Edertal

Frau Otter hat die Hosen an

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- Edertal (su). Näher heran mit dem Publikum an die Stars des mitteleuropäischen Waldes – unter diesem Motto steht der WildtierPark Edersee in den nächsten Jahren vor einem tief greifenden Wandel. Zugleich freut sich der Park über neue Jungstars der aktuellen Saison: vom Timberwolf-Mädchen über kleine Luggerfalken bis zum Nachwuchs bei Otters.

„Zum ersten Mal in 40 Jahren wurden bei uns zwei junge Fischotter geboren“, gab Albert Hernold, Chef des Parks, beim traditionellen Rundgang des Fördervereins am Dienstagabend am Gehege bekannt. Otterweibchen „Finchen“ schenkte am 4. April zwei offenbar kerngesunden Jungen das Leben – und lässt seitdem ihren Gatten „Otto“ nicht mehr in die Nähe der Wohnhöhle, faucht ihn an und vertreibt ihn, sobald er sich nähert. Ein natürliches Verhalten für (ausschließlich???) Fischotterweibchen, die in freier Wildbahn ihren Nachwuchs alleine großziehen.

„Eigentlich zeigen sich die Mütter auch dem Menschen gegenüber in dieser Phase oft aggressiv, aber zu mir hat sie offenbar Vertrauen“, erläuterte Hernold den Vereinsmitgliedern anlässlich der Jahreshauptversammlung. So weit, dass er die Jungen in die Hände nehmen konnte, reicht Finchens Zutrauen allerdings nicht und so weiß bislang niemand, ob es sich um Jungs, Mädchen oder ein gemischtes Pärchen handelt. Bevor die Besucher die zwei zu Gesicht bekommen, vergehen noch etwa vier Wochen. Solange bleiben die Kleinen mit der Mutter in der Höhle. „Erst danach beginnen wir wieder mit den Schaufütterungen. Im Moment hat das keinen Sinn, weil beide Eltern sich kaum locken lassen“, erklärte Hernold.Fischotter erblicken bei der Geburt keineswegs das Licht der Welt, sondern öffnen die Augen erst nach gut einem Lebensmonat.

Nachwuchs vermeldet auch die Greifenwarte. Die Falkner Ludger Kluthausen und Theo Koch präsentierten den Fördervereinsmitgliedern einen von mehreren kleinen Luggerfalken, der seinen gesegneten Appetit laut rufend bei einer spontanen Fütterung eindrucksvoll unter Beweis stellte. Zum vorerst letzten Mal können die Besucher im Frühjahr 2011 den Anblick eines Wolfswelpen genießen, einer kleinen Dame mit dunklem Fell wie ihre Mutter. „Vom Ausmaß des Bauches bei der trächtigen Leitwölfin her haben wir mit einem Wurf von sechs oder sieben Jungen gerechnet“, räumte Hernold ein. Nun sind er und sein Team froh, dass es nicht mehr geworden sind, weil junge Timberwölfe – die kanadische Variante des Grauwolfes – schwierig abzugeben sind. „Wir wollen unser elf Köpfe zählendes Rudel nicht weiter vergrößern, sondern es nach und nach auslaufen lassen, um auf europäische Wölfe umzustellen“, erklärte Albert Hernold. Ziel ist der Aufbau eines großen Geheges, in dem künftig europäische Wölfe und Braunbären gemeinsam präsentiert werden – eines der Elemente des neuen WildtierPark-Konzepts. Dazu zählt der Bau neuer, begehbarer Gehege.

Bei den Wildschweinen wollen die Verantwortlichen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, erläuterte Nationalpark-Chef Manfred Bauer. Der steile Asphaltweg am Beginn des Wildpark-Rundgangs ist eine Barriere für Rolli-Fahrer und Gehbehinderte. In Zukunft schwenkt der Rundweg direkt ins Wildschwein-Areal hinein und führt barrierefrei auf einem erhöhten, an den Seiten gesicherten Bohlenweg in Serpentinen auf die Kuppe. „Kleine Brücken werden eingezogen, unter denen die Schweine herlaufen können. So erlebt der Besucher sie viel hautnäher als heute“, fügte Bauer hinzu.

Mehr lesen Sie in der WLZ-FZ vom Donnerstag, 5. Mai

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