publikum zweistimmig mit – „Dadadadada“ erklang es aus Saal und Empore. Die Musiker entlockten ihren Instrumenten ungeahnte Klänge. Höhepunkt: Eine holprige Straßenbahnfahrt, dargeboten im fantasievollen Mix aus Violine, Trompete, Gitarre, Bass und Schlagzeug. 

Kurz vor Mitternacht endete ein ebenso unterhaltsamer wie niveauvoller Abend mit donnerndem Applaus. „Einfach Spitze“, schwärmte ein Stammgast. Da fiel gar nicht mehr ins Gewicht, dass das Open-Air-Erlebnis im Kurpark zum Konzert in der Wandelhalle wurde. Regen und Gewitter zogen an dem Abend knapp an der Kurstadt vorbei.

Zugabe vor dem Blutmond

Über 200 Besucher erlebten in der Altwildunger Nicolaikirche am Freitag ein Auftakt-Konzert des Frauentrios Sutari. 

Die jungen Polinnen zogen das Publikum mit eigenwilligen Arrangements von polnischen und litauischen Volksliedern vom ersten Ton an in ihren Bann. Sparsam, aber wirkungsvoll wurden sie mit Geigen, Kantele, einer polnischen Bassgambe und Rahmentrommel begleitet und versetzten mit Ausdrucksmöglichkeiten der Stimme ins Staunen. Natur- und Windgeräusche, Vogelstimmen, aber auch herzhaftes Lachen wurden in die Musik integriert. 

Manchmal leise und anrührend, manchmal mit geballter archaischer Kraft sangen die drei Musikerinnen von Liebe, Schmerz und Freude. Und manchmal wurden zum Vergnügen der Besucher auch Küchengeräte zu Musikinstrumenten. Lang anhaltenden Applaus gab es nach einem zweistündigen Programm. 

Zur Zugabe wurden alle auf die Wiese vor der Kirche gebeten: Unverstärkt sangen die Musikerinnen der Gruppe „Sutari“ noch ein Lied vor der Kulisse der Mondfinsternis. 

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